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Veröffentlicht: 02.11.2010, 11:14 Uhr

Biogas In Hessen setzt der Boom erst ein

Biogas aus Mist und Grünzeug ist scheinbar ein Alleskönner: Der Brennstoff soll Kohle und Öl einsparen, die Öko-Bilanz aufbessern und den Bauern ein neues Standbein bescheren. Aber es gibt auch Proteste und Vorbehalte.

© DPA Energie aus der Mülltonne: Ein Betrieb in Friedberg produziert aus organischen Abfällen Biogas.

Auf den Feldern ist die Energie-Ernte eingefahren. Rund 37.600 Hektar Silomais haben die hessischen Bauern in diesem Jahr angebaut, 9400 Hektar mehr als 2007. Rund ein Drittel der Ernte wandert in Biogasanlagen, um daraus Strom und Wärme zu gewinnen. „In Hessen setzt der Boom erst ein“, sagt Manfred Menz vom hessischen Bauernverband. Bundesweit laufen bereits 5000 Anlagen, und in ganz Deutschland ist die Mais-Fläche in den vergangenen Jahren auf 650.000 Hektar gewachsen.

Mit seinen knapp 100 Biogasanlagen und einer installierten Leistung von zusammen 38 Megawatt steht Hessen nach Angaben des Fachverbandes Biogas ganz hinten in der Länderstatistik. Bayern ist mit fast 1700 Anlagen Spitzenreiter, in Niedersachsen gibt es 1000 – beides Bundesländer mit starker Viehhaltung, denn auch Gülle kann verarbeitet werden. Aber auch in Hessen sollen es deutlich mehr werden, denn die Landesregierung setzt vor allem auf Biogas beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Wie ihre Vorgängerin Silke Lautenschläger nennt Hessens Umweltministerin Luzia Puttrich (beide CDU) Biomasse als Rückgrat des hessischen Energiekonzepts.

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Mais hat auch Nachteile

Mais dominiert die Biogas-Wirtschaft nach wie vor, weil die Pflanzen schnell auf die stattliche Höhe von bis zu drei Metern wachsen und die Bauern mit Maschinen gut ausgerüstet sind. Wurde früher der im Silo vergorene Mais meist ans Rindvieh verfüttert, wächst der Anteil für die Energieproduktion.

Aber das hat Grenzen: Nicht jedes Jahr kann auf derselben Fläche Mais angebaut werden, weil Schädlinge und Krankheiten sich sonst ausbreiten. Auf wirtschaftlich vernünftige und ökologisch nachhaltige Weise könne Mais in Hessen höchstens zu vier Prozent zur Energiegewinnung aus Pflanzen beitragen, heißt es in einer Studie der Universität Gießen vom Frühjahr.

Naturschützer warnen vor einem Verlust der Artenvielfalt

An manchen Standorten für neue Gasanlagen wie in Osthessen regt sich mittlerweile Protest. Dabei geht es meist um die Nähe der Anlagen zu Siedlungen – Hauseigentümer fürchten eine Wertminderung ihrer Grundstücke sowie Geruchs- und Lärmbelästigung.

Naturschützer warnen vor einem Verlust der Artenvielfalt, wenn es immer mehr und immer größere Maisfelder gebe. Eine heimische Art profitiert jedoch: Wildschweine finden in den dicht bewachsenen Feldern Nahrung im Überfluss und noch dazu ideale Verstecke. Schon seien Feldreviere kaum noch an Jäger zu verpachten, weil die Tiere erheblichen Schaden anrichteten, den der Jagdpächter dem Landwirt ersetzen müsse, klagt der Hessische Landesjagdverband. Statt Mais sollten bunte Blumenwiesen angebaut werden – das mache weniger Arbeit, fördere die Artenvielfalt und biete Rehen und Hasen Nahrung.

Auch das Unkraut am Straßenrand lässt sich verwenden

Alternativen wie Elefantengras oder andere raschwachsende Feldfrüchte werden ausprobiert, haben sich aber bisher nicht durchgesetzt. Nur die Zuckerrübe spielt eine gewisse Rolle. Mit dem Auslaufen der Subventionen suchten sich Rübenbauer neue Verwendungsmöglichkeiten, und in Biogasanlagen mache sich die Rübe ausgezeichnet, sagt Experte Menz vom Bauernverband.

Grundsätzlich lässt sich jede Pflanze verwenden, theoretisch sogar das Unkraut vom Straßenrand. Elisabeth Apel, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Hessen-Rohstoffe in Witzenhausen bringt dieses „Straßenbegleitgrün“, das regelmäßig abgemäht wird, als interessanten Rohstoff ins Gespräch. Dafür müsse allerdings das Kreislaufwirtschaftsgesetz geändert werden, denn das Material gilt als Müll und muss separat gelagert und entsorgt werden. Viel zu schade, meint Apel: „Wir müssen sämtliche Rohstoff-Ressourcen nutzen, sonst schaffen wir es nie.“

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