04.07.2009 · Die Architektur von „My Zeil“ fasziniert die Schüler der Klasse 6c des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums. Doch bei einer Umfrage hören sie sehr unterschiedliche Meinungen zu dem Gebäude.
Fast jeder in Frankfurt kennt „My Zeil“. Das 100 Meter breite und 20 Meter hohe Einkaufszentrum ist ein wahrer Publikumsmagnet. Das liegt zum einen an der hellen und leichten Architektur des Gebäudes, zum anderen aber auch an der riesigen Glastrompete, die laut dem Architekten Christian Knoll, der uns durch „My Zeil“ führt, einmalig ist. Herr Knoll erklärt uns, dass das Gebäude ganze sechs Jahre Planung in Anspruch genommen hat. Neben der wilden Glaslandschaft war vor allem die Umweltfreundlichkeit nicht leicht zu realisieren.
„Zum Schluss hatten wir doch noch eine tolle Idee: Wir installierten auf dem Dach Wassertanks und fangen damit das Regenwasser auf. Sollte es einmal zu einem Brand kommen, hätten wir schnell genügend Löschwasser zur Verfügung.“ Als Herr Knoll uns zum Schluss auf das Dach von „My Zeil“ führt, sind wir fasziniert: Der Blick auf Frankfurt ist einfach umwerfend.
Wilde Landschaft aus Glas
„My Zeil war hauptsächlich ein Projekt, bei dem ich über die Natur nachgedacht habe, zum Beispiel die Trompete, die sich von außen durch das Gebäude erstreckt, damit das große Einkaufszentrum den Zeilbesuchern nicht vollkommen die Sicht in den Himmel raubt“, sagt Knoll. Die Planung begann im Jahr 2003, der Baubeginn war 2006, und das Gebäude wurde drei Jahre später eröffnet. Für die Bauarbeiten sind 900 Millionen Euro und bis zu 2000 Bauarbeiter benötigt worden. Durch genaue Planung wurden viele Schwierigkeiten während der Bauarbeiten vermieden. Dem Architekten gefällt besonders die Stimmung im Gebäude und dass jetzt mehr Leute über die Architektur nachdenken. Obwohl die Architekten „My Zeil“ lieber „Fluxus“ genannt hätten, ist Knoll letztendlich glücklich mit dem Ergebnis. Er freut sich besonders, dass alle Ideen realisiert worden sind und dass das Gebäude schließlich gebaut wurde.
„Groß, teuer, stylisch“, so kommentieren die Zeilbesucher das Einkaufszentrum. Obwohl die meisten die Architektur bewundern, sind viele der Ansicht, darunter auch Mandera, 25 Jahre und Studentin, dass „My Zeil“ völlig unnötig sei und sofort wieder abgerissen werden könne. Trotzdem ist es eine neue Attraktion und lockt viele Besucher an. Besonders die Teenager finden die Offenheit des Gebäudes sehr ansprechend, wie auch die 15 Jahre alte Schülerin Anita. Jedoch sind die meisten Geschäfte Markenläden und deswegen ihrer Ansicht nach völlig überteuert.
Die meisten Geschäftsführer aus der Umgebung finden die Außenansicht von „My Zeil“ ein „architektonisches Highlight“ und „eine Bereicherung für die Stadt“. Viele meinen jedoch, dass der Markenmix schlecht sei. Fast niemand möchte seine eigenen Produkte in dem neuen Shopping-Center verkaufen, weil sie mit ihrem Standort an der Zeil zufrieden sind. Auf die Frage, ob jetzt weniger Kunden in ihre Geschäfte kommen, erhalten wir oft die Antwort: „Nein, es kommen eher mehr, weil ,My Zeil' mit dem Loch Kunden auf die Zeil lockt.“
Auch bei der Befragung der Ladeninhaber hören wir viel Gutes über die Architektur des Gebäudes. Vor allem der riesige Trichter und die wilde Landschaft aus Glas machen gute Stimmung. Die befragten Mitarbeiter teilen oftmals diese Meinung. Viele finden Spaß daran, in diesem einzigartigen Gebäude zu arbeiten. Die meisten Besucher des Gebäudes sagen „gigantisch“, „riesig“ oder auch „modern“ und „geräumig“. Trotzdem finden viele, dass „My Zeil“ überflüssig ist. Besonders ältere Leute sind nicht sehr begeistert. Auch der Name gefällt nicht jedem. Sie würden es lieber „Glaskrake“, „Fluxus“ oder „Canyon“ nennen.