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1000 Stellen fallen weg Chemiefirmen kappen Stellen und hoffen auf den Herbst

02.06.2009 ·  Die hessische Chemie sieht sich in einer tiefen Rezession. Fast ein Drittel der Betriebe bezeichnet die Geschäftslage als schlecht. 1000 Stellen sollen wegfallen. Doch sieht der Arbeitgeberverband erste Anzeichen, die auf Besserung hoffen lassen.

Von Thorsten Winter
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Auch in der Krise liefert die hessische Chemie zumindest eine gute Nachricht: Die Unternehmen werden dieses Jahr in etwa ebenso viele Lehrlinge einstellen wie 2008. Klassische Chemiebetriebe und Arzneimittelfirmen bieten 1500 Ausbildungsplätze an und damit geringfügig mehr als vor Jahresfrist. Dies hat eine Umfrage des Arbeitgeberverbands Hessen-Chemie ergeben, der 230 Unternehmen mit gut 91000 Arbeitsplätzen vertritt. Der leichte Anstieg macht die Abnahme der Lehrstellenzahl in den kunststoffverarbeitenden Unternehmen von 115 auf 100 Lehrstellen wett. Unter dem Strich wird die Branche wie in den zurückliegenden Jahren mehr Ausbildungsplätze vorsehen, als sie laut Tarifvertrag muss, wie Hauptgeschäftsführer Axel Schack hervor hebt.

Die in Frankfurt vorgestellte Umfrage unter 97 Unternehmen, die für 63000 Chemie-Beschäftigte stehen, hat aber vor allem viel Unerfreuliches ergeben: Die Erlöse lagen in den ersten drei Monaten als Folge eines Nachfrageeinbruchs zum Teil um mehr als ein Fünftel unter Vorjahresniveau. Die von Mitte April bis Mitte Mai befragten Unternehmen bezeichnen ihre wirtschaftliche Lage überwiegend als unbefriedrigend, fast ein Drittel nennt sie schlecht. Waren die Produktionsanlagen vergangenen Sommer im Durchschnitt noch zu 85 Prozent ausgelastet, so liegen nun 30 Prozent brach. „Die Kapazitätsauslastung ist infolge der niedrigen Auftragslage niedriger, als wir es in allen konjunkturellen Schwächephasen in den zurückliegenden 20 Jahren im Rahmen unserer Verbandsumfragen ermittelt haben“, sagte Schack.

Erträge „kaum befriedigend“ bis „schlecht“

Unter den sinkenden Umsätzen leiden auch die Erträge. Die Gewinne sind laut Hessen-Chemie drastisch geschrumpft. Zwei Drittel der Betriebe nennen die Erträge „kaum befriedigend“ oder „schlecht“. Das hat Folgen für die Investitionen: Erstmals seit vielen Jahren erwartet der Verband, dass die Unternehmen weniger Geld in ihre Anlagen stecken als im Vorjahr.

Vor diesem Hintergrund hat nahezu die Häfte der befragten Unternehmen Kurzarbeit eingeführt. Im Mittel arbeiten je Betrieb 30 Prozent der Beschäftigten derzeit kurz, wie Schack erläuterte. Rund zehn Firmen reicht indes dieses arbeitsmarktpolitische Instrument nicht mehr aus, obwohl Kurzarbeit bis auf 24 Monate ausgedehnt werden kann und Betriebe künftig vom siebten Monat Kurzarbeit an keine Sozialabgaben mehr entrichten müssen. Diese Unternehmen, gut zehn Prozent der befragten Betriebe, werden in den nächsten Wochen insgesamt 1000 Stellen abbauen, wie der Hauptgeschäftsführer von Hessen-Chemie unter Verweis auf Beratungsgespräche ankündigt.

Raum Frankfurt verliert gut 700 Chemiearbeitsplätze

Um welche Unternehmen es sich im Raum Frankfurt handelt, lässt der Verband offen. Bekannt ist, dass der Farbenhersteller Dystar in Frankfurt-Höchst 130 Arbeitsplätze abbauen will, beim Kunststoffhersteller und Automobilzulieferer Ticona in Kelsterbach stehen 50 und beim Chemieunternehmen Clariant in Frankfurt 60 Stellen vor dem Aus. Hinzu kommen 100 Arbeitsplätze bei Infraserv Logistics und 280 bei dem Faserhersteller Invista in Offenbach; in der Folge fallen bei der Allessa-Chemie an diesem Standort ein paar Dutzend Stellen weg, wie es heißt. Derzeit kümmert sich die Allessa-Chemie dort mit 60 Mitarbeitern um Ver- und Entsorgung, Werkschutz und Feuerwehr. Nach dem Aus für die Invista sinkt der Personalbedarf jedoch. Unter dem Strich büßt der Frankfurter Raum mithin gut 700 Arbeitsplätze in der chemischen Industrie sowie bei chemienahen Dienstleistern ein.

Auf die Frage, ob weiterer Personalabbau droht, antwortete Schack: „Die Unternehmen warten ab. Sollten sich die Aufträge bis zum Herbstanfang nicht erholen, wird weiter Personal abgebaut.“ Denn in diesem Fall nützte auch die verlängerte Kurzarbeit nichts - mangels Perspektive.
So weit muss es aber nicht kommen: Vereinzelt ist aus der Branche zu hören, dass sich die Auslandsnachfrage belebt, zudem gelten die Lager bei Kunden als weitgehend geräumt. Dies wertet Hessen-Chemie als erste Hoffungszeichen.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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