http://www.faz.net/-gzg-8yvxm

Zum Tod von Helmut Kohl : Stets ein Freund Frankfurts

Besonders freche Linke: Helmut Kohl verlegte deshalb Abschlusskundgebungen vor Bundestagswahlen stets nach Frankfurt, so auch im September 1998. Bild: Foto Barbara Klemm

Helmut Kohl hat zu Frankfurt ein besonderes Verhältnis gehabt. In den fünfziger Jahren hat er zwei Semester an der Goethe-Universität studiert, als Bundeskanzler ist er oft und gern hierher zurückgekehrt.

          Als bodenständig hat Helmut Kohl Frankfurt stets empfunden. Und wer nach dem Grund für das besondere Verhältnis zwischen dem Altkanzler und der Stadt sucht, könnte ihn in dieser Bodenständigkeit finden, die beiden gemeinsam ist. Auch die Lebensfreude und die Fähigkeit zum Feiern schätzte Kohl an den Frankfurtern. „Da fühle ich mich wohl“, sagte er am 15.September 1999, als ihn die Stadt in der Paulskirche zum Ehrenbürger ernannte. Am Freitag ist der Frankfurter Ehrenbürger Helmut Kohl im Alter von 87 Jahren gestorben.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als er die Stadt zum ersten Mal durchquerte, lag sie in Schutt und Asche. Das war 1950. Im Wintersemester desselben Jahres begann Kohl an der Goethe-Universität ein Studium der Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Psychologie. Weil sich der damals Zwanzigjährige als Sohn eines kleinen Finanzbeamten keine Wohnung leisten konnte, pendelte er jeden Tag mit dem Zug von Ludwigshafen nach Frankfurt. „Der Weg vom Bahnhof zur Universität führte durch ein Trümmerfeld“, erinnerte er sich.

          Ausgebuht von linksgerichteten Bürgern

          Die „großartige Zeit“, wie Kohl sie später nannte, endete nach zwei Semestern. Weil ihn sein politisches Engagement in Rheinland-Pfalz schon früh sehr viel Zeit kostete, wechselte er an die für ihn schneller zu erreichende Universität Heidelberg. Der frühere Frankfurter Bürgermeister und CDU-Kreisvorsitzende Wilhelm Fay blieb ihm trotzdem ein „richtiger Freund“.

          Dass sich Kohl auch später intensiv um Frankfurt gekümmert hat, dass er für die Stadt bis zu seinem Tod eine „rational nicht zu begründende freundliche Empfindung“ verspürte, lag sicher nicht nur an den Erinnerungen aus seiner Studentenzeit. Kohl, der Kenner der Macht, hatte erkannt, dass die Stadt politisch höchst interessant und brisant war, dass sich in Frankfurt politische Entwicklungen sammelten wie Lichtstrahlen in einem Brennglas.

          Engagiert: Helmut Kohl in der Redaktionskonferenz dieser Zeitung am 21. Mai 1996 Bilderstrecke
          Engagiert: Helmut Kohl in der Redaktionskonferenz dieser Zeitung am 21. Mai 1996 :

          An wahrscheinlich keinem anderen Ort der Republik ist Kohl so oft und so kräftig ausgepfiffen worden wie in der jahrzehntelang „roten“ Mainmetropole. „In Frankfurt waren die Linken immer besonders frech. Und ich war immer dafür, ihnen die Faust unter die Nase zu halten“, sagte er einst. Deshalb ließ er alle Abschlusskundgebungen vor Bundestagswahlen hier veranstalten. Es kam vor, dass er auf dem Römerberg von einer begeisterten Petra Roth mit einem „Helmut, Helmut“-Ruf empfangen wurde, während linksgerichtete Bürger ihn ausbuhten.

          „Um die Stadt besonders verdient gemacht“

          Nach Frankfurt kehrte Kohl gerne zurück: Internationale Automobil-Ausstellung, CDU-Wahlkämpfe, Einträge ins Goldene Buch – der Kanzler und CDU-Bundesvorsitzende musste nie zu einer Visite überredet werden. Auch diese Zeitung besuchte er mehrfach, zum Beispiel am 21.Mai 1996, als er mit der Redaktion über Atompolitik, Ladenschluss und die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen diskutierte.

          Wichtig war Kohl hervorzuheben, dass er es war, der 1977 den damals in Bonn als Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion tätigen Walter Wallmann zur Spitzenkandidatur in Frankfurt gedrängt habe. Auch für Petra Roth setzte sich der Kanzler ein, als die Landtagsabgeordnete 1995 Oberbürgermeisterin werden wollte.

          Die Paulskirche wusste der Historiker Helmut Kohl stets zu würdigen. Dieses Symbol deutschen Ringens um Einheit und Freiheit bezeichnete er 1999, als ihm ebendort die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde, als „Forum unserer Nation ganz eigener Art“. Laut Stadtrecht kann zum Ehrenbürger ernannt werden, wer sich „um die Stadt Frankfurt besonders verdient gemacht hat“. Auf Kohl trifft das zweifellos zu. Eines seiner größten Verdienste war sein Einsatz zugunsten Frankfurts als Sitz der europäischen Notenbank, den er mit den Worten kommentierte: „Ohne mich wäre die Europäische Zentralbank nicht nach Deutschland und erst recht nicht nach Frankfurt gekommen.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Der Hörsaal-Roboter Video-Seite öffnen

          „Pepper“ : Der Hörsaal-Roboter

          An der Philipps-Universität in Marburg nimmt ein Roboter den Platz des Dozenten ein. Die Studierenden stört das nicht.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.