18.08.2009 · Wolfgang Gerhardt, der Spitzenkandidat der hessischen FDP bei den Bundestagswahlen, stellte sein Wahlplakat vor. In Wiesbaden demonstrierten Gerhardt und sein Parteifreund, der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn, wie die FDP in den nächsten sechs Wochen auf den Außenwerbeflächen im Hessenland punkten will.
Von Ewald Hetrodt, Wiesbaden„Wir wollen eine Koalition mit der Union, ansonsten bleiben wir Opposition.“ Diese Botschaft brachte Wolfgang Gerhardt, der Spitzenkandidat der hessischen FDP bei den Bundestagswahlen, unters Volk. Dabei diente der Slogan auf dem Wahlplakat der Bekräftigung: „Mein Wort gilt auch nach der Wahl.“ Auf einem Bürgersteig an der Elly-Heuss-Schule in Wiesbaden demonstrierten Gerhardt und sein Parteifreund, der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn, wie die FDP in den nächsten sechs Wochen auf den Außenwerbeflächen im Hessenland punkten will.
424 große Plakate sollen aufgestellt werden. Sie zeigen entweder Gerhardt, den aus Lich stammenden Vizepräsidenten des Bundestages, Hermann Otto Solms, oder den Bundesvorsitzenden von Partei und Fraktion, Guido Westerwelle. Mit seinem Bekenntnis zu einer Koalition mit der CDU reagierte Gerhardt auf die Aufforderungen aus der Union, sich klarer als bisher festzulegen. Gerhardt wies vor allem die Ermahnungen der CSU zurück: Die FDP habe ihre Koalitionsaussage „eigentlich schon getroffen“, werde aber im September noch einen förmlichen Beschluss fassen.
Hoher Bekanntheitsgrad
Dezidiert äußerte der FDP-Politiker sich zu der Frage nach dem Kampf um die Erststimme. Er werde nicht darauf verzichten, um die Erststimme zu werben. Die CDU führe einen Wahlkampf um beide Stimmen. Dasselbe gelte natürlich auch für ihn. Im Übrigen könne man der Union nur raten, ihre Anhänger in ausreichendem Maße zu mobilisieren. Wenn es für eine Koalition mit der FDP reichen solle, dürfe die CDU unter Angela Merkel die Wahl „nicht so vergeigen wie beim letzten Mal“.
Wenn Gerhardt in Wiesbaden in diesem Jahr eine besondere Bedeutung zukommt, so liegt dies an dem hohen Bekanntheitsgrad des fünfundsechzigjährigen FDP-Politikers. Er wohnt zwar seit langem in Wiesbaden, kandidiert dort aber zum ersten Mal. Bislang trat er regelmäßig im Wahlkreis Hochtaunus an und holte dort im Jahr 2005 exakt 9,1 Prozent, das beste Erststimmenergebnis der hessischen Liberalen.
Nicht auf Erststimmen angewiesen
Sollte Gerhardt an diese Größenordnung auch in Wiesbaden anknüpfen, könnte dies die CDU-Kandidatin Kristina Köhler entscheidende Stimmen kosten. Denn sie kann sich nicht auf ihren Listenplatz verlassen und will der Bundestagsabgeordneten Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) das Direktmandat abjagen. Dazu müsste sie im Vergleich zum Jahr 2005 aber drei Prozentpunkte gutmachen.
Das wird umso schwieriger, je mehr Erststimmen Gerhard für sich verbucht – ohne auf sie tatsächlich angewiesen zu sein. Denn er zieht über die Liste seiner Partei in den Bundestag ein, wenn diese mehr als fünf Prozent bekommt. Daran gibt es nach allen Umfragen derzeit keinen Zweifel.