Home
http://www.faz.net/-gzg-7h27m
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Hessen Radikale Salafisten haben großen Zulauf

Gut 17.000 Extremisten jeglicher Couleur hat der Verfassungsschutz in Hessen im Visier. Die Rechten glaubt die Behörde im Griff zu haben, am schnellsten radikalisiert sich die Islamistenszene.

© dapd Vergrößern Salafisten verteilen immer mal wieder Korane in hessischen Städten.

Der Zulauf junger Muslime zu den radikalen Salafisten bereitet dem hessischen Verfassungsschutz große Sorge. „Ich halte die Salafisten für die größte sicherheitspolitische Herausforderung des 21. Jahrhunderts“, sagte Innenminister Boris Rhein (CDU) bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts für 2012. Die Prediger eines extrem rückwärtsgewandten Islams haben demnach in den vergangenen Monaten weitere 400 Anhänger rekrutiert. Einige Salafisten rufen zum Heiligen Krieg gegen Ungläubige auf.

Die Gesamtzahl der Islamisten verschiedenen Strömungen in Hessen wird nun auf 6050 geschätzt. Dagegen ist die Zahl der Rechtsextremisten mit 1300 leicht zurückgegangen, 400 Rechte gelten dem Bericht nach als gewaltbereit. Dem Vordringen von Neonazis im Lumdatal bei Gießen werde entschieden entgegengetreten, sagte Rhein am Freitag in Wiesbaden. Das Landesamt für Verfassungsschutz zählt außerdem etwa 4800 zumeist linksgerichtete Ausländerextremisten und knapp 5000 Linksextremisten, unter ihnen 340 Autonome.

Mehr zum Thema

Eine Handvoll kampferprobter Rückkehrer aus Syrien

Wachsam beobachten die Behörden den Bürgerkrieg in Syrien. Ein westlicher Militärschlag könnte Islamisten auch in Hessen radikalisieren, sagte die Vize-Präsidentin des Verfassungsschutzes, Catrin Rieband. Der Hass auf den Westen und auf kämpfende Truppen könne sich auch an anderen Orten Bahn brechen. Zwar gebe es noch keine Anhaltspunkte, „wir müssen uns aber auf solche Szenarien einstellen“.

Nach Angaben Rheins ist aus Hessen „eine niedrige zweistellige Zahl“ junger Muslime nach Syrien gereist, um dort gegen das Regime von Präsident Baschar Al-Assad zu kämpfen. Es gebe auch eine Handvoll kampferprobter Rückkehrer. „Sie sind am Ende tickende Zeitbomben.“ Verfassungsschutz und Polizei versuchten, durch Entzug des Passes schon die Ausreise zu verhindern. Die Rückkehrer müssten sehr aufwendig beobachtet werden.

Kein Konzert von Skinhead-Bands in Hessen

Die Salafisten rekrutieren neue Anhänger nach Angaben von Rieband bei Koran-Verteilaktionen, Islam-Seminaren oder Benefiz-Veranstaltungen für Syrien. Im Rhein-Main-Gebiet haben sie ein Zentrum, auch wenn der Missionsverein DawwaFFM im März verboten wurde. Im Mai 2012 hatte ein junger Salafist aus Hessen bei einer Kundgebung in Bonn auf zwei Polizisten eingestochen und sie verletzt.

Als Erfolg wertete Rhein, dass es 2012 kein Konzert von Skinhead-Bands in Hessen gegeben habe. Es wurden 13 Gewalttaten von Rechtsextremisten verzeichnet, allerdings gab es mehr Propagandadelikte wie die Verwendung nationalsozialistischer Symbole. Die Bedeutung der rechtsextremistischen NPD sinke weiter, sagte Rhein. „Der NPD fehlt es in Hessen an politikfähigem Personal, und das ist auch gut so.“ Linke begingen dem Bericht nach 94 Gewalttaten, die meisten bei den anti-kapitalistischen Ausschreitungen am 31. März 2012 und den Blockupy-Demos in Frankfurt.

Quelle: LHE

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Demonstrationen in Dresden Die Ursachen des Pegida-Phänomens

Erst dachten alle, die Dresdner Demonstrationen erledigten sich von selbst. Die Protestbewegung hält sich jedoch hartnäckig. Wieso ist das so? Mehr Von Joachim Klose und Werner J. Patzelt

11.05.2015, 14:56 Uhr | Feuilleton
Salafisten-Szene Terroralarm in Bremen

Nach Warnungen vor möglichen Gewalttaten durch Islamisten in Bremen hat die Polizei in der Innenstadt die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Bremen gilt als eine Hochburg der Salafisten-Szene. Mehr

01.03.2015, 10:30 Uhr | Politik
Dschihadisten aus der Provinz Frankreichs neue Krieger

Eigentlich würde man in der kleinen Stadt Lunel in Südfrankreich gerne über Tourismus reden. Aber weshalb sind aus diesem Idyll so viele junge Männer in den Dschihad nach Syrien gezogen? Was macht Lunel zur Hauptstadt des französischen Dschihad? Mehr Von Michaela Wiegel

16.05.2015, 19:45 Uhr | Politik
Nach den Anschlägen Frankreich will Radikalisierung von Muslimen in Gefängnissen verhindern

Die Anschläge von Paris haben Frankreich in Angst und Schrecken versetzt. Ins Visier der Behörden geraten inhaftierte Muslime, die sich nicht selten hinter Gittern radikalisieren. Um dies zu verhindern, setzt Paris auf in Frankreich ausgebildete Imame. Mehr

26.02.2015, 17:19 Uhr | Gesellschaft
Kabarettist Dieter Nuhr Wer predigt hier Hass?

Ist der Kabarettist Dieter Nuhr, der in seinen Programmen Islamisten lächerlich macht, ein Hassprediger? Ein Gericht meint, er müsse sich die Bezeichnung gefallen lassen. Mehr

20.05.2015, 09:31 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 30.08.2013, 15:01 Uhr

Bitte kein Krieg im Verkehr

Von Hans Riebsamen

Rüpel-Radfahrer missachten die Regeln und bringen Fußgänger in Gefahr. Doch ein Krieg bringt niemanden weiter. Die Politik muss daher Antworten finden auf die Probleme im Verkehr. Mehr 3 1