29.10.2008 · Andrea Ypsilanti besucht ihren Ortsverein
Von Hans RiebsamenNieder-Erlenbach, Andrea Ypsilantis Stadtteil - ein Heimspiel für die Frau, die sich am Dienstag in Wiesbaden zur hessischen Ministerpräsidentin wählen lassen will. Hier, so sollte man denken, kann sie sich bei den Genossen ihres Ortsvereins nach den anstrengenden Koalitionsverhandlungen mit den Grünen Lob und Streicheleinheiten abholen. Schon vor vielen Monaten hatte Ypsilanti zugesagt, nach Nieder-Erlenbach ins Bürgerhaus zu kommen. Dass sie hier einen Koalitionsvertrag mit den Grünen vorstellen werde, das hat sie sich damals vermutlich nicht vorgestellt. Jetzt wirbt sie eine halbe Stunde lang auf charmant-ehrliche Weise für die Beschlüsse der künftigen Koalitionspartner, mehr für die Bildung zu tun, Sonne, Wind und Wasser den Vorrang vor Öl und Kohle zu geben und das soziale Netz zu flicken.
Ein Heimspiel? Denkste! Schon die erste Frage aus dem Publikum befasst sich mit dem heiklen Thema Linkspartei. „Ich fühle mich schlichtweg belogen“, sagt eine Frau in der ersten Reihe. Das hätte man sich eigentlich denken können, dass im konservativen Nieder-Erlenbach nicht nur treue Genossen im Saal sitzen. Schließlich war die Einladung zu der Veranstaltung an die gesamte Bevölkerung ergangen.
Ypsilanti gesteht Fehler ein
„Wortbruch“, buht einer aus der letzten Reihe. „Und euer Kohl mit den Spenden“, brüllt ein anderer dagegen. Die Veranstaltung droht für einen Moment in Schreierei auszuarten. Doch Ypsilanti hat die Sache sofort im Griff. Sie könne das Misstrauen der Frau in der ersten Reihe nachvollziehen, sagt sie. Der Entschluss, sich von der Linken tolerieren zu lassen, sei eine der schwierigsten Entscheidungen in ihrem Leben gewesen. „Ich habe mich gequält.“ Später räumt sie ein, dass es ein Fehler gewesen sei, von vornherein ein Bündnis mit der Linkspartei auszuschließen. „Aber ich habe wirklich geglaubt, dass sie nicht ins Parlament kommen wird.“
Dann hat Ypsilanti das heikelste Thema gemeistert. Es folgen viele Sachfragen und viele Solidaritätsbekundungen. Wassercent, Rückkehr zum Tarifvertrag im öffentlichen Dienst, Finanzkrise, Flughafen, Fahrgeld für Schüler, Rauchverbot. Die meisten Besucher fragen durchaus kritisch, aber nicht polemisch oder verletzend. Es ist vielmehr eine Neugierde zu spüren, die Leute wollen die Frau, über die derzeit so viel geredet und geschrieben wird, kennenlernen. Und irgendwie, obwohl Ypsilanti noch nicht hessische Ministerpräsidentin ist, sprechen die Besucher sie in einem Ton an, als ob sie tatsächlich schon die Macht besäße.
fürcherliche Qualen
Klaus Steffen (krs)
- 29.10.2008, 15:16 Uhr
wie süß
Patrick Stoll (rastanc)
- 29.10.2008, 15:39 Uhr
Warum Y. ihren Sohn auf der Privatschule hat, hat sie klar und hinlänglich...
Annegret Mueller (AnnegretMueller)
- 29.10.2008, 15:52 Uhr
Mir kommen gleich die Tränen!
Konrad Schemer (JLSorel)
- 29.10.2008, 16:22 Uhr
Mit dem Finger auf die CDU zu zeigen, ...
Arwed Schmidt (SDT)
- 29.10.2008, 16:26 Uhr