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Veröffentlicht: 20.09.2016, 18:07 Uhr

Hessens Schulen Streit um Lehrplan für Sexualerziehung

Der neue Lehrplan für Hessen sieht auch die „Akzeptanz“ homosexueller Lebensweisen als Unterrichtsziel vor. Der Elternbeirat lehnt das ab. Das Land hält am Plan fest.

von , Wiesbaden
© dpa Für „Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen“: Der neue Lehrplan in Hessen stößt nicht auf Gegenliebe beim Landeselternbeirat.

Gegen das Votum des Landeselternbeirats ist in Hessen ein neuer Lehrplan zur Sexualerziehung in Kraft getreten. Die Maßgabe für die allgemeinbildenden und beruflichen Schulen sieht vor, dass fächerübergreifend „ein offenes, diskriminierungsfreies und wertschätzendes Verständnis für die Verschiedenheit und Vielfalt“ gelehrt wird. Ziel des Unterrichts soll nicht nur die Information „über die Existenz unterschiedlicher Partnerschaftsformen und Verständnisse von Familie, sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten“sein, sondern auch „deren Akzeptanz“.

Matthias Trautsch Folgen:

Einer Mehrheit des Landeselternbeirats ging die Forderung nach „Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen“ zu weit. Wie ein Sprecher des Kultusministeriums bestätigte, versagten die Eltern dem Lehrplan die Zustimmung. In Kraft treten konnte er vor wenigen Tagen trotzdem - das Beteiligungsverfahren hat nur beratende, keine bindende Wirkung. Wie der Sprecher weiter sagte, haben die übrigen Interessenvertreter, darunter Kirchen, Landesschülervertretung und Hauptpersonalrat, den Plan nicht beanstandet.

Toleranz oder Akzeptanz?

Im Koalitionsvertrag hatten CDU und Grüne unter der Überschrift „Gleichstellung verwirklichen“ vereinbart, einen „Aktionsplan für Akzeptanz“ zu erarbeiten. Dazu gehöre insbesondere eine bessere Begleitung von jungen Menschen in der Phase des „Coming-out“ und die stärkere Sensibilisierung für das Thema in Schulen.

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Der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Reiner Pilz, sagte, der Lehrplan sei in der Elternvertretung kontrovers diskutiert worden, wobei es im Wesentlichen um die Unterscheidung zwischen Toleranz und Akzeptanz gegangen sei.

Das Kultusministerium hält an dem Plan trotz der Kritik fest. Die vorhergehende Version aus dem Jahr 2007 sei überholt gewesen, sagte der Sprecher. Die Überarbeitung trage den gesellschaftlichen und rechtlichen Veränderungen Rechnung, nehme aber auch Rücksicht auf das Erziehungsrecht der Eltern. Die Schulen seien nun angehalten, auf dieser Basis Unterrichtskonzepte zu entwickeln - für Biologie, aber auch für Fächer wie Deutsch, Ethik, Fremdsprachen, Geschichte, Politik und Wirtschaft.

Lehrer sollen eventuell beim „Coming-out“ helfen

In der Grundschule soll es laut Plan nicht nur um den menschlichen Körper, seine Entwicklung, Schwangerschaft und Geburt gehen, sondern auch um „unterschiedliche Familiensituationen (z. B. Patchworkfamilien, Alleinerziehende, Pflegefamilien, gleichgeschlechtliche Partnerschaften)“.

Zu Beginn der weiterführenden Schule stehen unter anderem Frauen- und Männerrollen, Pubertät, erste Liebe und „unterschiedliche sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten (Hetero-, Bi-, Homo- und Transsexualität)“ auf dem Lehrplan. Mit Teenagern sollen die Lehrer dann nur über Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaftsverhütung sprechen, sie über „sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität“ aufklären und gegebenenfalls beim „Coming-out“ unterstützen.

Die Grüne Jugend Hessen äußerte Unverständnis über das ablehnende Votum des Landeselternbeirats. Es sei höchste Zeit, dass verschiedenste sexuelle Orientierungen, Geschlechtsidentitäten und Lebensentwürfe als normaler Teil der Gesellschaft gleichberechtigt im Unterricht behandelt würden. Besonders erfreulich sei es, dass der Lehrplan nicht nur Toleranz oder Respekt, sondern Akzeptanz festschreibe. Lesben, Schwulen, Bisexuelle, Trans- und Intersexuelle müssten „nicht nur ertragen und hingenommen, sondern anerkannt werden und dazugehören“.

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