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Hessen Der Sparda-Bank brechen die Zinseinnahmen weg

Bei der Sparda-Bank Hessen ist das Ergebnis 2012 abgesackt. Vorstandschef Jürgen Weber bleibt aber gelassen und sieht trotzdem Raum für Investitionen.

© Eilmes, Wolfgang Gewinn gesunken: Jürgen Weber kann von vielen neuen Baufinanzierungen berichten – aber zu niedrigen Zinsen.

Jürgen Weber ist froh, dass er nicht von ungeduldigen Aktionären getrieben ist. „In einer Aktiengesellschaft müssten wir uns jetzt zusammensetzen und schauen, wie viele Mitarbeiter wir entlassen müssen“, sagte er gestern während der Vorlage der Jahreszahlen der Sparda-Bank Hessen. Als Vorstandsvorsitzender einer Genossenschaftsbank hingegen könne er auch in schlechten Zeiten in die Zukunft investieren, etwa in neue Filialen und Mitarbeiter, und „den richtigen Weg weitergehen“.

Tim  Kanning Folgen:

Fast um die Hälfte ist das Betriebsergebnis vor Bewertung 2012 eingebrochen. Allein durch ein sehr gutes Bewertungsergebnis der Kredite und Wertpapiere, das der guten wirtschaftlichen Lage zu verdanken ist, konnte die Bank am Frankfurter Güterplatz unterm Strich einen weniger stark gesunkenen Jahresüberschuss ausweisen. (Siehe Grafik) Außerdem hat die Bank weniger als in früheren Jahren in den Fonds für allgemeine Bankrisiken eingezahlt.

Infografik / Ergebnisse der Sparda-Bank Hessen © F.A.Z. Vergrößern

Klagen über niedriges Zinsniveau

Vor allem dem allgemein niedrigen Zinsniveau ist das Absacken des Betriebsergebnisses geschuldet. Zum einen zahlen Kunden derzeit niedrige Zinsen für Baukredite. Statt wie noch vor wenigen Jahren fünf oder gar sieben Prozent zu entrichten, können sich Bauherren dieser Tage Zinssätze zwischen zwei und drei Prozent auf zehn Jahre festschreiben lassen. Zum anderen kann die Bank aber die Zinsen, die sie an Sparer zahlt, nicht mehr viel weiter senken. Schon 2011 hatten viele Kunden Einlagen von der Sparda-Bank abgezogen, weil einige Konkurrenten sich über Lockangebote Marktanteile erkauft hatten, wie Weber sagte. 2012 konnte der Trend aber gestoppt werden.

Über das niedrige Zinsniveau, das vor allem der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank geschuldet ist, hatten auch die Vorstandsvorsitzenden der Frankfurter und der Wiesbadener Volksbank, Eva Wunsch-Weber und Matthias Hildner, in den vergangenen Wochen geklagt. In beiden Fällen hatte das günstige Geld aber keine derartigen Auswirkungen auf das Jahresergebnis wie nun bei der Sparda-Bank.

Eisenbahner-Bank will nicht auf Risiko setzen

Da die ehemalige Eisenbahner-Bank kein Firmenkundengeschäft macht, legt sie viel Geld selbst am Kapitalmarkt an. Und dort ist ebenfalls im Moment wenig zu holen. Natürlich sei es leicht, hohe Renditen zu hohem Risiko einzufahren, etwa indem man Geld in Griechenland anlege, sagte Weber. „Aber wir werden nicht der Versuchung erliegen, schon bei einer leichten Erholung dieser Staaten gleich dort zu investieren.“ Mit sicheren Anlagen lasse sich derzeit sehr wenig Rendite erzielen.

Der Rückgang des Zinsüberschusses um 18 Millionen Euro stellt den Löwenanteil am Rückgang des Ergebnisses dar. Hinzu kommen aber auch noch um vier Millionen Euro gestiegene Kosten. Grund hierfür seien zum einen Investitionen in die Rechenzentren und die elektronische Datenverarbeitung, die aufgrund neuer regulatorischer Vorschriften notwendig geworden seien. Außerdem habe man mehr Auszubildende sowie einige neue Mitarbeiter eingestellt und eine Tariferhöhung von drei Prozent verwirklichen müssen, sagte Weber.

Das Kerngeschäft entwickelt sich gut

Und drittens hat die Bank zwei neue Filialen eröffnet, eine am Frankfurter Riedberg und eine in Bad Vilbel. Anders als viele andere Banken, die gerade die Zahl ihrer Geschäftsstellen verringerten, sei die Sparda-Bank 1903 als „Direktbank“ gestartet und habe erst in den siebziger Jahren angefangen, Filialen zu eröffnen, erläutert Weber. Während andere Banken in vielen Städten mehrere Filialen betrieben, von denen sie nun einzelne schlössen, sei die Sparda also noch dabei, sich neue Standorte zu erschließen. Auch in Frankfurt gebe es noch Lagen, die man im Blick habe, Bornheim zum Beispiel.

„Der Einbruch im Teilbetriebsergebnis ist nicht schön, aber auch nicht tragisch“, meinte Weber. Tragisch wäre, wenn die Kunden wegliefen oder ihr Geld abzögen. Das Kerngeschäft entwickele sich aber gut. So sind die Kundeneinlagen 2012 von 4,2 auf 4,3 Milliarden Euro gestiegen. Und mit einem Plus von 3,8 Prozent bei den Neuzusagen für Baufinanzierungen sei er sehr zufrieden, sagte der Vorstandsvorsitzende. Der Kreditbestand stieg um 3,7 Prozent auf nun 2,2 Milliarden Euro. Und auch viele neue Mitglieder habe man für die Genossenschaft gewinnen können. Von den 369000 Kunden halten den Angaben zufolge 285000 Anteile an der Genossenschaft.

Für das gerade angelaufene Geschäftsjahr erwartet Weber ein ähnliches Ergebnis wie 2013. Mit einem Anstieg des Zinsniveaus sei vorerst nicht zu rechnen. Und es werde weiter schwer sein, am Kapitalmarkt gute Renditen mit sicheren Anlagen zu erzielen. Einige Ideen habe er allerdings schon. So könnte man seiner Ansicht nach durchaus Geld in Spanien anlegen. Dort hätten schließlich vor allem die Banken, aber nicht die ganze Volkswirtschaft Probleme.

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Quelle: F.A.Z.

 
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