„Roland Koch ist unser Anführer, und er bleibt unser Anführer.“ Das hat Volker Bouffier vor vier Jahren über den damaligen hessischen Ministerpräsidenten gesagt. Damit wollte er deutlich machen, dass Spekulationen über einen möglichen Rücktritt Kochs blanker Unfug seien.
Heute ist Koch Geschichte und Bouffier selbst als Ministerpräsident und Landesvorsitzender selbst der unumstrittene Anführer der CDU. Mit ihm als Spitzenkandidaten geht die Union Ende nächsten Jahres in den Landtagswahlkampf, und er wird - falls die Wähler ihm das ermöglichen - noch einmal das Amt des Regierungschefs übernehmen.
Bouffier ist der Leitwolf der Hessen-CDU
Kein Zweifel: Der 60 Jahre alte Bouffier ist der Leitwolf der Hessen-CDU. Bis auf weiteres jedenfalls, denn natürlich wird in der Partei intern und hinter vorgehaltener Hand schon über mögliche Nachfolger nachgedacht. Zwei Konstellationen sind vorstellbar: Entweder Bouffier wird als Ministerpräsident bestätigt, dann böte sich die Chance, das Amt Mitte der nächsten Legislaturperiode an einen geeigneten jüngeren Kandidaten zu übergeben. Oder der nächste Regierungschef heißt Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD). In dem Fall müsste sich Bouffier zwangsläufig umgehend in die zweite Reihe zurückziehen, und die Zukunft gehörte dem neuen CDU-Fraktionschef und Oppositionsführer im Landtag.
Von den drei Personen, die noch vor wenigen Monaten als potentielle Nachfolger im Gespräch waren, hat sich einer - Innenminister Boris Rhein - durch seine krachende Niederlage bei der Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt selbst aus dem Rennen katapultiert. Einer zweiten gelegentlich gehandelten Kandidatin, Umweltministerin Lucia Puttrich, mangelt es nach knapp zwei Jahren im Amt noch an Profil, um ernsthaft in Frage zu kommen.
Thomas Schäfer ist bemüht, seine Ambitionen herunterzuspielen
Bleibt als vielversprechendster Kandidat Finanzminister Thomas Schäfer, der derzeit so gut im Rennen liegt, dass er bemüht ist, seine Ambitionen herunterzuspielen. Der schwergewichtige Mittelhesse weiß nur zu gut, dass vermeintliche Hoffnungsträger besonders heftig im Feuer stehen, doch müsste schon jetzt über die Nachfolge Bouffiers entschieden werden, liefe die Entscheidung mit Sicherheit auf Schäfer hinaus.
Offen bleibt, ob sich Bouffier selbst derartigen Gedankenspielen hingibt, weil er sich wohlweislich nicht zu seiner ferneren politischen Zukunft äußert. Es ist aber nicht abwegig, dass sich der Landesvorsitzende Gedanken über einen geordneten Übergang auf eine neue Politikergeneration in seiner Partei macht. Offiziell stellt sich die heikle Nachfolgefrage ohnehin überhaupt nicht, denn in der Hessen-Union gilt ja die Devise: „Volker Bouffier ist unser Anführer, und . . .“ Siehe oben, und bis auf weiteres.
In tiefer Dankbarkeit ...
Closed via SSO (KlausTheo)
- 17.06.2012, 14:48 Uhr