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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Dioxin Verbraucher verzichten auf Eier und Schweinefleisch

 ·  Wegen der Dioxingefahr gibt es derzeit eine hohe Nachfrage nach Bio-Produkten. Bauern fordern harte Bestrafung der Verantwortlichen.

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In den Lebensmittelmärkten klaffen derzeit Lücken in den Regalen. An der Stelle, an der sich sonst die Bio-Eier stapeln, findet, wer Glück hat, noch ein paar vereinzelte Packungen. Oft jedoch herrscht Leere – während sich direkt daneben die konventionellen Eier und solche aus Boden- und Freilandhaltung auftürmen. Seitdem bekannt wurde, dass sich in deutschen Dottern Dioxin verbergen könnte, lassen viele Konsumenten die Finger vom Ei oder greifen zur Bio-Variante. Diese können im aktuellen Fall nicht verunreinigt sein, weil Bio-Betriebe die Futterstoffe, von denen die Kontaminierung ausging, nicht verwenden dürfen.

„Wir verkaufen 30 Prozent mehr Eier als sonst zu dieser Jahreszeit“, sagt Stefanie Neumann. Sie ist Pressesprecherin von Alnatura im hessischen Bickenbach. Alnatura setzt auch bei Eiern ganz auf Bio.

In Hessen blieben größere Giftfunde bislang aus

Von erhöhten Dioxinmengen sind jedoch nicht nur Eier und Geflügel betroffen, verseuchtes Futterfett aus Schleswig-Holstein ist auch in Schweinemägen gelangt: In Niedersachsen wurde gestern erstmals ein erhöhter Dioxingehalt in Schweinefleisch nachgewiesen, mehrere hundert Tiere eines Betriebs im Landkreis Verden müssen nun getötet werden.

In Hessen blieben größere Giftfunde bislang aus. Zwar waren zehn Schweinemastbetriebe wegen des Verdachts auf erhöhte Dioxinbelastung zwischenzeitlich gesperrt worden, doch hat sich der Verdacht bei neun als unbegründet erwiesen. Derzeit ist nur noch ein Betrieb im Landkreis Hersfeld-Rotenburg betroffen. Dieser hatte Ferkel aus Thüringen bezogen, die mit dioxinbelastetem Futter gemästet wurden. Bernd Weber vom Hessischen Bauernverband versichert den Verbrauchern, dass der Verzehr von Eiern und Schweinefleisch weiterhin unbedenklich sei. Er fordert aber eine harte Bestrafung der Verantwortlichen des Dioxinskandals: „Die müssen mit der ganzen Härte des Gesetztes zur Rechenschaft gezogen werden“, sagt der Bauernvertreter nicht ohne Wut in der Stimme. „Die Leidtragenden sind wieder einmal die Bauern, die müssen um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten, wenn durch diese Kriminellen den Leuten der Appetit verdorben wird.“

Bewusstseinswandel gefordert

Das Umweltgift Dioxin war in das Tierfutter geraten, weil der schleswig-holsteinische Futtermittelhersteller Harles & Jentzsch industrielle Fettsäuren in sein Futterfett gemengt hatte. Das Unternehmen steht im Verdacht, bis zu 3000 Tonnen mit Dioxin versetztes Futterfett ausgeliefert zu haben.

Andreas Swoboda vom Lebensmittelhändler Tegut, der im Rhein-Main-Gebiet mit 56 Filialen vertreten ist, fordert einen Bewusstseinswandel in der Lebensmittelerzeugung: „Man darf die Tiere einfach nicht in kürzester Zeit mit Futterfett vollstopfen und schlachten.“ Landwirtschaft solle nicht weiterhin als „Land-Wirtschaft“ sondern als „Agriculture“ betrieben werden. Der Englische Begriff betone stärker das gestaltende Zusammenleben von Mensch, Tier und Natur, so Swoboda.

Es bestehe keine unmittelbare Gesundheitsgefahr

Auch kleinere Hofläden in Hessen spüren, dass sich ihre Kunden dieser Tage weniger fragen ob nun Huhn oder Ei zuerst da war, sondern ob sie beides unbedenklich genießen können. Margarethe Hinterlang vom Dottenfelderhof in Bad Vilbel, einem Biobetrieb, sagt: „Die Eier sind zur Zeit schon weg sobald sie gelegt sind.“ Der Fleischverkauf habe allerdings nur in geringem Maße angezogen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung legt unterdessen Wert auf die Feststellung, dass keine unmittelbare Gesundheitsgefahr für Verbraucher bestehe, die übliche Mengen an Eiern und Schweinefleisch verzehren. Dennoch sei es wichtig, dioxinbelastete Lebensmittel wegen ihrer möglichen Langzeitfolgen, aufzuspüren und aus dem Handel zu nehmen, sagt Instituts-Experte Helmut Schafft. Dioxin lagert sich im Körperfett ein, baut sich nur sehr langsam ab und ist krebserregend.

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