Home
http://www.faz.net/-gzm-14xdn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Diätassistentinnen Expertinnen für gute Ernährung

Die Gießener Diätschule ist vor 50 Jahren als erste staatliche Einrichtung ihrer Art in Hessen gegründet worden. Heute bildet sie 60 junge Leute unter dem Dach der Universität zu Diätassistentinnen aus.

© Rainer Wohlfahrt Vergrößern Ganze Portionen: Auszubildende kochen ihr Mittagessen selbst

Schwesternhauben wie auf einem Foto aus der Lehrküche am Gießener Klinikum zu Beginn der sechziger Jahre tragen die Schülerinnen nicht mehr. Auch der Gasherd hat ausgedient. Vieles hat sich gewandelt. Die Zubereitung von Mahlzeiten für Menschen, die spezieller Ernährung bedürfen, ist zwar noch immer ein wichtiger Bestandteil der Lehrgänge an der Gießener Diätschule, aber das Ausbildungsspektrum ist in den zurückliegenden Jahrzehnten immer breiter geworden. Medizinische Kenntnisse, Wissen um die Grundlagen der Lebensmittelchemie und nicht zuletzt psychologische sowie pädagogische Fähigkeiten sind heute ebenso gefragt.

Wolfram Ahlers Folgen:  

Entsprechend ist die Ausbildungsstätte erweitert worden. Die Lehrküche nimmt lediglich noch einen kleineren Trakt der Schule ein. Seminarräume, Bibliothek oder Arbeitszimmer, die mit Computern ausgestattet sind, gehören ebenso zu dieser Ausbildungseinrichtung, die vor 50 Jahren als erste staatliche Diätschule in Hessen ihren Betrieb aufnahm. Was damals mit fünf Schülerinnen begann, hat sich zu einer Lehreinrichtung unter dem Dach des Universitätsklinikums Gießen und Marburg entwickelt, die 60 junge Menschen zu Diätassistenten ausbildet.

Mehr zum Thema

Mangelhafte und falsche Ernährung

Impulse für die Diätlehre als eigener Ausbildungszweig gingen zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den Ernährungswissenschaften aus, als sich herausstellte, dass eine Vielzahl von Krankheiten und organischen Störungen nicht ohne entsprechende Essenszubereitung und Nahrungsaufnahme in den Griff zu bekommen sind. Als Beispiel nennt Stefan Wudy, ärztlicher Leiter der Diätschule, einen Stoffwechseldefekt, von dem man herausfand, dass er zu Unverträglichkeit von tierischem Eiweiß führt. Ohne entsprechende Diät, so beobachteten die Mediziner, führte das schon im Säuglingsalter zu schweren Entwicklungsstörungen.

Auch Menschen, die an Intoleranz gegenüber bestimmten Getreidesorten leiden, können bei spezieller Nahrungszusammenstellung ein Leben führen, das sich von dem Gesunder kaum unterscheidet. Umgekehrt stellte sich heraus, dass mangelhafte und falsche Ernährung zu schweren Krankheiten wie Rachitis oder Typhus führen konnten.

Mahlzeiten für Klinikpatienten

Je intensiver sich die Wissenschaft mit dem Zusammenhang von Krankheiten und Ernährung befasste, desto mehr stiegen die Anforderungen an die Weil es fortan nicht mehr nur darum ging, Patienten in Kliniken mit speziell für sie zubereiteten Speisen und Getränken zu versorgen, sondern diese auch auf die Einhaltung von Diäten nach dem Krankenhausaufenthalt vorzubereiten, entstand das Fach Ernährungslehre als eigener Zweig der Ausbildung von Krankenschwestern, die ersten deutschen Diätschulen nahmen in den zwanziger Jahren den Betrieb auf.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Offenbacher Notfallzentrum Keine Wartezeit bei Lebensgefahr

Das Sana-Klinikum in Offenbach hat seine Notaufnahme umgebaut und vergrößert. Denn immer mehr Patienten gehen direkt ins Krankenhaus statt in Arztpraxen. Mehr Von Christoph Borgans, Offenbach

15.12.2014, 08:00 Uhr | Rhein-Main
Ebola-Patient flüchtet aus Klinik

In der liberianischen Hauptstadt Monrovia brach ein Mann aus einer Quarantänestation für Ebola-Patienten aus und suchte auf dem Wochenmarkt nach Essen. Mehr

02.09.2014, 13:27 Uhr | Gesellschaft
Krankenhausreform Schwerpunkt auf Qualität statt Quantität

Hessens Gesundheitsminister sieht die geplante Krankenhausreform als Fortschritt. Sie sichere Patienten bundesweit einheitliche Standards und das Recht auf ein Zweitgutachten zu. Mehr Von Ralf Euler, Wiesbaden

09.12.2014, 21:00 Uhr | Rhein-Main
Klinik in Leipzig verteidigt Sicherheitsstandards

Der in Leipzig behandelte Ebola-Patient aus Afrika ist tot. Der 56 Jahre alte UN-Mitarbeiter sei trotz intensiv-medizinischer Maßnahmen der Infektion erlegen, teilte das Klinikum St. Georg mit. Der Sudanese war seit Donnerstag in dem Leipziger Krankenhaus behandelt worden. Mehr

14.10.2014, 17:41 Uhr | Gesellschaft
Psychotherapie als Stigma Und dann haben Sie eine F-Nummer

Den Freunden offen von der Psychotherapie erzählen, den Kollegen vom Burnout – das scheint inzwischen Normalität. Sind psychische Krankheiten völlig entstigmatisiert? Stigmaforscher sagen: im Gegenteil. Mehr Von Christina Hucklenbroich

07.12.2014, 08:45 Uhr | Wissen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.01.2010, 04:30 Uhr

Keine Brandmauer

Von Helmut Schwan

Die Stadt Frankfurt kann verdeckte Bordelle in Wohngebieten untersagen. Das bestätigt das Bundesverwaltungsgericht. Eine Brandmauer zwischen den Stadtvierteln wird es deshalb nicht geben - aus einem einfachen Grund. Mehr