Home
http://www.faz.net/-gzm-y3bu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Alkoholverbot in Nahverkehrszügen Hessische Verkehrsverbünde uneins über Alkoholverbot

 ·  Die hessischen Verkehrsverbünde sind sich uneins, ob ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr sinnvoll ist. In Bayern und Niedersachsen hat man gute Erfahrungen damit gemacht.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Die hessischen Verkehrsverbünde sind sich uneins, ob ein Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr sinnvoll ist. Während der Rhein-Main-Verkehrsverbund es nach eigenen Angaben nicht ausschließt, ein solches Verbot in seine Beförderungsbedingungen aufzunehmen, lehnt der Nordhessische Verkehrsverbund ein Alkoholverbot in den Zügen ab. Als Begründung gab eine Sprecherin an, die mit Alkohol und Drogen verbundenen Probleme würden dann an andere Orte verlagert.

Unterdessen steigt die Zahl der Städte und Verkehrsgesellschaften in Deutschland, die den Konsum von Alkohol in ihren Bussen und Bahnen nicht mehr dulden. Ihren Angaben zufolge haben sie damit gute Erfahrungen gemacht.

München: Sicherheitsklima durch Alkoholverbot verbessert

In München, wo seit 2009 im Nahverkehr kein Alkohol mehr getrunken werden darf, hat sich nach Angaben eines Sprechers der Münchener Verkehrsgesellschaft vor allem das „Sicherheitsklima“ in den Zügen und an den Stationen verbessert. 85 Prozent der Fahrgäste hätten sich in einer Umfrage für das Verbot ausgesprochen. Zuvor habe jeder zweite Fahrgast angegeben, sich durch im Zug trinkende Mitfahrer belästigt zu fühlen. Erhebungen über die Entwicklung der Kriminalität in den Zügen und an den Stationen gibt es nach Angaben des Sprechers jedoch nicht.

Überzeugt von einem Alkoholverbot ist die private Betreibergesellschaft Metronom, die überwiegend in Niedersachsen verkehrt. In ihren Zügen ist der Konsum seit Dezember 2009 verboten, nachdem es dort vor allem an den Wochenenden zu erheblichen Vandalismusschäden, Gewalttaten und Müllproblemen gekommen war.

Transport von Bier und Wein in den Bahnen soll erlaubt bleiben

Seit Einführung des Alkoholverbots sind die Straftaten um 55 Prozent gesunken, wie eine Sprecherin der Eisenbahngesellschaft mitteilte. Verstärkter Einsatz von Sicherheitspersonal sei nur in den ersten drei Monaten notwendig gewesen. „Sobald das Verbot bekannt war, hat die übliche Anzahl an Sicherheitspersonal wieder ausgereicht“, so die Sprecherin.

Die Sicherheit verbessern will auch die Verkehrs-Aktiengesellschaft (VAG), die in Nürnberg den Nahverkehr betreibt. Dort gilt das Alkoholverbot seit Anfang dieses Jahres. Zuvor gab es, wie es in Hessen noch jetzt der Fall ist, die Regelung, dass problematische Fahrgäste auch ohne ausdrückliches Alkoholverbot aus den Zügen verwiesen werden können. Diese Möglichkeit habe aber nicht mehr ausgereicht, sagt eine Sprecherin der VAG. „Regelmäßig fielen ganze Jugendgruppen auf, die im Abteil harten Alkohol tranken und andere Fahrgäste belästigt haben.“ Die Gesellschaft habe etwa fünf bis zehn schwere Fälle von Körperverletzung im Jahr registriert.

Innenminister Boris Rhein (CDU) hatte die Debatte um ein Alkoholverbot am Rande einer CDU-Veranstaltung zum Thema Sicherheit angestoßen, nachdem es wiederholt zu schweren Straftaten in U- und S-Bahnen gekommen war. Nach Erkenntnissen der Polizei steigen viele Jugendliche nicht nur betrunken zu, sondern konsumieren auch in den Zügen. Nach den Plänen Rheins soll nur der Konsum verboten werden; der Transport von Bier- oder Weinflaschen soll erlaubt bleiben.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Zwischen Zuckeln und Rasen

Von Mechthild Harting

Der FDP-Verkehrsminister Florian Rentsch will kein Tempo-30-Limit nachts auf Frankfurter Hauptverkehrsstraßen. Das ist nun offensichtlich und nicht per se verwerflich. Seine Begründung hingegen klingt kurios. Mehr 3