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Bad Orber Opernakademie : Liebe in Zeiten strenger Konventionen

Bühne frei: In Bad Orb dürfen sich junge Sänger in Hauptrollen entfalten - Simone Krampe als Hanna und Stefan Sbonnik als Graf Danilo. Bild: Wolfgang Eilmes

Die jungen Sänger der Bad Orber Opernakademie führen die „Lustige Witwe“ auf. Der Regisseur hat die Handlung in die fünfziger Jahre verlegt.

          Die jungen Sänger stehen vor einer besonderen Herausforderung. Sie dürfen nicht nur das tun, was sie gut können: singen. Vielmehr müssen sie – wie Schauspieler im Theater – Dialoge sprechen. Denn die Bad Orber Opernakademie führt in diesem Jahr in der Konzerthalle im Kurpark eine Operette auf – „Die lustige Witwe“ von Franz Lehár. Und bei einer Operette können die Akteure die Gefühle nicht nur durch Gesang ausdrücken, denn das Stück besteht zur Hälfte aus Dialogen, wie Regisseur Erik Biegel sagt. Darauf werden Opernsänger in ihrer Ausbildung nicht vorbereitet, wie Dirigent Michael Millard erläutert, Dialogsprechen und Schauspielern werden an den Musikhochschulen nicht gelehrt.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Bad Orber Opernakademie wird seit 30 Jahren jeden Sommer veranstaltet, getragen von einem Verein. Das Projekt bietet jungen Sängern, die am Schluss ihrer Ausbildung stehen oder das Studium gerade abgeschlossen haben, die Chance, eine Hauptrolle zu singen. An den Musikhochschulen haben sie meist nicht die Möglichkeit, eine komplette Rollenpartie zu erarbeiten. Die Proben dauern fünf Wochen, währenddessen wohnen die Teilnehmer in der Kurstadt im Spessart. In den vergangenen Jahren waren Opern aufgeführt worden, deshalb entschieden sich Biegel und Millard in diesem Jahr für eine Operette. Diese Form, die einer Komödie ähnelt, wird zu Unrecht als Unterhaltungskultur abgetan, wie der Dirigent meint.

          Das Stück wurde im Jahr 1905 uraufgeführt und spielt im fiktiven Land Pontevedro, gemeint hat der Autor damit Montenegro, damals Teil des Vielvölkerstaats Österreich. Mit Kostümen und Bühnenbild haben Biegel und Millard die Handlung in die fünfziger Jahre verlegt. Das passt nach ihrer Ansicht, weil die Menschen nach dem Weltkrieg wieder in Glanz und Glamour schwelgen wollten, ähnlich wie nach der Jahrhundertwende. Auf der anderen Seite galten in den fünfziger Jahren sehr konservative Vorstellungen von Geschlechterrollen. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Hauptfiguren, Hanna Glawari, gespielt von Simone Krampe, und Graf Danilo Danilowitsch, gespielt von Stefan Sbonnik, mit ihrer Liebe besonders unkonventionell.

          Die Spielzeiten

          Die Premiere findet am Donnerstag, 10. August, 19:30 Uhr statt. Weitere Anführungen am Samstag, 12. August, 17 Uhr und am Sonntag, 13. August, 18 Uhr. Informationen unter www.opernakademie.com.

          Quelle: F.A.Z.

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