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Hells-Angels-Prozess : Zeuge bringt Hessens Polizei in Bredouille

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Mehrere hundert Harley-Fahrer, darunter auch Mitglieder der Hells Angels, wollen am Samstag durch die Frankfurter Innenstadt fahren, um gegen das Vereinsverbot des Rockerclubs zu demonstrieren. Bild: dpa

Die Hells Angels lassen der hessischen Polizei keine Ruhe: Eine Artikelserie in einer Zeitung lässt die Ordnungshüter in keinem guten Licht erscheinen. Das Landeskriminalamt hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

          Die Hells Angels haben Boris Rhein schon vor etlichen Jahren beschäftigt, als er noch Ordnungsdezernent in Frankfurt war. Im Herbst 2011 hat der CDU-Politiker dann als hessischer Innenminister mit dem Verbot zweier Frankfurter Ortsgruppen der Motorradrocker bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt sieht sich Rhein mit Enthüllungen konfrontiert, die für die hessische Polizei nicht schmeichelhaft sind - und dies ausgerechnet wenige Tage vor der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs über die Rechtmäßigkeit des Verbots der Hells Angels.

          Nach Berichten der „Frankfurter Neuen Presse“ sollen die Ermittler im Kampf gegen die Rocker einen mit Haftbefehl gesuchten Betrüger zum Kronzeugen gemacht haben. Der heute 43 Jahre alte Daniell M.-D. sagte dem Blatt, ihm seien 2010 Luxuskarossen und Geld für seinen Kokainkonsum zur Verfügung gestellt worden. Der Mann von zweifelhaftem Ruf, mit dem das Blatt per Videotelefon gesprochen hat, lebt derzeit in Israel. Er war von den Behörden als gefährdeter Zeuge ins Ausland gebracht worden.

          Polizei: Zeuge bekam weder Autos noch Drogen

          Das hessische Landeskriminalamt hat dagegen betont, dass der Dreiundvierzigjährige weder V-Mann noch Kronzeuge gewesen sei. Die Polizei habe ihm auch keine teuren Autos und kein Rauschgift gestellt.

          Wie es aus Polizeikreisen weiter heißt, war der im Milieu tief verwurzelte und vorbestrafte Daniell M.-D in den späten 90er Jahren V-Mann gewesen und dann wegen Unzuverlässigkeit aussortiert worden. 2010 sei er dann aber aus freien Stücken zur Polizei gegangen und habe wichtige Informationen über die Szene geliefert. Das habe auch zu Verfahren gegen Polizisten geführt, die dem Milieu zu nahe kamen oder sich bestechlich zeigten. Weil er Geld angenommen hat, wurde ein hochrangiger LKA-Beamter deshalb in der Folge auch verurteilt.

          Staatsanwaltschaft ermittelt

          Da der Zeuge wegen seiner Tipps als gefährdet galt, wurde er im Frühsommer 2010 mit Unterstützung des benachbarten Landeskriminalamts Rheinland-Pfalz zuerst nach Bad Kreuznach und dann ins Ausland gebracht. 2011 lief das Schutzprogramm für den Zeugen aus. Bisher ist er nicht nach Deutschland zurückgekehrt.

          Die Aussagen des Hells-Angels-Informanten haben auch die Staatsanwaltschaft in Frankfurt auf den Plan gerufen. Die Behörde ermittele wegen Geheimnisverrats in Reihen der Polizei, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Doris Möller-Scheu, am Freitag. Der „Frankfurter Neuen Presse“ sind ganz offensichtlich jede Menge Polizeiinterna zugespielt worden.

          Im Innenministerium ist man derzeit leicht angespannt. Am kommenden Donnerstag (21. Februar) entscheidet der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel, ob die verbotenen beiden Ortsgruppen der Frankfurter Hells Angels tatsächlich eine kriminelle Vereinigung sind. Rhein hatte das Verbot mit zahlreichen schweren Straftaten der Rocker begründet. Er legt ihnen auch zur Last, große Teile des Bordellgeschäfts in Frankfurt zu kontrollieren.

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