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Bad Nauheimer Gradierwerke : Industriedenkmal soll Flügel bekommen

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Zeit für eine Restaurierung: das Gradierwerk mit dem historischen Mühlenturm in Bad Nauheim Bild: Cornelia Sick

Ein Verein will die historische Windmühle der Bad Nauheimer Gradierwerke rekonstruieren. Auch der Turm soll sich wie früher präsentieren.

           „Nauheim ist die trefflichste Saline in Teutschland wegen der zweckmäßigen Einrichtung der kostbaren Maschinerien.“ Der angesehene Physiker und Mathematiker Moritz Poppe war offenkundig beeindruckt, als er sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit den Salzproduktionsstätten entlang den Niederungen der Usa befasste. Tatsächlich zählte die Sudsaline des Städtchens in der nordwestlichen Wetterau seinerzeit zu den größten ihrer Art in Europa.

          Salinenmeister Waitz von Eschen hatte diesem schon damals traditionsreichen Wirtschaftszweig zu noch mehr Blüte verholfen, als er um die Mitte des 18. Jahrhunderts Teiche als Wasserreservoire anlegen ließ, die in trockenen Zeiten als Quelle für den Antrieb von Wasserrädern und Pumpen sorgten. Zusätzliche Wasserkünste, Windmühlentürme und Pumpengestänge förderten die Sole auf fast zwei Dutzend Gradierbauten mit einer Gesamtlänge von knapp vier Kilometern. In sieben Siedehäusern wurden aus der so in ihrem Salzgehalt gesteigerten Sole pro Jahr bis zu 5000 Tonnen des Minerals gewonnen.

          Investitionen von rund 400 000 Euro

          Vom großen technischen Aufwand, mit dem man die Salzgewinnung, die erst vor rund 60 Jahren wegen mangelnder Rentabilität eingestellt wurde, in vergangenen Tagen betrieb, zeugen auch heute noch Solebecken und Gradierwände, Wasserräder und Mühlentürme. Mit hohem, auch finanziellen Aufwand ließen Stadt, Land, nicht zuletzt mit Unterstützung des Fördervereins Kurstadt die Wahrzeichen Bad Nauheims, allen voran die Gradierwände, in den vergangenen Jahren sanieren und wieder aufbauen. Mit dem Erhalt der Anlagen allein wollen sich die gut 50 Mitglieder des vor ein paar Jahren gegründeten Vereins Wind- und Wasserkunst Bad Nauheim nicht zufriedengeben. Der Verein hat sich vielmehr vorgenommen, eines der markantesten Bauwerke aus Geschichte der Saline, den knapp 30 Meter hohen Windmühlenturm der sogenannten langen Wand am südlichen Stadtrand um- und auszubauen, damit er sich wieder wie früher präsentiert.

          Das ist ein ehrgeiziges Projekt, geht es doch um nicht weniger als die funktionstüchtige Rekonstruktion eines Baus, der nach Ansicht des Vereins zu den bedeutenden Industriedenkmälern in diesem Teil Hessen zu rechnen ist. Nachdem die Denkmalpflege dem Vorhaben zustimmte, schloss der Verein nun mit der Stadt eine Vereinbarung, dass die Kommune den Turm dem Verein unentgeltlich überlässt, damit er sein Vorhaben verwirklichen kann. Danach ist der Verein bis 2045 Hausherr des Turms und kann sich daranmachen, die Finanzierung hinzubekommen, wozu neben dem Wiederaufbau früherer Gebäudeteile auch der Unterhalt des Turms gehört. Die Stadt, so hat der Magistrat entschieden, kann sich daran in Anbetracht vieler anderer Ausgaben und weiteren Anstrengungen zur Haushaltskonsolidierung nicht beteiligen. Das heißt, die Stadt macht aber doch mit, indem sie für die Sicherung der vorhandenen Bausubstanz aufkommt. Dazu zählen Trockenlegen der Fundamente, Ausbesserungen am Mauerwerk. Auch für einen neuen Putz nach historischem Vorbild kommt die Kommune auf.

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