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Helmholtzschule, Frankfurt Im Tonstudio mit den Profis

06.07.2009 ·  Übung macht den Meister: Die Bläserklasse 5d der Helmholtzschule hat gelernt, dass das für die eigenen Leistungen ebenso gilt wie für die HR Big Band, die sie besucht hat.

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Wow, was ein Sound! Wenn die Big Band des HR loslegt, liegen die Haare an wie im Gegenwind. Sonst sind wir ja die Band und sitzen mittendrin. Jetzt sitzen wir im engen Tonstudio des Hessischen Rundfunks den Musikern fast auf dem Notenblatt und kriegen die volle Ladung ab. Aber es ist nicht nur laut, uns beeindrucken die Bläsersätze und die schwierigen Rhythmen. Es ist schon ein Unterschied, ob man knapp seit einem Jahr ein Instrument spielt oder schon 38 Jahre.

Die Big Band wurde 1946 gegründet als Tanz- und Unterhaltungsorchester des Hessischen Rundfunks. Heute spielen 16 Musiker, jeder beherrscht mehrere Instrumente: Posaune, Klarinette, Trompete, Saxophon, Euphonium, aber auch Klavier, Gitarre und Schlagzeug. In dieser Probe dirigiert Ed Partyka aus Wien. Es wird mit einer israelischen Sängerin für ein Konzert geübt. Deshalb gibt es auch noch eine Trommlerin. Sie ist die einzige Frau neben der Sängerin. Das sieht bei uns in der Bläserklasse ganz anders aus: Wir sind 16 Mädchen und 15 Jungen. Vor einem Konzert sind wir ziemlich aufgeregt. Ist das in der Big Band genauso? Ein Spieler meint, er sei schon noch aufgeregt, vor allem wenn das Stück schwierig sei oder er nicht viel geübt habe. Wie oft muss man denn üben, wollen wir wissen. Er übe fast jeden Tag ein bis drei Stunden.

Verblüfft vom „schalltoten Raum“

Es war natürlich toll für uns, bei einer Probe der Profis dabei zu sein, die ihre Instrumente so gut beherrschen. Wir haben Musik gehört, die ganz neu für uns war. Für uns als Bläserklasse war aber auch wichtig zu erfahren, dass man das Üben ernst nehmen muss, dass man pünktlich sein muss, damit die anderen nicht warten müssen. Man muss vorbereitet sein, damit das Zusammenspiel klappt, und man darf die Noten nicht vergessen.

Aber das war nicht alles, was wir im HR erlebt haben. Weil wir eine so große Klasse sind und das Tonstudio so klein ist (es ist etwas größer als ein großer Klassenraum), haben wir uns geteilt. Während die eine Hälfte bei der Probe war, besuchte die andere Hälfte das Hörspielstudio. Der Weg dahin war ganz schön kompliziert, treppauf, treppab und die Gänge immer rund. Frankfurt wäre nämlich beinahe Hauptstadt von Deutschland geworden. Für die Abgeordneten des Bundestages hatte man diesen Rundbau gebaut, den man gut von der Bertramstraße aus sehen kann. Dann ist aber Bonn Hauptstadt geworden, und der Hessische Rundfunk ist hierher gezogen. Die Büros sind in Studios umgebaut worden.

Im Hörspielstudio gibt es keine „gerade“ Wand, weil es ja ein Rundbau ist. Damals wurden die Geräusche im Hörspiel während der Aufnahme echt gemacht. Deshalb gibt es verschiedene Bodenbeläge, man kann eine knarrende Holztreppe hochgehen oder in Kies oder Sand laufen. Es gibt ein Metallgerüst, das hört sich an, als ob man auf einem Schiff oder einer Baustelle ist. Man kann in einer echten gelben Telefonzelle der Post telefonieren. Das Geld, 10-Pfennig- und Markstücke, liegt auch noch da.

Ganz verblüffend ist der „schalltote Raum“. Das heißt, die Stimme ist sofort weg, wenn man etwas sagt. Das ist so, als ob man auf einer großen Wiese steht. Es ist schon seltsam, in einem Zimmer zu stehen, und es hört sich an, als ob man in der freien Natur steht. Wir durften auch einen Text in ein Mikrofon sprechen, der aufgenommen wurde. Es ging um ein U-Boot. Die freundliche Technikerin zeigte uns, was man heute alles mit dem Computer machen kann. Wir haben uns beim Vorlesen natürlich versprochen. Sie hat unsere Stimme digital auf den Bildschirm geholt und den Versprecher einfach gelöscht. Dann hat sie Hall dazu getan, als ob wir in einem U-Boot stünden oder in einer Höhle, und dann Wassertropfen, die von der Decke fallen. Die waren zuerst zu schnell. Sie hat sie dann langsamer tropfen lassen, so dass sie genau zu unserer Lesegeschwindigkeit gepasst haben. Jetzt wissen wir auch, wie man Hörspiele aufnimmt.

Im Gespräch: Die Musiker der Big Band

Machen Sie Musik, weil es Spaß macht oder weil Sie damit Geld verdienen?

Beides. Wenn es keinen Spaß gemacht hätte, wäre ich jetzt nicht hier. Aber wenn ich damit kein Geld verdient hätte, wäre ich auch nicht hier.

Was ist das Besondere an einer Big Band?

Da es viele verschiedene Instrumente gibt, gibt es auch unterschiedliche Klänge, die die Big Band besonders machen.

Wenn Sie nicht in der Big Band spielen würden, was würden Sie dann spielen?

Am liebsten Tuba im Blasorchester.

Wie lange haben Sie noch vor, Euphonium zu spielen?

Bis ich in Rente gehe.

Warum gibt es hier fast keine Frauen?

Früher, also in unserer Generation, haben die Jungen eher Blasinstrumente gespielt, und die Mädchen haben Harfe und Flöte gelernt.

Was ist das Schöne an Ihrem Job?

Man hat mit verschiedenen Künstlern zu tun, Solisten und Sängern. Wir spielen verschiedene Programme mit verschiedenen Musikrichtungen. Es ist abwechslungsreich und kreativ. Wir sind viel unterwegs und nicht so oft bei der Familie.

Wie pflegen Sie Ihr Instrument?

Die Instrumente werden jeden zweiten Tag geputzt, einmal in der Woche wird der große Zug gefettet.

Von Stella und Romana mit Beiträgen der ganzen Klasse 5d der Helmholtzschule, Frankfurt.

Quelle: F.A.Z.
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