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Hess Natur ein Jahr nach Übernahme : Für jede Jahreszeit einen Katalog

Die drei Läden von Hess Natur - hier das Flaggschiff in Butzbach - machen derzeit mehr Umsatz als vor Jahresfrist, wie der Chef Marc Sommer sagt Bild: Rainer Wohlfahrt

Das Versandhaus Hess Natur will ein Jahr nach dem Verkauf an einen Finanzinvestor und einem Umsatzeinbruch neue Kunden gewinnen - im Internet und mit kleineren, neuartigen Katalogen.

          Wenn Marc Sommer in diesen Tagen durch die Flure der Zentrale von Hess Natur in Butzbach geht und dabei ein Jahr zurückdenkt, meint er: „Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.“ Nun zeichnet Sommer aber als Vorsitzender der Geschäftsführung von Deutschlands Marktführer für Ökomode und wird nicht schlecht über den Betrieb reden. Dies könnten argwöhnische Zeitgenossen einwenden eingedenk des Aufruhrs unter Mitarbeitern und Kundschaft, den der Verkauf der Hess Natur Textilien GmbH an den Finanzinvestor Capvis vor Jahresfrist ausgelöst hatte. Andere Stimmen im Betrieb bestätigen jedoch die Worte des Chefs, auch wenn dieser nicht mithört.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Beschäftigten seien motiviert bei der Arbeit, das Unternehmen investiere. Das sei nach der Phase des Stillstands vor dem Verkauf wohltuend, heißt es. Derzeit hat der Versender etwa mehrere Online-Managerposten zu vergeben.

          Umsatzknick zu Jahresbeginn

          Die Investitionen sind aber auch nötig: Vor einem Jahr hatte Capvis verlautbart, die Stärken des 334 Mitarbeiter und eine Million Kunden in der Kartei zählenden Ökomode-Pioniers hervorzuheben und die Kundenbasis zu verbreitern. Zudem erklärte Capvis eine Rendite von acht Prozent bei Hess Natur für möglich.

          Wie weit entfernt das Unternehmen von dieser Zahl noch ist, behält es für sich. Sommer macht aber kein Hehl aus dem Umsatzknick, den der Textilhändler im Frühjahr hinnehmen musste, nachdem schon das letzte Quartal 2012 schwach verlaufen war. Bis in den April hinein sind die Umsätze demnach unter Vorjahr und unter Plan geblieben. Einen solchen Geschäftsverlauf beklagt zwar die Textilbranche allgemein, doch sind bei Hess Natur noch hausgemachte Gründe hinzugekommen. Eine zwischenzeitlich zurückhaltende Werbung etwa. Erst mit einer über Nacht angekündigten Internetaktion zum „Earth Day“ im April (“20 Prozent auf alles“), die einen Schub bei den Bestellungen ausgelöst hat, und der Ausgabe des Sommerkatalogs haben sich die Verkäufe belebt, wie der Chef sagt. Im Juni liege der Umsatz deutlich über Plan und über Vorjahr. Ob Hess Natur wieder 70 Millionen Euro erlösen wird wie im Geschäftsjahr 2011/12, lässt er offen.

          Eigener Katalog für Heimtextilien

          Antreiben will Sommer die Umsätze mit mehreren Vorhaben. So wird der Versender seine Kataloge neu ordnen: Der Herbst/Winter-Katalog 2013/14 soll der letzte dieser Art sein. Dabei werden aber nicht sämtliche 600.000 Stück auf einmal verschickt. Vielmehr passt der Versender die Ausgabe des Katalogs „stärker an die Bedarfszeitpunkte an“, wie der Chef es formuliert. Anders gesagt: Bis auf 80.000 traditionelle „Frühbucher“ erhalten die meisten Kunden den Katalog mit warmer Bekleidung nicht schon im Juli, sondern erst im September. Also dann, wenn sie sich auch wirklich Gedanken über die aufziehende kalte Jahreszeit und die angemessene Bekleidung machen.

          Fortan will Hess Natur als Ersatz für den Hauptkatalog einen gesonderten Katalog für jede Jahreszeit herausbringen. Auch erhält das erweiterte Heimtextil-Sortiment einen eigenen Katalog. In diesem Segment liegt die Retourenquote laut Sommer unter 20 Prozent, während bei Bekleidung gut jedes zweite Stück von den Kunden zurückgeschickt werde. Das Angebot an Babybekleidung wird fortan weitgehend im Internet präsentiert, über das Hess Natur laut Sommer mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielt.

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