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Dalai Lama in Hessen Für Tibet, Demokratie und Frauen

 ·  Der Dalai Lama besucht während seiner Tage in Hessen auch den Landtag. Ministerpräsident Volker Bouffier sagte, er sei ein Symbol der Friedfertigkeit.

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Als ihm Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) ein Potpourri mit hessischen Honigsorten überreichen lässt, strahlt der Dalai Lama. „Ich liebe Honig“, ruft er den Abgeordneten im hessischen Landtag zu. „Möglicherweise habe ich in diesem Leben so viel davon gegessen, dass ich als Honigbiene wiedergeboren werde.“ Kurz zuvor hatte das religiöse Oberhaupt der Tibeter noch empathisch für eine friedliche Lösung im Konflikt um kulturelle und religiöse Autonomie des tibetischen Volkes in China geworben und ein Plädoyer für Demokratie und Menschlichkeit gehalten, jetzt verzeichnet das Protokoll fraktionsübergreifendes Gelächter.

Es ist diese ihm eigene außergewöhnliche Mischung aus tiefer Ernsthaftigkeit und herzerfrischendem Humor, mit der das geistige Oberhaupt der Tibeter die Menschen für sich und die Sache seines Volkes einnimmt. Der Dalai Lama, so sagt Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bei der Begrüßung des Gastes, sei ein „Symbol der Friedfertigkeit und des Friedens“ und sein Besuch eine Ehre für den Landtag. Kartmann spricht von einem Vorbild an Demut und Geduld, das „Seine Heiligkeit“ im Bemühen um Gerechtigkeit für das von China besetzte Tibet seit mehr als einem halben Jahrhundert gebe. Deshalb habe er den Friedensnobelpreisträger und Träger des Hessischen Friedenspreises eingeladen, um vor Beginn der Landtagssitzung zu den Parlamentariern zu reden – zum zweiten Mal nach 1995.

Hübsch sollte sie sein

Der „Freund Hessens“, wie Bouffier ihn nennt, bedankt sich für die Gelegenheit, das Anliegen des tibetischen Volkes trotz der Kritik der chinesischen Staatsführung an die Öffentlichkeit zu tragen. In der Not seien Freunde mit Rückgrat kostbar, und in Hessen – das wisse er nach mittlerweile rund einem Dutzend Besuchen in dem Bundesland – habe sein Volk solche Freunde. Die Unterstützung der freien Welt sei eine „starke Botschaft“ an die kommunistischen Machthaber in Peking, sich des Tibet-Problems ernsthaft anzunehmen. Er sei „glücklich und fast stolz“, dass er den Tibetern die Demokratie nahegebracht habe.

Die Abgeordneten mahnt der Dalai Lama, eine von Werten wie Verantwortung, Ernsthaftigkeit, Aufrichtigkeit und gegenseitigem Respekt geprägte Politik zu betreiben. Und noch etwas schreibt der Mann mit der bordeauxfarbenen Kutte und dem orangenen Umhängetuch den hessischen Volksvertretern ins Stammbuch. Es müssten mehr Frauen in die Politik, sagt der Religionsführer, und es scheint als schaue er dabei auf die Phalanx der 19 Männer der FDP-Fraktion, die Kultusministerin Dorothea Henzler einrahmt.

Das weibliche Element im Leben stehe für Mitgefühl und Freundlichkeit, und deshalb hätte er auch nichts dagegen, wenn das nächste religiöse Oberhaupt der Tibeter eine Frau wäre. „Es sollte aber eine hübsche sein.“ Am Ende klatschen fast alle – auch Vertreter der Linkspartei, die beim Eintritt des Dalai Lama noch zurückhaltend geblieben waren. Aber nicht jeder Abgeordnete kann das „Brimborium“ um den kleinen Mann mit der großen Mission verstehen. Der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei beispielsweise, Willi van Ooyen, ist der Rede unter Hinweis auf die diktatorische Herrschaft der Mönche im ehemals unabhängigen Tibet ferngeblieben. Andere Parlamentarier sehen den Auftritt hingegen lockerer: „Wenn wir einmal jährlich das Hessentagspaar bei uns reden lassen, dann können wir doch auch dem Dalai Lama mal zuhören“, sagt einer von ihnen.

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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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