Schwere Lastwagen müssen schon bald auch auf einigen vierspurigen Bundesstraßen in Hessen Maut bezahlen. Anders als auf Autobahnen werden sie aber vom 1. August an auf den kostenpflichtigen Strecken aber nicht von festen Mautbrücken, sondern von mobilen Streifen des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) kontrolliert. Insgesamt werden Spediteure in Deutschland auf rund 1100 Kilometern Bundesstraße zur Kasse gebeten.
Der Betreiber Toll Collect sieht sich gut gerüstet für den Start der ausgeweiteten Lkw-Maut. „Wir werden pünktlich zum 1. August starten“, sagte Sprecherin Claudia Steen bei der Vorstellung des technischen Überwachungssystems am Dienstag in Wiesbaden. Das Unternehmen kassiert rund ein Drittel der vom Bundesverkehrsministerium erwarteten 100 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr.
„Reduzierung von Lkw-Verkehr in Ortschaften“
Nach Ansicht des Verkehrsexperten Gerd-Axel Ahrens wird durch die neue Maut vermieden, dass Laster von kostenpflichtigen Autobahnen auf Landstraßen ausweichen. „Eine Reduzierung von Lkw-Verkehr in Ortschaften, dazu wird es führen“, sagt der Inhaber des Lehrstuhls für Verkehrs- und Infrastrukturplanung an der Technischen Universität Dresden im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Ahrens ist auch Mitglied des wissenschaftlichen Beirats im Bundesverkehrsministerium.
Bisher seien Laster-Fahrer an bestimmten Punkten der Maut ausgewichen. „Vor einigen Autobahnkreuzen gibt es Abfahrten, die gehen diagonal durch die Landschaft zur nächsten Autobahn hin. Und da liegen auch Orte auf dem Weg, und die leiden dann natürlich“, sagt Ahrens. „Wenn diese Bereiche nun auch Geld kosten, gehe ich davon aus, dass damit dieses Problem erschlagen wird und dass die Laster-Fahrer sich rational verhalten und doch lieber die schnelleren und genauso teuren Wege fahren.“
17 Cent je Kilometer
Bundesweit werden durch die Ausweitung der Mautstrecken für Lastwagen rund 1100 Kilometer zusätzlich zu den 13.000 Kilometern Autobahn für Laster kostenpflichtig. Bei Lastwagen über zwölf Tonnen soll jeder Kilometer im Schnitt 17 Cent kosten. Der Bund erhofft sich dadurch Einnahmen von 100 Millionen Euro im Jahr, die für Investitionen in den Straßenbau genutzt werden sollen. In Hessen sind elf Verbindungen betroffen - darunter die B 3 zwischen Cölbe und Gießener Nordkreuz, die Bundesstraßen 43a und 45 zwischen Dieburg und Hanauer Kreuz sowie die B 43 zwischen Rüsselsheim und Raunheim.
Insgesamt könne die Maut zu großen Verbesserungen führen, sagt Verkehrsexperte Ahrens. Weil die Höhe der Maut auch an die Schadstoffemissionen der Laster gekoppelt ist, hätten sich die Flotten bereits deutlich verjüngt. Auch die Auslastung sei gestiegen, betont er. Allerdings müssten seiner Ansicht nach zum Erhalt der Infrastruktur nicht nur Autobahnen und einige Bundesstraßen in das Mautsystem einbezogen werden. „Wenn man über Maut redet, dann müsste man über alle Straßen reden. Und die Straßen, wo die meisten Menschen wohnen, müssten die teuersten sein.“
"...für Investitionen in den Straßenbau genutzt werden sollen."
Gerhard Katz (spital8katz)
- 11.07.2012, 17:47 Uhr

