Home
http://www.faz.net/-gzg-76iad
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Helge Schneider Der Meisenmann als Bundeswehrpilot

Helge Schneider zeigt sich in der Frankfurter Alten Oper von seiner vielfältigen Seite. Auch improvisieren kann er noch.

© Rosenkranz, Henner Vergrößern Musikalischer Tausendsassa: Helge Schneider auf der Bühne der Alten Oper.

Da behaupte noch einer, im Laufe der Jahre habe das Improvisationstalent von Klamaukkoryphäe Helge Schneider gelitten. Respektlos und unverblümt schnodderig wie immer, baut der 57 Jahre alte Allzweckkünstler am Rosenmontag die Überraschungsmeldung des Tages in sein ausverkauftes Gastspiel in der Frankfurter Alten Oper ein. Gleich zu Beginn erzählt er, was sich zugetragen habe: „Heute morgen klingelte das Telefon: ‚Hier ist Karl.‘ Welcher Karl, frage ich? Karl Dall? ‚Nein, Karl Ratzinger. Ich hab keinen Bock mehr!‘ Ich machte mir ernsthafte Sorgen. ,Was willst du denn jetzt machen, warf ich ein? Umschulen? Und deinen VW Golf hast du auch verkauft. Jetzt stehst du ohne Auto da. Hab es dir ja gleich gesagt, lass es lieber sein mit der Stelle im Vatikan.‘“ Dass der bürgerliche Vorname von Benedikt XVI. Joseph Aloisius lautet - geschenkt.

In seinem Programm „With Love In My Fingers - Say It With Love“ serviert Helge Schneider wieder einmal kollektive Zwerchfellerschütterungen im Minutentakt. Mit spitzer Zunge hakt er Reichensteuer, Rente und Risikobanken ab. Stellt erstaunt fest, dass „Frankfurt wirklich sehr schmal geraten ist, deshalb wird hier so hoch gebaut“. Nachdem er gerade seinen Vertrag für seine WDR-Talkshow gelöst hat, unkt er hinterhältig bissig über das Fernseh-Geschäft, das nur „schönen Menschen eine Chance einräumt“. Oder er fabuliert über seine bislang unbekannten Karrierestationen wie etwa acht Jahre als Starfighter-Pilot bei der Bundeswehr.

Mehr zum Thema

Urkomische Sternstunde

Parallel glänzt Helge Schneider als virtuoser Multiinstrumentalist mit zwei Neuzugängen: Kontrabassist Ira Coleman und Schlagzeuger Willy Ketzer erinnern im Zusammenspiel mit ihrem mitunter despektierlichen Chef an das legendäre Jacques Loussier Trio, das von den späten fünfziger Jahren an mit der verjazzten Klassikreihe „Play Bach“ Akzente setzte. Mit Erroll Garners „Misty“, Thelonious Monks „I Mean You“ und Duke Ellingtons „Mood Indigo“ demonstriert Schneider seine innige Liebe zum Jazz. Konzessionen an das Publikum erfolgen mit „Der Schönheitschirurg von Banania“ und „Meisenmann“. „Katzeklo“ kündigt Schneider zwar mehrmals an, vergisst dann aber doch, den Gassenhauer zu spielen. Ein Rundumschlag durch Ludwig van Beethovens Hits kann da nur bedingt entschädigen.

Zurufe, wo denn seine langjährigen Wegbegleiter, Teekoch Bodo Oesterling und Ausdruckstänzer Sergej Gleithmann, abgeblieben seien, kontert Schneider gekonnt dreist: Oesterling sei schwanger, Gleithmann sitze eine längere Jugendhaftstrafe ab. Urkomische Sternstunde seine gesprochene wie gesungene Parodie auf seinen Kollegen Udo Lindenberg, den er im Hotel besucht. Auch Jürgen von der Lippe, Herbert Grönemeyer, Louis Armstrong und Miles Davis werden imitiert. Schneider brilliert am Flügel, am Vibraphon, an der spanischen Gitarre, auf der Trompete und an der Panflöte. Ein weiteres unbekanntes Detail legt er dann auch noch offen: War der Tausendsassa aus Mülheim an der Ruhr doch einst Fußnagelmodell von Bond-Darsteller Sean Connery.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vorwurf der Vergewaltigung Berufung gegen Freispruch von Karl Dall

Der Prozess gegen Karl Dall geht womöglich in die zweite Runde. Die Klägerin hat Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Zürich eingelegt. Das Gericht hatte Karl Dall vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Mehr

19.01.2015, 14:24 Uhr | Gesellschaft
Vergewaltigungsvorwürfe Karl Dall vor dem Prozessauftakt in Zürich

Komiker Karl Dall steht in Zürich vor Gericht: Dem 73-Jährigen wird vorgeworfen, im September eine schweizer Journalistin vergewaltigt zu haben. Der Staatsanwalt fordert zwei Jahre Haft auf Bewährung. Mehr

19.01.2015, 15:30 Uhr | Gesellschaft
Äußerungen des Papstes In der Sprache der Straße

Papst Franziskus versteckt sich nicht hinter Floskeln und Formeln. Er spricht stattdessen von Karnickeln, von geistlichem Alzheimer. Was bedeutet das für die Weltkirche? Mehr Von Daniel Deckers

21.01.2015, 10:20 Uhr | Politik
Album der Woche Caribou: Our Love

Hörprobe: Our Love Mehr

27.10.2014, 14:39 Uhr | Feuilleton
Zum Tod von Georg Lohmeier Man wird doch noch von der Monarchie träumen dürfen

Der Autor und Schauspieler Georg Lohmeier erfand das Königlich Bayerische Amtsgericht und verarbeitete andere Sehnsüchte des Freistaates. Jetzt ist er im Alter von 88 Jahren gestorben. Mehr Von Hannes Hintermeier

20.01.2015, 15:56 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 12.02.2013, 19:14 Uhr

Provinzposse um sechzig Zentimeter

Von Bernhard Biener

Der drohende Ausfall des Schwimmunterrichts im nagelneuen Oberurseler Taunabad hat alle Zutaten einer Provinzposse. Dabei ist schon die Ausgangslage keineswegs heiter. Mehr