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Heiko Schelberg, Geschäftsführer der 46ers : „Abstieg ist mehr als realistisch“

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Der Verzweiflung nahe: Achmadschah Zazai von Gießen 46er. Bild: imago sportfotodienst

Die Gießener scheinen gerettet zu sein, obwohl der Basketball-Profiklub den Insolvenzantrag noch nicht zurückzieht.

          Sind die 360.000 Euro zur Schließung der Liquiditätslücke zusammengekommen?

          Vorerst sind wir gerettet. Zum derzeitigen Stand haben wir rund 322.000 Euro auf unserem Treuhandkonto. Spätestens am Dienstag wird uns dann das Geld zur Verfügung stehen.

          Die fehlenden knapp 40.000 Euro sind kein Problem?

          Nein. Über diesen Betrag haben wir schriftliche Bestätigungen.

          Ist die Insolvenz damit abgewendet worden?

          Nein. Wir werden jetzt den Insolvenzantrag noch nicht zurückziehen. Denn wir müssen noch zahlreiche Gespräche mit den Gläubigern führen.

          Kann Gießen die Saison definitiv zu Ende spielen?

          Nach der Schließung der Liquiditätslücke kommt der ganz andere wichtige Teil. So befinden wir uns mit all unseren Gläubigern im Gesprächen über einen Gläubigerverzicht. Das wird ganz wichtig für uns sein. Mit Sicherheit sind wir in keiner komfortablen Zone. Die Rechnung wird nur dann aufgehen, wenn wir es schaffen, alle weiteren anfallenden Zahlungen zu reduzieren und zu begleichen und sukzessive unsere Altlasten abzubauen. Das bedeutet, dass wir weiter die Unterstützung unserer Zuschauer in den Heimspielen brauchen.

          Wie hoch sind die Forderungen der Gläubiger?

          Punkt eins sind die Verbindlichkeiten aus Lieferanten und Dienstleistern. Außerdem haben wir Darlehen, die eine gewisse Laufzeit haben. Auch die Gespräche mit der Stadt Gießen werden wir vertiefen. Wir werden jeden einzelnen Euro umdrehen - auch um die Weichen für einen sehr positiven Start in der Pro A-Division der zweiten Liga zu stellen.

          Sportlich ist der Abstieg also nicht mehr zu vermeiden?

          Uns sind am Donnerstag noch einmal zwei Punkte von der Basketball-Bundesliga abgezogen worden. Eingedenk unserer Spielerabgänge konzentrieren wir uns auf die Pro A. Das ist mehr als realistisch.

          Hat Sie der abermalige Punktabzug - jetzt sind es insgesamt sechs - geärgert?

          Nein, dafür haben wir Verständnis.

          Wie vermeidet die Gießener Mannschaft in den kommenden Wochen eine Wettbewerbsverzerrung?

          Wir haben uns in jedem Spiel sehr teuer verkauft. Und auch in Zukunft wird jeder Punkt für uns wichtig sein.

          Wird Gießen nach dieser Saison für viele Jahre aus der Bundesliga verschwinden?

          Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns. Wir brauchen Zeit, um hier wieder alles auf solide Beine zu stellen. Wie lange das dauert, hängt auch von der finanziellen Entwicklung ab.

          Stehen Sie als Geschäftsführer weiter zur Verfügung?

          Wir möchten uns strukturell anders aufstellen. Wir brauchen mit Sicherheit auch einen Geschäftsführer für das Thema Finanzen. Jemanden, der mir zuarbeitet. Es hat nicht ein einziger daran geglaubt, dass wir die 360.000 Euro zusammenbekommen. Gehen Sie davon aus, dass ich an Bord bleibe.

          Haben die 46ers einen Imageverlust erlitten?

          Wir sind in der Außendarstellung noch etwas bunter geworden. Solche bunten Farbkleckse im Positiven wie im Negativen stehen jeder Liga sehr gut zu Gesicht.

          Die Fragen stellte Jörg Daniels.

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