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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Hessen Beer will Inklusion behutsam vorantreiben

 ·  Kultusministerin Nicola Beer (FDP) will die Inklusion behinderter Schüler in hessischen Schulen behutsam verwirklichen. Der Verzicht auf Förderschulen wäre ein Fehler, sagt sie.

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Kultusministerin Nicola Beer (FDP) will die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in Hessen behutsam verwirklichen. Die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die an Regelschulen unterrichtet würden, solle langsam erhöht werden, kündigte die Ministerin gestern in Wiesbaden an. Schon jetzt könnten in Hessen 95,6Prozent aller Kinder und Jugendlichen die allgemeine Schule besuchen; das sei ein bundesweiter Spitzenwert. Ziel sei es, diesen Anteil in den nächsten Jahren auf 96 Prozent zu steigern.

Es wäre aus Beers Sicht allerdings ein Fehler, wenn man die Förderschulen für körperlich und geistig Behinderte ganz ersetzen wollte, denn viele Eltern wüssten es zu schätzen, dass dort besonders gut auf die speziellen Bedürfnisse ihrer Kinder eingegangen werden könne. Es sei kein Makel, sein Kind in eine Förderschule zu schicken, sagte Beer. „Auch diese Schüler sind nicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen.“ Wie schnell der von den Vereinten Nationen geforderte möglichst weitreichende gemeinsame Schulbesuch von Behinderten und Nichtbehinderten, die sogenannte Inklusion, realisiert werden könne, hänge letztlich auch von den finanziellen Möglichkeiten des Landes ab, gab die Ministerin zu.

Fast die Hälfte der Schulen hat schon Erfahrungen mit Inklusion gemacht

Nach Angaben des Kultusministeriums besuchen in Hessen derzeit rund 5200 behinderte Kinder und Jugendliche den Regelunterricht; knapp 21000 würden an öffentlichen Förderschulen unterrichtet, weitere 4000 an privaten Förderschulen. Seit diesem Schuljahr bestehe ein flächendeckendes Netz von sonderpädagogischen Unterstützungsangeboten mit mehr als 1500 Förderschullehrerstellen für Regelschulen sowie 131 regionalen Beratungs- und Förderzentren. Jedes Jahr kämen rund 40 Stellen für Sonderpädagogen hinzu. 850 der rund 2000 hessischen Schulen hätten schon Erfahrungen mit dem gemeinsamen Unterricht von Behinderten und Nichtbehinderten. In zwei Modellregionen, in Wiesbaden und Offenbach, werde getestet, was an zusätzlicher Inklusion derzeit noch möglich sei. Klar sei, dass längerfristig in jeder Region „Schwerpunktschulen“ für die Aufnahme von Kindern mit speziellen Behinderungen entstehen müssten.

Mit dem neuen Schulgesetz habe der Elternwille mehr Gewicht bei der Entscheidung über Regel- oder Förderschule bekommen, hob Beer hervor. In einem Förderausschuss würden Eltern und Lehrer noch stärker als bisher in die Entscheidung über inklusiven Unterricht eingebunden. Ohne Zustimmung der Erziehungsberechtigten gebe es nicht die erforderliche Einstimmigkeit. „Das ist eine ganz eindeutige Steigerung des Elternrechts.“ In jedem Einzelfall werde sorgfältig geprüft, welche Förderung an welcher Stelle die beste für das jeweilige Kind sei. Am Ende könne der Besuch einer Regelschule aber durchaus am fehlenden Personal oder an den Kosten scheitern.

Eine Million Euro für die Integration behinderter Schüler

Nach Angaben von Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) werden in den hessischen Tagesstätten derzeit 4900Kinder mit Behinderungen betreut. Hessen sei das einzige Bundesland, das auf der Grundlage einer Vereinbarung zwischen den kommunalen Spitzenverbänden, dem Landeswohlfahrtsverband und der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in jeder Regeltagesstätte behinderte Kinder aufnehme. Auch als Arbeitgeber gehe das Land bei der Integration von Behinderten mit gutem Beispiel voran, so der Minister. In der Landesverwaltung sei fast jeder zwölfte Bedienstete schwerbehindert. Die gesetzliche Pflichtquote liege bei nur fünf Prozent. Ende 2011 waren in Hessen 596000 Menschen als schwerbehindert registriert; also traf dies etwa auf jeden zehnten Einwohner zu.

Beer und Grüttner präsentierten gestern gemeinsam einen „Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention“. Um die Integration Behinderter voranzutreiben, stelle das Land im Doppelhaushalt 2013/14 eine Million Euro zur Verfügung. Mit dem Geld sollten Modellregionen unterstützt werden, die beim Abbau von Barrieren vorangehen und „barrierefreie Lebensräume“ für Behinderte schaffen wollten. Der Sozialverband VdK nannte die Absichtserklärung der Landesregierung ein „wichtiges Signal“.

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Jahrgang 1960, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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