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Frankfurter Galerie Grässlin : Lichtschein auf Zeit

Bilder schweben vor der Wand: Helmut Dorner, „Schuh + Reparatur“, 2016, zwei Teile, Öl auf Holz Bild: Abbildung Galerie

Es geht um Farbe, Form und Fläche: Die Galerie Grässlin zeigt neue Bilder von Helmut Dorner. Auf den ersten Blick verbindet die Malerei nicht viel mit den Arbeiten der vergangenen Jahre.

          So geht es also auch. Ganz ohne Plexiglas. Helmut Dorner nutzte es als Malgrund. Er ließ der Farbe buchstäblich ihren Lauf. Und verlieh damit seinen Bildern nicht nur Transparenz, sondern vor allem eine heiter und gelassen anmutende Leichtigkeit, die all die leuchtenden, diffus floralen Formen vor der Wand das Tanzen lehrte. Mit seiner neuen, vor den himmelhohen Wänden der Frankfurter Galerie Bärbel Grässlin regelrecht intim sich ausnehmenden Werkgruppe in bescheidenen Formaten ist der einstige Schüler von Gerhard Richter jedoch konsequent zur Malerei in Öl auf Holz zurückgekehrt.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Lapidar „10/16“ oder, mit sanfter Ironie, „Lichtschein auf Zeit“ sind die in ihrer Konzentration an Ikonen gemahnenden Täfelchen überschrieben, und doch bleibt alles leicht, beinahe skizzenhaft. Das ist zunächst vornehmlich den stegartigen, wie Paletten aufgebauten Bildträgern zu verdanken, welche die teils mehrteiligen Werke vor der Wand schweben lassen und ihre Objekthaftigkeit nicht kaschieren. Sonst freilich verbindet diese Malerei auf den ersten Blick nicht allzu viel mit den Arbeiten der letzten Jahre. Nicht mit dem expressiven, von einem pastosen Farbauftrag bestimmten Gestus früherer Bilder noch mit dem lyrischen Temperament der Lackarbeiten.

          Et voilà: ein Bild

          Hier wie dort aber geht es Dorner um die Parameter aller Malerei. Um Farbe und Farbauftrag, Form und Formlosigkeit, Fläche und Raum, Bild und Objekt. Meist monochrom in Altrosa, Taubenblau oder einem gebrochenen Orange, haben freilich die aktuellen Bilder mehr mit der Farbfeldmalerei als mit den früheren, aus der Natur abgeleiteten Motiven zu schaffen, indes nicht ohne sie mit genuin malerischen Mitteln im gleichen Augenblick wieder in Frage zu stellen.

          Stets wählt der 1952 geborene Künstler statt eines möglichst spurenlosen einen beinahe nachlässigen, eher summarisch anmutenden Farbauftrag. Mal spart er einen Teil der Fläche aus, mal wechselt er die Perspektive. Oder Dorner präpariert statt einer Form gleichsam ihr Negativ im Raum als sein Motiv, und überhaupt scheint noch jede dieser Tafeln allenfalls einen womöglich winzigen Ausschnitt eines ungleich größeren Zusammenhangs vorzustellen. So, denkt man staunend in dieser Ausstellung, so geht es also auch. Et voilà: ein Bild.

          Die Ausstellung in der Frankfurter Galerie Bärbel Grässlin, Schäfergasse 46 b, ist bis 14. Januar dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Vom 23. Dezember bis 9. Januar bleibt die Galerie geschlossen.

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