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„Einzigartiges Projekt“ Investor für „Haus der Mobilität“ gesucht

03.11.2008 ·  Planungen sind weit vorangeschritten / Unterstützung durch Politik / Konkurrenz aus Hamburg

Von Hans Riebsamen
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Alle wollen sie ein „Haus der Mobilität“. Die alte und die voraussichtlich neue Landesregierung, die Frankfurter Stadtregierung, alle Parteien im Landtag wie auch im Frankfurter Römer. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) tritt für das Vorhaben ein, die Fraport AG, vier Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet. Dennoch warnt Staatssekretär Klaus-Peter Güttler (SPD), der für dieses Vorhaben federführende Mann im hessischen Wirtschaftsministerium: „Der Durchbruch ist noch nicht erreicht.“

Der Frankfurter Wirtschaftsdezernent Boris Rhein (CDU), im Magistrat zuständig für das Projekt, drängt denn auch auf Tempo. Das „House of Logistic and Mobility“, kurz „Holm“ genannt, sei ein in Deutschland und sogar in Europa einzigartiges Projekt, es könne ein weltweit führendes Kompetenzzentrum für Logistik und Mobilität werden - wenn nicht eine andere Stadt oder eine andere Region Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet zuvorkomme. Rhein spricht von einer „Riesenchance“, die man zügig nützen müsse. Und er sieht mit dem „Holm“ neue Jobs und neue Unternehmen nach Frankfurt und ins Umland kommen.

Geeinigt haben die Beteiligten sich immerhin darauf, dass das „Haus der Mobilität“ am Frankfurter Flughafen angesiedelt werden soll. Sie haben schon ein Gebäude dafür ausgeguckt, ein kleines Hochhaus im neuen Stadtteil Gateway Gardens direkt neben dem Frankfurter Kreuz. Güttler zufolge suchen die Gründer nach einem Investor, der ein Bürohaus mit Labors bauen und an das „Holm“ vermieten soll. Denkbar sei eine Landesbürgschaft. Das Projekt soll überwiegend von der Wirtschaft finanziert werden, der Staat kann nach Ansicht Güttlers allenfalls eine Anschubfinanzierung leisten.

Aufgabe: Mobilitätsfachleute ausbilden

Weil das Haus für das „Haus der Mobilität“ noch nicht gebaut ist, fängt das „Holm“ erst mal klein in kleinen Räumlichkeiten an, die die Fraport AG zur Verfügung stellt. Fraport-Vorstandsvorsitzender Wilhelm Bender und RMV-Chef Volker Sparmann haben sich bereit erklärt, Unternehmen anzusprechen, die Interesse am „Holm“ haben könnten. Davon dürfte es einige geben, schließlich ist die Logistikbranche der Wirtschaftszweig im Rhein-Main-Gebiet, der die meisten Mitarbeiter beschäftigt. Er zählt derzeit 141.000 sozialversicherungspflichtige Jobs und liegt damit sogar vor der Finanzbranche. Die Branche erwirtschaftet mehr als elf Milliarden im Jahr.

Eine der Hauptaufgaben von „Holm“ wird es sein, Mobilitätsfachleute auszubilden. Der boomenden Branche mangelt es an Fachkräften, ihr fehlen nach Angaben des Bundesverbandes Logistik jedes Jahr 3000 bis 4000 Akademiker. An einer „Schule der Logistik und Mobilität“ unter dem Dach des „Holm“ sollen Nachwuchskräfte ausgebildet werden. Die Güte der Ausbildung garantieren die vier beteiligten Hochschulen: die Frankfurter Universität und die Frankfurter Fachhochschule, die Technische Universität Darmstadt und die European Business School. Auch Weiterbildung soll am „Holm“ stattfinden.

Unter dem Dach oder zumindest unter der Koordination des „Hauses der Mobilität“ soll auch Forschung betrieben werden. Von den „Holm“-Labors und -Testfeldern in Gateway Gardens aus sollen einmal neue Verfahren, Technologien und neues Knowhow in alle Welt gehen, gegen gutes Geld. Nicht zuletzt soll das „Haus der Mobilität“ ein internationaler Treffpunkt für Mobilitätsfachleute sein. Zu den Konferenzen können sie mit dem Flugzeug, dem Zug, dem Auto oder mit Nahverkehrsmitteln kommen. Denn Gateway Gardens liegt, wenn der Stadtteil demnächst seinen S-Bahn-Anschluss erhält, am Kreuzungspunkt vieler Verkehrswege.

Welche Gremien werden geschaffen?

Im „Haus der Mobilität“ sollen nach den Vorstellungen der Gründer auch Geschäfte gemacht werden. Etwa von Unternehmen und Organisationen, die dort Repräsentanzen einrichten. Gedacht ist außerdem an ein Gründerzentrum und eine Arbeitsvermittlung für Logistiker.

Doch bevor diese anspruchsvollen Projekte angepackt werden können, muss zuerst einmal ein Businessplan erstellt werden. Soll man dem „Holm“ die Form einer Stiftung geben oder es zu einer GmbH machen? Wer übernimmt welchen Anteil an der Finanzierung? Welche Gremien werden geschaffen, und wer hat welche Einwirkungsrechte? Diese Fragen müssen jetzt im Kreis der Akteure geklärt werden. Zu diesem Kreis gehören die genannten vier Hochschulen, die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern, die Städte Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Mainz und Aschaffenburg sowie Unternehmen wie Fraport oder der RMV.

Das Startzeichen muss aber die Politik geben, vor allem die hessische Landesregierung. „Wir haben die einmalige Chance, etwas zu schaffen, was es noch nirgends gibt“, sagt Wirtschaftsdezernent Rhein. Anderswo wird man mittlerweile auch aktiv. Hamburg bekommt demnächst in seiner Hafen-City das „Kühne + Nagel-Zentrum“. Dieses neue Zentrum des weltweit tätigen Speditionskonzerns könnte ganz schnell ein „Haus der Mobilität“ werden. An der falschen Stelle, zumindest von Rhein-Main aus gesehen.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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