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Ärzte im Dritten Reich : 53 Prozent der Ärzte in Hessen waren in der NSDAP

Euthanasie: An der systematischen Ermordung von Behinderten waren auch Ärzte beteiligt. Bild: dpa

Eine Studie der Universität Marburg zur Geschichte der Landesärztekammer legt den Fokus auf die Zeit des Nationalsozialismus. Die Ärztekammer begrüßt die Aufarbeitung.

          Die organisierte Ärzteschaft hat zu den „Feinden der Weimarer Republik“ gehört und das nationalsozialistische Regime unterstützt. Das haben Wissenschaftler um Benno Hafeneger von der Universität Marburg in einem Forschungsprojekt zur Geschichte der hessischen Ärztekammer herausgefunden. Nach Angaben der Wissenschaftler waren 53Prozent der Ärzte Mitglieder der NSDAP. Das sei für eine akademische Berufsgruppe eine hohe Quote, sagte Hafeneger gestern auf einer Pressekonferenz der Landesärztekammer. Bei Juristen und Lehrern sei der Anteil niedriger gewesen. Damit werde die Behauptung, es sei nur eine kleine Gruppe von Ärzten gewesen, als Lebenslüge entlarvt.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Landesärztekammer hatte vor drei Jahren beschlossen, ihren Wurzeln nachzuspüren, und die Marburger Wissenschaftler beauftragt. „Wir sind die erste Ärztekammer, die das in dieser Breite gemacht hat“, sagte Siegmund Drexler, der das Projekt in der Kammer koordiniert hat. Die Wissenschaftler haben Dokumente von den Anfängen der Ärztevereine im 19.Jahrhundert bis zur Gründung der Kammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts im Jahr 1956 aus Staats- und Universitätsarchiven zusammengetragen. Schwerpunkte legten sie auf Nationalsozialismus und Nachkriegszeit. Die Ergebnisse, die nun in Buchform vorliegen, stellt Hafeneger heute auf dem hessischen Ärztetag zum sechzigjährigen Bestehen der Kammer in Frankfurt vor.

          Der Chirurg Paul Hofmann soll nachträglich geehrt werden

          „Wir wollen aus der Vergangenheit lernen, um aktuelle Fragen besser beantworten zu können“, sagte Kammerpräsident Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach. Als erste Konsequenz aus dem Bericht wolle die Landesärztekammer ihre Ahnengalerie ergänzen und den Chirurgen Paul Hofmann als Nachkriegspionier würdigen. Die Rolle des vom Judentum zum Protestantismus konvertierten Hofmann sei bislang nicht bekannt gewesen.

          Als Präsident der hessischen Ärzteschaft hatte er sich schon 1946 für die Gründung einer Kammer eingesetzt. Wegen Widerstands der amerikanischen Besatzer wurde die Kammer jedoch erst zehn Jahre später als eine der letzten in der Bundesrepublik unter Carl Oelemann gegründet, dessen Rolle im Nationalsozialismus nach wie vor nicht ganz geklärt werden konnte. Erster Präsident der Landesärztekammer wurde dann Franz Mündel.

          Die „Geschichte der Hessischen Ärztekammern 1887 – 1956: Autonomie, Verantwortung, Interessen“ von Benno Hafeneger, Marcus Velte, Lucas Frings ist als 542 Seiten starkes Buch im Wochenschau-Verlag, Schwalbach, erschienen und auch als e-Book erhältlich (ISBN 978-3-7344-0368-2).

          Quelle: F.A.Z.

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