03.07.2009 · Um eine Oper auf die Bühne zu bringen, müssen viele Menschen zusammenarbeiten. Wie das abläuft, erklärt Dramaturg Zsolt Horpácsy der Klasse 6d der Helmholtzschule im Anschluss an einen Probenbesuch zu „Lucia di Lammermoor“.
Um eine Oper auf die Bühne zu bringen, müssen viele Menschen zusammenarbeiten. Wie das abläuft, erklärt Dramaturg Zsolt Horpácsy der Klasse 6d der Helmholtzschule im Anschluss an einen Probenbesuch zu „Lucia di Lammermoor“.
Wie viele Menschen arbeiten an der Oper insgesamt?
Die Oper Frankfurt bildet zusammen mit dem Schauspiel Frankfurt die Städtischen Bühnen Frankfurt. Einige Abteilungen arbeiten für beide Sparten, wie die Kostümabteilung und die Werkstätten. Oper, Schauspiel und Zentrale Theaterbetriebe haben insgesamt 1031 festangestellte Mitarbeiter.
Wie viele davon arbeiten am Abend bei einer Aufführung?
Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Stücke, die groß besetzt sind, wie zum Beispiel eine Oper von Wagner. Dann sitzen im Orchestergraben um die 100 Leute. Wenn wir Mozart oder Barockopern wie Händel spielen, dann haben wir eine kleinere Orchesterbesetzung. In den meisten Barockopern gibt es keinen Chor, oder die Besetzung des Chores ist sehr klein. Diese Frage betrifft aber auch die Bühnentechnik. Wenn ein Bühnenbild groß oder kompliziert ist, dann sind mehr Bühnentechniker beschäftigt, wenn es sehr einfach ist, reicht eine kleine Besetzung der Mannschaft.
Welche Berufe arbeiten an einer Opernproduktion mit?
Alle möglichen Berufe. Oper müsst ihr euch wie eine eigene kleine Welt vorstellen. Vom Schuhmacher und Inspizienten bis zum Intendanten, der den künstlerischen Charakter des Hauses bestimmt, Dirigenten, Orchestermusiker, Regisseure, Schlosser, Waffenmeister, Maske, Kostüm, Ankleiderinnen, Sänger, die Verwaltung und viele mehr. Wenn man alles zusammenzählen würde oder auflisten, würden diese Berufe ein kleines Heft füllen.
Warum hat die Oper eine eigene Schlosserei, Schreinerei, Kostümabteilung und einen Malersaal?
Wenn es die Werkstätten nicht gäbe, dann müssten wir diese Arbeiten vergeben, was sehr zeit- und kostenintensiv wäre. Es müsste dazu eine Ausschreibung stattfinden. Natürlich gibt es immer wieder spezielle Aufgaben, Spezialgebiete, wo auch Fremdfirmen für uns arbeiten, aber grundsätzlich ist es eine Frage der Flexibilität. Wenn die Jacke nicht passt, dann muss man sofort in die Schneiderei, und wenn ich eine Fremdfirma habe, dann muss ich hingehen und fragen: „Wann könnt ihr das machen?“ „Übernächste Woche.“ Und wir haben aber die Aufführung am Freitag. So würde es nicht funktionieren.
Wer entscheidet, was gespielt wird?
Die künstlerische Leitung, also der Intendant Bernd Loebe, zusammen mit unserem Generalmusikdirektor, der für die musikalischen Entscheidungen zuständig ist. Was den künstlerischen Charakter der Oper betrifft, welche Stücke oder welche Regisseure, entscheidet der Intendant. So kann man beim Studium eines Spielplans auch „die Handschrift“ eines Intendanten erkennen.
Wann wird entschieden, was gespielt wird?
Ganz früh, weil man im internationalen Opernbetrieb sehr früh alle Verträge unter Dach und Fach haben muss, wenn man gute Leute engagieren möchte, wie zum Bespiel Christine Schäfer, die hier die Titelpartie von „Lucia di Lammermoor“ singt. Oft muss man diese Künstler fünf Jahre im Voraus engagieren.
Wie werden die Darsteller gecastet?
Nicht jeder kann jede Rolle verkörpern. Die Theaterleitung achtet beim Vorsingen oder in den Aufführungen an anderen Häusern nicht nur auf die stimmlichen Qualitäten, sondern auch, wie sich die Sänger bewegen und was sie für eine Ausstrahlung haben. Es reicht nicht, dass jemand wunderschön singt und dann auf der Bühne wie eine Salzsäule dasteht.
Wie lange vor der Premiere beginnen die Proben?
Die konzeptionellen Vorbereitungen fangen manchmal schon zwei Jahre vor der Premiere an. Dort treffen sich Regisseur, Bühnenbildner, Kostümbildner und Dramaturg. Die musikalische Einstudierung fängt bis zu einem Jahr vor der Premiere an, ehe sechs bis sieben Wochen vor der Premiere die szenischen Proben beginnen, zunächst auf der Probebühne, später auf der großen Bühne.
Wie viel Zeit hat ein Sänger, seine Rolle zu lernen?
Es gibt Sänger, die wahnsinnig schnell lernen und selbst Klavier spielen und das dann zu Hause ganz einfach üben. Und es gibt andere Extreme, die unsere Repetitoren monatelang beschäftigen. Das heißt aber nicht, dass das dann auf der Bühne zu merken ist. Es gibt viele großartige Sänger, die einfach langsamer lernen.
Warum ist das Orchester nicht bei allen Proben anwesend?
Das Orchester hat sehr viele Verpflichtungen. Es ist bei jeder Produktion dabei, das heißt, es laufen parallel die Vorbereitungen für die Neuinszenierungen, Wiederaufnahmen und Konzerte. Außerdem ist die Anfangsphase eine Zeit, in der man mit einem Klavier die Musik markieren kann, da braucht man kein Orchester, das ist nicht notwendig und wäre auch sehr teuer.
Hängt der Eintrittspreis vom gespielten Werk ab?
Nein, prinzipiell erst einmal nicht. Er hängt eher vom Wochentag ab. Wenn jemand am Wochenende in die Oper gehen möchte, muss er ein bisschen mehr zahlen. Werktags sind die Karten etwas billiger.
Premieren sind aber doch etwas teurer?
Premieren sind überall teurer, in München bezahlt man beispielsweise für eine Premiere knapp 300 Euro pro Karte, also wesentlich mehr als bei uns. Es gibt aber auch Familienvorstellungen, Studentenermäßigungen, Gruppenermäßigungen. Schüler bekommen Karten schon ab 5,63 Euro. Es gibt sogar Stehplätze, die nur so viel wie eine Kinokarte kosten.
Welche Oper ist Ihr Lieblingswerk?
Das ist sehr unterschiedlich. Also wenn man sich mit einem Stück beschäftigt, wenn man ein Stück intensiv kennenlernt, dann ist das eine Phase der Verliebtheit, oft folgt danach die Liebe. Es gibt so 20 Stücke, wo ich sagen würde, das sind absolute Meisterwerke, wo alles stimmt. Mozart - die Da-Ponte-Opern: „Don Giovanni“, „Così fan tutte“, „Le nozze di Figaro“, wo jede Note stimmt.