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Hessen Auftragsrückgänge schaden der Industrie bisher kaum

Seit langem melden Hersteller von Autos, Chemie und anderen Gütern weniger Aufträge. Die Umsätze der hessischen Industrie sind 2012 trotzdem nur leicht gesunken.

© dpa Instrumententechnik von Breithaupt aus Kassel.

Trotz der anhaltenden Rezession in Südeuropa und fortwährend rückläufiger Auftragseingänge sind die Umsätze der hessischen Industrie im Jahr 2012 nur leicht gesunken. Mit einem Wert von 103,7 Milliarden Euro erwirtschaftete die Branche im vergangenen Jahr nur 1,7 Prozent weniger als im Jahr 2011, wie das Statistische Landesamt mitteilte. Dass der Umsatz nicht stärker zurückging, ist vor allem dem guten Geschäft der Hessen außerhalb der Eurozone zu verdanken. Während der Umsatz innerhalb Deutschlands um 2,6 Prozent auf 49,9 Milliarden Euro gesunken ist und die Exporte in die Eurozone sogar um 2,8 Prozent auf 26,1 Milliarden zurückgingen, verkauften die Industrieunternehmen in die Welt außerhalb der Eurozone Waren im Wert von 27,7 Milliarden Euro und somit ein Prozent mehr als im Vorjahr.

Tim  Kanning Folgen:

Besorgniserregend bleibt allerdings der fortwährende Rückgang der Auftragseingänge. Schon seit dem vierten Quartal 2011 verzeichnen die Statistiker rückläufige Orders bei der hessischen Industrie, was gemeinhin als Frühindikator für sinkende Umsätze in der Zukunft gesehen wird. Da aber nicht alle Teilbranchen ihre Auftragseingänge den Statistikern melden, geben sie hierfür keine absoluten Zahlen, sondern lediglich einen Indexwert an, der die jeweilige Lage mit der von 2005 vergleicht. Dessen Veränderung zeigt aber, wie stark die Orderbücher von Quartal zu Quartal schrumpfen. Im Dezember 2012 fiel der Rückgang nun noch einmal besonders drastisch aus: Aus dem Inland erhielten die Unternehmen elf Prozent weniger Bestellungen als im Vorjahresmonat, aus dem Ausland sogar 13 Prozent weniger. Auf das ganze Jahr gerechnet, betrug der Rückgang der Aufträge aus dem In- und Ausland 5,9 Prozent.

Die schwächelnden Betriebe haben mehr Beschäftigte

Dass die Industrie insgesamt darunter noch nicht stärker leidet, ist der Branchenvielfalt in Hessen zu verdanken. Denn die einzelnen Teilbranchen schlagen sich sowohl bei den Auftragseingängen als auch bei den Umsätzen 2012 sehr unterschiedlich. Kräftige Umsatzrückgänge verzeichneten vor allem die Hersteller elektrischer Ausrüstungen (minus 7,1 Prozent) sowie Autobauer und deren Zulieferer (minus 4,8 Prozent). In beiden Branchen sanken auch die Auftragseingänge gegenüber dem Vorjahr deutlich, um 9,6 Prozent im Kraftwagensektor und um 5,9 Prozent bei den Elektroausrüstern.

Die Chemieindustrie meldete dem Landesamt in Wiesbaden sogar 9,6 Prozent weniger Bestellungen. Ihre Umsätze 2012 konnte sie aber sogar noch steigern, um 3,8 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro. In ähnlichem Maß stiegen die Umsätze in der Pharmaindustrie, die in der Rhein-Main-Region etwa mit Sanofi, Merck und Fresenius stark vertreten ist; sie erlöste 2012 insgesamt 10,8 Milliarden Euro und kann sich bislang auch noch über weitgehend konstante Auftragseingänge freuen.

Kurioserweise haben vor allem die schwächelnden Kraftwagenbauer und Elektroausrüster die Zahl der Beschäftigten aufgebaut, um 2,8 Prozent auf 47.900 beziehungsweise um 2,1 Prozent auf 24800. Alles in allem arbeiteten 355.900 Frauen und Männer in der Industrie, ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Geschrumpft ist die Belegschaft in keiner der Branchen.

Quelle: F.A.Z.

 
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