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Bistum Limburg Katholiken kehren Kirche den Rücken

02.08.2011 ·  Das Bistum Limburg verliert vor allem in den Hochburgen viele Mitglieder. Doch Sorgen gibt es in allen hessischen Diözesen.

Von Stefan Toepfer, Frankfurt
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Das Bistum Limburg hat im vergangenen Jahr vor allem in den katholischen Stammlanden viele Kirchenmitglieder verloren. Das geht aus einer Übersicht der Diözese hervor. Demnach traten 6291 Katholiken des Bistums aus der Kirche aus, 1715 mehr als 2009. Auch in den beiden anderen Bistümern mit Gebieten in Hessen, Mainz und Fulda, stieg die Zahl der Kirchenaustritte binnen eines Jahres in einer erheblichen Größenordnung. So verließen in der Diözese Mainz 6968 Mitglieder die katholische Kirche, 1825 mehr als 2009; im Bistum Fulda stieg die Zahl um 913 auf 2783. Zusammen haben die drei Bistümer im vergangenen Jahr 16 042 Katholiken verloren (gegenüber 11 589 im Jahr 2009); in ganz Deutschland waren es 181 193 (gegenüber 123 681).

Der Anstieg der Austritte in den katholischen Gegenden der Diözese Limburg war nach Auskunft von Gerhard Buballa von der Stabsstelle Pastorale Planung und kirchliche Entwicklung im Bischöflichen Ordinariat „sichtbar deutlicher“ als in anderen Bezirken. Zwar sind in Frankfurt, dem mitgliederstärksten Bezirk, 2010 nach absoluten Zahlen abermals die meisten Katholiken ausgetreten, der prozentuale Anstieg im Vergleich zu 2009 war mit etwa zehn Prozent aber relativ gering. Anders im Westerwald, wo 650 Katholiken gingen (gegenüber 369) oder im Bezirk Limburg, wo 724 zu 415), was Steigerungen um jeweils mehr als 70 Prozent entspricht. Auch der Anstieg im Rheingau liegt bei 40 Prozent.

Der Wunsch, die Kirchensteuer einzusparen, kann ebenfalls zu einem Kirchenaustritt führen

Mögen vor allem im Bezirk Limburg auch Diskussionen über das neue Bischofshaus oder die Veruntreuung von Geld durch einen leitenden Kirchenmitarbeiter Menschen zum Austritt bewogen haben – der wichtigste Grund für den immensen Anstieg war vermutlich der Missbrauchsskandal. Genau lässt sich das aber nicht sagen, denn bei einem Kirchenaustritt müssen die Gründe nicht angegeben werden. Die Zahl der Kirchenaustritte steigt seit 2007 wieder an.

Der Wunsch, die Kirchensteuer einzusparen, kann ebenfalls zu einem Kirchenaustritt führen. Das ist in den Augen der katholischen Oberhirten eine „schwere Verfehlung gegenüber der kirchlichen Gemeinschaft“. So hatte die Deutsche Bischofskonferenz schon vor fünf Jahren argumentiert, und der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann wies in seinem Hirtenbrief zur diesjährigen Fastenzeit noch einmal darauf hin. Darin hatte er die Kirchenaustritte zum Thema gemacht.

„Ich bedauere jeden einzelnen Austritt“

Zu einem solchen Schritt sind Buballa zufolge am schnellsten jene bereit, deren Bindung zur Kirche ohnehin schwach sei. Anders als noch in den siebziger und achtziger Jahren erwartet, komme diese Entwicklung aber nicht zu einem Stillstand. „Der jährlich abbröckelnde Rand wächst nach.“ Ein Mittel, um diesem Trend entgegenzuwirken, sieht Buballa in der Bildung von größeren Pfarreien. So könne sich die Kirche heute nur in solchen größeren Einheiten profiliert aufstellen und Menschen unterschiedlicher Milieus ansprechen, hebt er hervor. Diese „Pfarreien neuen Typs“ sicherten zudem die Perspektive für eine künftige Seelsorge. Alle Bistümer arbeiten wegen der aus demographischen Gründen schrumpfenden Zahl von Gläubigen und der ebenfalls kleiner werdenden Zahl von Priestern und kirchlichen Mitarbeitern schon jetzt an neuen Pfarreistrukturen.

Kardinal Lehmann hob damals in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit hervor: „Ich bedauere jeden einzelnen Austritt. Wenn es irgendwie geht und gewünscht wird, kommen wir vor allem vor Ort mit Ausgetretenen und Austrittswilligen in ein Gespräch. Es ist aber nicht leicht, sie zurückzugewinnen.“

Austritt leichter als Wiedereintritt

Die Zahl der Wiederaufnahmen ausgetretener Katholiken ist in Limburg und Mainz im vergangenen Jahr jedenfalls gesunken. Im Bistum Fulda steigt diese Zahl zwar, aber das Niveau von 2008 wird auch dort nicht erreicht. Lehmann sieht die Sorge um Austrittswillige, Ausgetretene und von der Kirche entfremdete Menschen als „wichtigen Schwerpunkt einer heutigen missionarischen Pastoral der Kirche“. Das sei eine Aufgabe jedes Christen, nicht nur der Geistlichen.

Zurück geht auch die Zahl der Taufen, was nach Buballas Worten vor allem daran liegt, dass die Katholiken immer weniger Kinder bekämen. Die Kirche müsse mehr für den Wert der Familie werben und dafür, dass es erfüllend sei, Kinder zu haben. Und noch eine andere Zahl gibt ihm zu denken: der Rückgang bei den Gottesdienstbesuchern. Wie groß dieser ist, fällt vor allem bei einem Langzeitvergleich ins Auge. Gingen im Bistum Fulda im Jahr 1990 noch 25,7 Prozent der Katholiken regelmäßig in die Kirche, waren es 2010 noch 16,9 Prozent. Im Bistum Limburg waren es einst 17,2 Prozent, heute sind es noch 11,6 Prozent, und in der Diözese Mainz ist der Anteil der Gottesdienstbesucher von 18,3 auf 10,7 Prozent gesunken. „Immer mehr Menschen wachsen aus dem Kernbereich heraus“, urteilt Buballa. Gerade dieser Trend dürfte sich angesichts der demographischen Entwicklung noch verstärken.

Der Austritt aus der Kirche wird gegenüber einer staatlichen Stelle erklärt und ist im Gegensatz zu einem Wiedereintritt relativ leicht zu bewerkstelligen. Nach Ansicht der katholischen Kirche stellt ein Austritt eine tiefgehende Verletzung dar, die quasi geheilt werden muss, um wieder zur Gemeinschaft gehören zu können. Deswegen ist ein Gespräch mit einem Priester nötig. Die Wiederaufnahme geschieht in einer kleinen Zeremonie.

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Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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