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Bahnhofsviertel Frankfurt : Der Preis des „Hypes“

Gut oder schlecht? Die Meinungen zur Aufwertung des Bahnhofsviertel in Frankfurt sind unterschiedlich. Bild: Marcus Kaufhold

Die Künstlergruppe „Hauptschule Frankfurt“ läd zu einer „Heroin-Performance“. Sie kämpfen gegen die Aufwertung des Bahnhofsviertels. Die Empörung ist groß, doch auch die Anwohner sind zwiegespalten.

          Nichts geht mehr, hier ist kein Durchkommen. Die Menge drängt über die Schwelle des Ladens hinaus auf den Bürgersteig der Taunusstraße. Manche Fans von Daniel Wirtz sind sogar aus Freiburg angereist, um ihn in der Kaiserpassage singen zu hören. Jetzt stecken sie irgendwo im Gewühl im Musikgeschäft „Cream Music“, wo er nach dem Konzert noch Autogramme gibt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Daniel Wirtz? Nie gehört? Macht nichts. Der Sänger ist mit der auf „Vox“ ausgestrahlten Sendung „Sing meinen Song“ einigermaßen berühmt geworden, wo er Lieder von Pur („Wenn sie diesen Tango hört“) und andere Songs gecovert und ihnen eine „rockige Note“ verliehen hat. Wirtz’ Image ist das des zärtlichen Rebells, hart und gefühlvoll zugleich. Tätowiert, strubbelige Haare, Zottelbart und Hundeblick. In der Kaiserpassage sitzt er mit langer Strickjacke auf dem Podium und schaut ziemlich verträumt. Nach dem Konzert posten junge Frauen auf seiner Facebook-Seite Herzchen und Sätze wie „Was machst Du nur mit uns?“

          Für die Künstler gehören auch die Süchtigen zum Viertel

          Zu dem Konzert hat er seine Fans ins Bahnhofsviertel eingeladen, in seine „Wirtz-Hood“, wie er sagt. Aber ganz geheuer ist ihm seine Nachbarschaft nicht. Das Konzert ist Teil der Initiative „TAB Taunusstraße Arts and Bites“. Gemeinsam mit zwei Werbeagenturen, Gastronomen und Musikern will Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) den offenen Drogenhandel auf der Taunusstraße bekämpfen. Also mit Konzerten und leckeren Speisen gegen die Dealer. „Gig für die gute Sache“, nennt Wirtz das.

          Andere finden diese Sache gar nicht so gut, sie fürchten eine weitere Aufwertung des Viertels. Die Künstlergruppe „Frankfurter Hauptschule“ hat mit der Ankündigung einer „Heroin-Performance“ viel Wirbel ausgelöst. Sie will den Spieß umdrehen. Heute Abend soll sich bei der Kunstaktion „Im Windschatten des Niedergangs“ eine Person eine Substanz spritzen – vor Publikum in der Kaiserpassage. Die „Hauptschüler“ meinen, dass die Drogensüchtigen auch zum Viertel gehörten, und zwar „wie der Wind zum Meer“.

          Die Empörung ist groß, und auch die Anwohner sind unterschiedlicher Meinung, was sie davon halten sollen. Oskar Mahler zum Beispiel, Künstler und Präsident des Gewerbeverbands Treffpunkt Bahnhofsviertel, findet die Aktion der „Hauptschüler“ zynisch. TAB wende sich gegen Dealer, nicht gegen Konsumenten. „Drogenhandel kann kein Mittel sein, um Stadtteile zu gestalten“, sagt er. Andere meinen, die Junkies würden an den Rand gedrängt. Und sind sie nicht auch eine Bremse gegen eine zu starke Aufwertung?

          Viele Besserverdiener ziehen in das Viertel

          Das Viertel ist zweigeteilt: Südlich der Kaiserstraße, wo die schicken Bars und Gemüseläden sind, sieht man abends besonders viele Vollbärte, Wollmützen und Hipster-Brillen. Vor allem auf der Münchener Straße. Nördlich der Kaiserstraße herrschen die Händler, Fixer und Prostituierten. Wer wie Wirtz dort an der Taunusstraße lebt oder arbeitet, ärgert sich über die aggressiven Händler vor der Haustür. TAB sei ein Kampf gegen Windmühlen, sagt einer, der seit zehn Jahren seinen Laden an der Straße hat. Wer abends nur zum Feiern auf der Münchener Straße ausgehe, bekomme von den harten Seiten nicht viel mit. „Es ist hip, auf der Seite des Abgrunds zu stehen. Wer der Welt aber in den Arsch schauen will, der muss um 13Uhr über die Taunusstraße gehen.“ Denn was sich früher auf mehrere Straßen verteilt hat, ballt sich jetzt an einem Ort.

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