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Bauwirtschaft Bien-Zenker schließt Produktion im Odenwald

21.01.2008 ·  75 Mitarbeitern des Fertighausbauers droht der Verlust des Arbeitsplatzes, Montage und Vertrieb sollen im Odenwald bleiben. Das Unternehmen erwartet für das Geschäftsjahr 2007 ein Minus.

Von Jochen Remmert
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Günter Baum ist nicht erfreut, dass sich seine Befürchtungen als berechtigt erwiesen haben. Im Mai vergangenen Jahres hatte der Finanzvorstand des Fertighausbauers Bien-Zenker AG mit Stammwerk in Schlüchtern dringend neue Eigenheimfinanzierungshilfen für Familien gefordert, um den Wegfall der Eigenheimzulage zu kompensieren. Die Zulage ist seit 2005 Zug um Zug abgebaut worden, was nicht nur bei Bien-Zenker, sondern in der gesamten Baubranche zu empfindlichen Umsatzeinbußen geführt hat. Zwar diskutiert die große Koalition in Berlin zurzeit den Vorschlag, selbstgenutztes Wohneigentum mit der sogenannten Riesterrente zu verknüpfen-

Entschieden ist in dieser Frage aber noch immer nichts. Eine Entscheidung gefällt haben dagegen nun Vorstand und Aufsichtsrat der Bien-Zenker AG, was den Standort Michelstadt betrifft: Die Produktion dort wird eingestellt. 75 Mitarbeiter der Zenker-Hausbau GmbH & Co werden aller Wahrscheinlichkeit nach ihre Arbeit verlieren. 73 Männer und Frauen, die in Michelstadt für Bien-Zenker im Vertrieb und in der Montage arbeiten, sollen Baum zufolge ihren Arbeitsplatz behalten. Das Unternehmen zählte zuletzt rund 770 Mitarbeiter. Der Kurs der Aktie blieb derweil gestern bei 12,50 Euro unverändert.

Absatz von Fertighäusern eingebrochen

Der Absatz von Fertighäusern ist 2007 im Vergleich zum Jahr davor um 38 Prozent eingebrochen, wie Baum weiter sagt. Das entspricht in etwa der dramatischen Entwicklung, von der auch der Verband Baugewerblicher Unternehmer in Hessen über den Markt der Ein- und Zweifamilienhäuser berichtet. Die Eigenheimzulage war für die Branche vor allem deshalb so wichtig, weil sie es sogenannten Schwellenfamilien ermöglichte, die Finanzierung einer Eigentumswohnung oder eines Reihenhäuschens zu wagen, wie Baum sagt, „das waren echte Zahlungen, nicht nur Steuervorteile“. Banken hätten diese Zulage quasi als Eigenkapital der Kaufinteressenten betrachtet, was die Finanzierung erleichtert oder überhaupt erst ermöglicht habe.

Neben dem Wegfall der Eigenheimzulage ist es Branchenexperten zufolge auch die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent zu Beginn des Vorjahres gewesen, die den Hausbau oder den Wohnungskauf für mittlere Einkommensschichten immer schwerer oder unmöglich hat werden lassen.

Zunächst einmal hatte die Mehrwertsteuer auch am Fertighausmarkt zu einer Sonderkonjunktur geführt, von der auch Bien-Zenker profitierte. Die ist aber längst vorbei, und es bleibt die Unsicherheit bei den Verbrauchern, wie Finanzvorstand Baum weiter sagt. Ein Ersatz der Eigenheimförderung lässt auf sich warten, die steuerliche Behandlung von selbstgenutztem Eigentum im Zusammenhang mit der privaten Altersvorsorge sei ebenfalls noch ungeklärt. Alles das führt nach Einschätzung Baums in der Bau- und auch Fertighausbranche zu genau denselben Folgen wie beispielsweise in der Autoindustrie. Tatsächlich ist auch bei den Autobauern der Heimatmarkt - zumindest was den Absatz von Personenwagen an Privatleute angeht - eher notleidend. Nur der Export sorgt dort für Aufhellung.

Betriebsversammlung in Michelstadt geplant

Für 2007 rechnet Bien-Zenker mit nur mehr 124 Millionen Euro Umsatz. 2006 hatte sich bei den Hausbauern der Umsatz zwar um 13 Prozent auf 163,8 Millionen Euro gesteigert, das erklärt der Vorstand aber mit den Vorzieheffekten im Zusammenhang mit der Mehrwertsteuererhöhung. Im Jahr davor, als die Eigenheimzulage nur mehr zur Hälfte gewährt wurde, hatten die Fertighausbauer noch ein Umsatzminus von elf Prozent auf 144,8 Millionen Euro verkraften müssen. Seit dem Jahr 2001 ist die österreichische Elk-Fertighaus AG Haupt-, seit 2002 Mehrheitsaktionär. Seither bezeichnet die Elk-Bien-Zenker-Gruppe sich als Marktführer in Europa mit einem Umsatzvolumen von mehr als 250 Millionen Euro.

Wie aus Arbeitnehmerkreisen zu erfahren war, ist für Mittwoch eine Betriebsversammlung in Michelstadt geplant. Dass der Stellenabbau noch zu verhindern ist, glauben zwar auch Gewerkschaftsvertreter nicht, es gehe nun aber darum, zu schauen, ob das Unternehmen bereit ist, eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft zu gründen. Damit hätten die 75 Mitarbeiter Zeit gewonnen und bessere Aussichten, eine entsprechende neue Stelle zu finden, wie ein Vertreter der IG Bauen Agrar Umwelt sagte. Für die Arbeitnehmer des Fertighausproduzenten ist auch die IG Metall zuständig, seit die ehemalige Gewerkschaft Holz und Kunst unter das Dach der Metaller geschlüpft ist. Die Jobs der 75 werden aber auch zwei Gewerkschaften kaum retten können.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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