04.07.2009 · Auch Obdachlose brauchen ein Dach über dem Kopf. Die Klasse 6b des Gagern-Gymnasiums, Frankfurt, zu Besuch in der Obdachlosenübernachtungsstätte im Frankfurter Ostpark.
Rechteckige, weiße Tische, Stühle, ein kleiner Tisch mit Spielen. Auf einer Theke ein Tablett mit Croissants, Streuselstückchen und Quarktaschen. Mehrere Erwachsene sitzen an den Tischen, trinken Kaffee, spielen Karten und unterhalten sich. Doch es handelt sich nicht um eines der schicken Szene-Cafés in der Innenstadt, sondern um das Café der Obdachlosenübernachtungsstätte im Frankfurter Ostpark.
Das Café ist der zentrale Treffpunkt der Obdachlosen: „Hier haben Wohnsitzlose die Möglichkeit, sich zu treffen, zu reden oder zu spielen“, berichtet Dieter Maus, der gemeinsam mit Paolo Miré seit einem Jahr das Café leitet. Der friedliche Eindruck täuscht nicht: „Streit kommt hier nur selten vor“, sagt Miré, „es gelingt uns wohl, mit Spielen und Gesprächen eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Das glückt natürlich nur, wenn man die Arbeit wirklich gerne macht.“ Auch Sozialarbeiterin Claudia Busch sagt, dass es schon immer ihr Traum gewesen sei, sich um Menschen zu kümmern. Viele Bewohner, die sie bei Aktivitäten wie dem gemeinsamen Bepflanzen der Anlage oder beim Malen gut kennengelernt hat, hat sie ins Herz geschlossen.
Probleme mit Eltern und Drogenkonsum als Gründe für Obdachlosigkeit
In dem Café, das dienstags und donnerstags öffnet, können sich die zurzeit 140 Wohnsitzlosen kostenlos mit Kaffee und Stückchen versorgen. Das Café ist nicht der einzige Pluspunkt der Übernachtungsstätte zwischen Ostpark und Bahndamm: Neben den vielen Containern, in denen schlichte, gepflegte Zwei- und Vierbettzimmer, Duschen und Küchen zur Verfügung stehen, befindet sich eine große Voliere mit Papageien. „Viele Wohnsitzlose haben ein Haustier, das sie auch zu uns mitbringen können“, erklärt uns Paolo. „Das ist einmalig in Frankfurt.“
Obwohl die Obdachlosenstätte nicht dem dauerhaften Aufenthalt dient, bleiben viele doch für längere Zeit. Joachim berichtet: „Ich bin jetzt schon seit acht Monaten hier, meine Freundin Sandra ist erst vor zwei Wochen gekommen. Wir versuchen nun, mit Paolos Hilfe eine Wohnung zu finden.“ Die beiden Achtzehnjährigen hatten von Freunden gehört, dass der Ostpark eine gute Anlaufstelle sei, wenn man - wie Sandra - von den Eltern rausgeschmissen wurde. Bei den Jüngeren sind oft Probleme mit der Familie der Grund für die Obdachlosigkeit.
Manchmal kommt auch Drogenkonsum hinzu: „Ich habe viel Scheiß' gebaut, auch Drogen genommen“, gibt Joachim freimütig zu. „Aber damit habe ich aufgehört.“ Für Süchtige hat die Anlage sogar einen Druckraum. Der Tagesablauf in der Übernachtungsstätte geht geregelt zu: Das Essen müssen die Bewohner selber kochen, auch die Räume in Ordnung halten. Halten sie sich nicht an die Regeln, gibt es Abmahnungen oder einen Verweis. Im Café hat sich der Teller mit den Stückchen inzwischen ziemlich geleert.