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Hessen Kreativ-Branche : Ein neues Wir-Gefühl für die Kreativwirtschaft

Leuchtendes Beispiel: Events der Kreativbranche, hier der LEA-Award in der Festhalle, sollen stärker gefördert werden. Bild: Wolfgang Eilmes

Tarek Al-Wazir will der Kreativbranche in Hessen noch mehr Aufmerksamkeit schenken. Sie soll künftig gezielter gefördert werden und soll sich besser vernetzen.

          Als Philomena Höltkemeier vor neun Jahren ins Rhein-Main-Gebiet zog, fand die damalige Studentin die Hessen abweisend und eigenbrötlerisch. „Die Leute hier gehen erst einmal auf Distanz zueinander und brauchen einige Zeit, um sich offen zu begegnen.“ Das sei zumindest ihre Empfindung gewesen. Dennoch ist die aus Ostwestfalen stammende junge Frau hiergeblieben, lebt und arbeitet mit ihrer Agentur für Storytelling in Darmstadt und beschäftigt sich im Alltag unter anderem damit, wie die Kultur- und Kreativwirtschaft der Region besser zusammenarbeiten könnte. „Wir brauchen diese Vernetzung“, glaubt sie.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tarek Al-Wazir (Die Grünen) sieht das genauso. Hessen gelte bei den Kreativen und Kulturschaffenden als „reich und unsexy“, sagte der Wirtschaftsminister bei der Vorstellung neuer Strategien für die Kreativwirtschaft des Landes. Umso wichtiger sei es, das Image des Standortes aufzuhübschen. Dazu könne die Vernetzung ein geeignetes Mittel sein. Philomena Höltkemeier etwa hat vor drei Jahren den „Stammtisch für Filmemacher“ ins Leben gerufen, der, klein gestartet, mittlerweile jeden Monat 100 Kreative im Frankfurter Filmmuseum zusammenführt. Auch hier gilt: Ein gutes Netzwerk ist das halbe Leben. „Es gibt immer jemanden in meiner Nähe, der gerade das hat, was ich brauche. Und einen anderen, der etwas braucht, was ich bieten kann“, sagt Höltkemeier. Dieses Wir-Gefühl gelte es in der Region aufzubauen und daraus eine eigene Identität zu entwickeln.

          Landesregierung will Festivals fördern

          Al-Wazir würde es freuen. Schließlich schreibt er sich die Förderung der Kreativwirtschaft auf die Fahne. Ende April führte der Politiker eine Delegationsreise der Branche nach Belgien an und lernte, wie er hervorhob, dass schon eine Busreise zum besseren Kennenlernen beitragen kann. Al-Wazir weiß um die Bedeutung der äußerst heterogenen Branche, der Künstler und Freiberufler ebenso angehören wie Medienhäuser, Werbeagenturen und Architekturbüros.

          Hessenweit erwirtschafteten dem Ministerium zufolge 120.000 Beschäftigte in der Branche zuletzt einen Jahresumsatz in Höhe von 11,6 Milliarden Euro. Doch Al-Wazir will, wie er sagt, die vorhandenen Potentiale der Branche noch besser erschließen und setzt dabei in den nächsten Jahren neben der Vernetzung auf zwei weitere Schwerpunkte: die Verbesserung des Standortimages und die Beratung über Förderangebote. Dabei beruft sich der Minister auf einen Branchendialog, bei dem in den vergangenen Monaten 230 Kreative in verschiedenen Workshops Ideen und Wünsche formulierten, um die Szene in Hessen zu stärken.

          Zur Imagebildung des Standorts will die Landesregierung künftig Festivals und Events der Branche intensiver fördern. In Sachen Networking können sich die Kreativen den 10. November als Termin in den Kalender eintragen, an dem der erste Hessische Kreativwirtschaftstag Auftakt für eine Reihe von Kooperationstreffen sein soll, um die hessischen Kreativen mit anderen Branchen in Kontakt zu bringen.

          „Es braucht Orientierung im Förderdschungel“

          Mitte des Jahres wird es bei der Hessen Agentur zudem einen eigenen Ansprechpartner für die Kreativ-Raum-Beratung geben, der Künstler und Agenturen dabei unterstützt, geeignete Arbeitsräume zu finden. Al-Wazir sagt, das Land biete der Branche zwar bereits zahlreiche Förderprogramme an. Aber zum einen gelte es, die Angebote zu überprüfen. Zum anderen hat der Minister festgestellt, dass viele vorhandene Programme nicht ausreichend bekannt sind. „Es braucht Orientierung im Förderdschungel.“

          Die rege Beteiligung am Branchendialog sieht Al-Wazir als besten Beweis dafür, wie lebendig der Standort ist. Eine aufwendige Imagekampagne, wie sie hier und da gefordert wird, werde es allerdings zunächst nicht geben, schließlich sei eine gute Kampagne schwer und zugleich auch teuer. Dennoch glaubt er an die Attraktivität des Kreativstandorts. „Wir müssen nicht erst arm werden, um sexy zu sein.“

          Quelle: F.A.Z.

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