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Breidenbacher Brauerei Helles Bock aus dem Hinterland

09.02.2010 ·  Ein kühner Plan: Fünf Gesellschafter haben sich darauf verständigt, in Breidenbach eine frühere Brauerei wieder in Betrieb zu nehmen. 6000 Hektoliter Hinterländer Bier im Jahr stößt der Kleinbetrieb aus.

Von Barbara Hofmann, Breidenbach
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Als die fünf Gesellschafter ihr Gewerbe anmeldeten, freuten sich die Leute auf dem Amt. „Die waren wirklich erstaunt, dass jemand eine Brauerei wieder eröffnet“, sagt Georg Meissner. Die fünf Freunde, von denen vier gemeinsam im Marburger Hinterland aufgewachsen waren, hatten 2007 beschlossen, die ehemalige Familienbrauerei Thome in Breidenbach-Wolzhausen wieder in Betrieb zu nehmen. In Zeiten, in denen der Bierkonsum zurückgeht und immer mehr Brauereien schließen, ein ungewöhnlicher Schritt, der bisher, soweit die „Hinterländer“ den Markt überblicken, keine Nachahmer gefunden hat.

Die fünf ließen sich nicht abschrecken und realisierten vor zwei Jahren mit rund 500.000 Euro Startkapital und vielen Helfern aus dem 660-Seelen-Dorf ihren kühnen Plan. Auch wenn sie zu Beginn einige „Fehlerchen“ gemacht hätten, habe das Konzept, ein Bier für die Region zu brauen, gestimmt. Doch bevor der damalige Braumeister den ersten Sud ansetzen konnte, brachten die Gesellschafter mit Freunden und Verwandten die Brauerei, die 1762 gegründet worden war und 2006 den Betrieb einstellte, wieder in Schuss. „Wir haben dort über ein Vierteljahr gearbeitet, Wände gestrichen, Schläuche und Leitungen gereinigt“, erzählt Meissner. Da die Einrichtung der Brauerei Thome ständig modernisiert wurde, mussten die neuen Besitzer nicht in kostspielige Technik investieren, sondern konnten die Anlagen übernehmen.

Zwei Vollzeit- und sechs Teilzeitkräfte

Am 1. April 2007 floss auf dem Sudfest des Hinterländer Brauhauses das erste Bier. Den Namen für ihre Brauerei hatten die fünf Freunde schnell gefunden. „Hier heißt alles Hinterländer“, so Meissner, also lag es auf der Hand auch die neue alte Brauerei danach zu nennen. Schließlich habe man die Identifikation mit der Region zeigen wollen. Das regionale Konzept ging auf, wenn auch der Start noch etwas holprig war. Anfangs habe die Akzeptanz bei der Kundschaft gefehlt, da das Bier aus dem Hinterländer Brauhaus pro Kasten 59 Cent teurer gewesen sei als das der Konkurrenz. Um den Preis bei ständig steigenden Energiekosten halten zu können, mussten in dem jungen Unternehmen zwei Arbeitsplätze abgebaut werden. Heute arbeiten in dem Brauereigebäude an der Sandstraße, das 1908 gebaut worden war, zwei Vollzeit- und sechs Teilzeitkräfte. Unterdessen gehören die Akzeptanzprobleme der Vergangenheit an, die Bevölkerung ist stolz auf ihre kleine Brauerei, was auch mehr als 100 gut besuchte Führungen im Jahr beweisen.

Die Kunden schätzen das Bier aus dem Hinterland, gebraut mit quellfrischem Wasser aus dem eigenen Tiefbrunnen und mit Braugerste aus dem Ebsdorfer Grund bei Marburg. Nur der Hopfen und der Braumeister kommen aus dem fernen Bayern.

6000 Hektoliter Hinterländer Bier im Jahr

Braumeister Jan Opper hatte schon im vergangenen Jahr in Wolzhausen Hopfen angepflanzt und hofft, dass er demnächst einen Sud für das Bockbier mit Hinterländer anstatt mit Hallertauer Hopfen ansetzen kann. „Die Regionalität ist unsere Stärke“, sagt der 35 Jahre alte Bierbrauer, der vor einem Jahr die Sudhaussteuerung übernommen hatte. Ehefrau Barbara, die ebenfalls Braumeisterin ist, kümmert sich um das Büro und die Finanzbuchhaltung. Die Kundschaft kommt nicht nur aus dem Hessischen Hinterland rund um Marburg, Gießen und Biedenkopf, sondern auch aus dem Rhein-Main-Gebiet und der Wetterau. Supermärkte, Getränkehändler und Gaststätten im Umkreis von etwa 50 Kilometern haben die bauchigen, 0,33 Liter fassenden „Stubbiflaschen“ mit dem markanten zweifarbigen Etikett ebenfalls in ihrem Sortiment.

Braumeister und Geschäftsführer Jan Opper, der in der bayerischen Brauerei seines Schwiegervaters Berufserfahrung sammeln konnte, braut mit seinem Gesellen 6000 Hektoliter Hinterländer Bier im Jahr. Tendenz leicht steigend. Mit dieser Menge sind die Gärbottiche, Edelstahltanks und Silos der Brauerei längst nicht ausgelastet. Bis zu 15 000 Hektoliter könnten hier gebraut werden. Die Hauptsorte des Brauhauses ist das Pils, von dem es eine mildere, süßlichere und eine herbere, hopfenbetonte Variante gibt.

Mit Festen und Aktionen Fans gewinnen

Opper brachte auch bayerische Braukunst ins Hessenland, seit dem vergangenen Sommer ist das Hinterländer Sommer-Weizen ein Verkaufsschlager. „Weizenbier gab es noch nie im Hinterland“, sagt er. Eine weitere Neuheit ist sein Hinterländer Helles Bock, das ebenfalls nach bayerischer Sitte im Dezember bei Vollmond gebraut wurde. Der Mond solle angeblich das Bier verbessern, so Opper, der allerdings nicht so sehr auf die Kräfte des Mondes setzt. Sein Vollmondbier sei wohl eher ein Marketinggag.

Mit Festen und Aktionen wollen die Gesellschafter vor allem die Hinterländer an ihre Brauerei binden. Gefragt sind die sogenannten Genussrechte, von denen bisher 1300 an Bierliebhaber ausgegeben worden sind. Als Dividende kassieren die Genussrechtsinhaber eine Kiste Bier, die sie sich in der Brauerei abholen können. Weitere 700 Genussscheine zu jeweils 100 Euro sind noch zu haben. Mit dem Schein erwerben die Inhaber jedoch weder Brauereivermögen noch Mitspracherecht. Das bleibt den fünf Gesellschaftern vorbehalten, denen Geschäftsführer Opper Bericht erstatten muss.

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