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Ausländische Abschlüsse Wenn der Ingenieur zum Taxifahrer wird

05.01.2010 ·  Noch immer ist es für Ausländer sehr schwer, einen Berufs- oder Universitätsabschluss, den sie in ihrer Heimat erworben haben, in Deutschland anerkennen zu lassen. Die Folge: Ausländische Ingenieure arbeiten als Taxifahrer, Soziologinnen als Putzfrauen.

Von Mona Jaeger
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Ivan Koptev nennt sich selbst ein „Glückskind“. Der 32 Jahre alte Russe darf das tun, was vielen anderen Zuwanderern aus seiner Heimat Russland oder anderen Ländern verwehrt bleibt: Er kann in Deutschland und seiner Wunschstadt Frankfurt einen Beruf ausüben, der ihm Spaß macht und seinen Qualifikationen entsprechend bezahlt wird. Noch immer ist es für Ausländer sehr schwer, einen Berufs- oder Universitätsabschluss, den sie in ihrer Heimat erworben haben, in Deutschland anerkennen zu lassen. Die Folge: Ausländische Ingenieure arbeiten als Taxifahrer, Soziologinnen als Putzfrauen.

Auf dem Weg zur Anerkennung eines Abschlusses sind viele Hürden zu überwinden. Zunächst muss geklärt werden, ob ein sogenannter reglementierter Beruf wie Arzt, Jurist oder Steuerberater ausgeübt werden soll: In solchen Fällen ist eine Zulassung nötig. „Doch meistens wird nur ein Teil der Qualifikation anerkannt“, sagt Heinz Müglich von der Arbeiterwohlfahrt Hessen-Süd in Frankfurt, der jeden Monat 60 bis 80 Ausländer berät. „Ärzte müssen dann zum Beispiel noch ein Praktikum in einem Krankenhaus machen, bevor sie praktizieren dürfen.“ Das habe Sinn, schließlich sei die ärztliche Kunst etwa in Kasachstan auf einem anderen Stand als in Deutschland. Nach Praktikum und eventueller Prüfung darf der ausländische Arzt oder Jurist dann den deutschen Titel gleichwertig neben dem aus seinem Heimatland tragen.

„Schwer zu durchschauen“

Anders ist das in den sogenannten nicht reglementierten Berufen. Rund 360 von ihnen gibt es in Deutschland. Hier besteht kein Rechtsanspruch auf ein Anerkennungsverfahren, es ist auch nicht erforderlich. „Ein deutscher Arbeitgeber kann aber den Abschluss einer Moskauer Universität nicht einschätzen“, sagt Müglich. Bei Berufsabschlüssen ist es ähnlich: So darf ein ausländischer Schreiner in Deutschland nicht ausbilden, weil er keinen hiesigen Meistertitel hat.

Der Arbeitssuchende kann dann versuchen, eine Bescheinigung zu erhalten, die seinen Abschluss mit einem deutschen vergleicht. Das ist in der Regel sehr mühsam und kostet bis zu mehrere hundert Euro. Hinzu kommt, dass das Anerkennungsverfahren in Hessen je nach Beruf anders ablaufen kann als zum Beispiel jenes in Thüringen oder Niedersachsen. Allein in Hessen gibt es Dutzende von Anlaufstellen, die unterschiedliche Zuständigkeiten haben. Da die Anerkennung in Deutschland als Bildungs- und nicht als Integrationsthema gesehen wird, sind die Bundesländer zuständig. „Das ist für einen Ausländer nur sehr schwer zu durchschauen“, sagt Müglich. Außerdem könnten die Erfolgsaussichten für eine Anerkennung je nach Bundesland stark variieren. Hessen habe aber für Zuwanderer schon sehr viel getan und stehe im Vergleich gut da.

„Regelungen zu kompliziert

Laut Müglich werden die Abschlüsse in den Jobcentern nur unzureichend berücksichtigt. Zu oft gelte der Grundsatz: „Vermittlung vor Qualifikation“. Und so landet der marokkanische Ingenieur dann hinter dem Steuer eines Taxis.

Ivan Koptev jedoch hat nach eigenen Worten gute Erfahrungen mit dem Jobcenter gemacht. Der Russe wollte Lehrer werden und hatte Mathematik und Informatik studiert. Vor dem zweiten Staatsexamen machte er aber noch einen Abschluss in Ökonomie und arbeitete als Zollinspekteur. Vor zwei Jahren beschloss er, mit seiner Familie nach Frankfurt zu ziehen. Den Gedanken, als Lehrer zu arbeiten, habe er schnell verworfen. „Die Regelungen waren mir da etwas zu kompliziert.“ Er versuchte, seinen Ökonomieabschluss anerkennen zu lassen, was nur teilweise gelang. So wandte er sich an Müglich. Der vermittelte ihm ein Stipendium der Otto-Benecke-Stiftung, die Ausländern bei der Arbeitssuche mit Rat und Geld hilft. Koptev machte ein Praktikum bei einem Hersteller von Hör- und Sprechsystemen. Schnell erkannte sein Chef, wie gut er über den osteuropäischen und russischen Markt Bescheid wusste: Koptev bekam einen Arbeitsvertrag.

„Auf das Potential der Migranten angewiesen

Um das Potential von ausländischen Akademikern und Facharbeitern besser zu nutzen, hat die Bundesregierung vor kurzem einige Grundsätze formuliert, die die Anerkennung beschleunigen und transparenter machen sollen. Zudem soll es eine Erstanlaufstelle geben, die für ganz Deutschland zuständig ist. Dazu wurde die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen bestimmt. Sie kümmerte sich auch schon bisher als Einrichtung der Kultusministerkonferenz um die Anerkennung vieler Abschlüsse.

Berater Müglich findet die geplanten Änderungen gut. Das Problem werde damit aber nicht komplett gelöst. „Es bleibt eine Doppelstruktur erhalten, weil auch die Industrie- und Handelskammern weiter für einen Teil der Berufe die Anerkennung übernehmen wollen.“ Außerdem sei die Zentralstelle noch stark unterbesetzt, weswegen er nicht an ein schnelleres Verfahren glaube. Eine echte Neuerung soll aber sein, dass von 2011 an alle Ausländer das Recht auf ein Anerkennungsverfahren bekommen.

Den Einwand, dass eine Aufwertung ausländischer Abschlüsse mit einer Abwertung der deutschen einhergehe, kann Müglich nicht verstehen. „Angesichts des Fachkräftemangels, der in den kommenden Jahren noch zunehmen wird, sind wir auf das Potential der Migranten angewiesen.“

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