Der Herr Pfarrer hat seine Gewohnheiten und Alma Koxha kennt sie. Auf dem Tisch muss immer eine Kerze stehen und freitags gibt es kein Fleisch. So ist es nun schon seit sechs Jahren. So lange arbeitet Koxha als Hauswirtschafterin in dem Pfarrhaus in Alsfeld. Der Pfarrer hat sieben Gemeinden zu betreuen, da hat er keine Zeit für den Haushalt. Koxha stieg einst als „Dame für alles“ ein, als Haushaltshilfe. Nun, da sie die Fortbildung beim Hessischen Landfrauenverband gemacht hat, kann sie sich offiziell Hauswirtschafterin nennen.
Dabei war Koxha zu Anfang skeptisch, wie so viele Teilnehmerinnen. Denn Wäsche waschen, ein Mittagessen kochen und den Schrank abstauben konnte sie auch vorher schon, schließlich hatte sie einen eigenen Haushalt und zwei Kinder. Dennoch war es ihr wichtig, eine Ausbildung vorweisen zu können. Und der Pfarrer fand das auch gut. Drei Jahre dauert die Ausbildung zur Hauswirtschafterin, sie kann bei entsprechendem Schulabschluss wie andere Ausbildungen verkürzt werden. Beim Hessischen Landfrauenverband hat man sich entschieden, die Ausbildung berufsbegleitend anzubieten, denn die wenigsten Teilnehmer sind Berufsanfänger. Viele wollten nach der Familienphase wieder arbeiten gehen, sagt Hildegard Schuster vom Landfrauenverband. Sie hätten festgestellt, dass ihnen häusliche Tätigkeiten Spaß machten. Und es besteht die Chance, eine Anstellung in der Nähe zu finden. Andere Organisationen, zum Beispiel der Hausfrauenverband oder kirchliche Träger, bieten eine kompaktere und damit kürzere Ausbildung an. Gerade im Großraum Frankfurt würden Hauswirtschafterinnen gesucht. Schuster bekomme pro Woche mehrere Anfragen von Kindergärten, Pflegeheimen oder landwirtschaftlichen Betrieben. Denn Hauswirtschafterinnen können in vielen Branchen beschäftigt werden. Wo Kitas gebaut werden und die Menschen immer älter werden, gibt es eine Zukunft für die Hauswirtschaft, glaubt Schuster. Sie kann längst nicht jede Anfrage vermitteln, weil es zu wenige Frauen mit Abschluss gibt. Umso bedauerlicher, dass die Männer der Ausbildung bislang fern bleiben.
Frauen zwischen 26 und 62
Auch in Koxhas Klasse sitzen nur Frauen. Einmal im Monat trifft sie sich an einem Freitag und einem Samstag mit 23 anderen Teilnehmerinnen. Die jüngste ist 26 Jahre, die älteste 62 Jahre alt. Sie alle haben eine Geschichte, die sie hierher führte. Einige arbeiten schon seit Jahren als Alltagsbegleiter und hoffen auf ein bisschen mehr Geld durch die Zusatzqualifikation. Koxha kam vor 18 Jahren aus Albanien nach Nordhessen. In ihrem Heimatland arbeitete sie als Sekretärin, hier kämpfte sie mit Vokalen und der Grammatik. Als sie ihre Kindern beim örtlichen Pfarrer taufen ließ, fragte der sie, ob sie nicht bei ihm im Haus den Haushalt schmeißen wolle.
Koxha wollte und unterhielt sich fortan fast jeden Tag mit der Mutter des Pfarrers, die Vokale und die Grammatik schienen nun nicht mehr ganz so schwierig. Später pflegte Koxha die Pfarrersmutter, inzwischen fast 100 Jahre alt und blind, auch noch. „Bei diesem Beruf kommen immer wieder neue Aufgaben auf einen zu“, sagt Koxha. Schuster weiß, dass in den Kursen zur Hauswirtschafterin häufig Frauen aus dem Ausland sitzen. Sie hätten zwar oft einen Beruf gelernt, der werde in Deutschland aber nicht anerkannt. Andere Frauen rutschten rein - auch weil die Ausbildung nicht viel kostet. 1000 Euro fallen an, das Land Hessen gibt oft die Hälfte dazu.
Es sei ein Beruf mit Zukunft
Auch Heike Wilhelm zieht nach anderthalb Jahren ein positives Fazit. Sie war arbeitslos geworden, nachdem sie 20 Jahre in der Zahnarztpraxis ihres Mannes mitgearbeitet hatte. Sie machte eine Ausbildung zur Alltagsbegleiterin, parallel die zur Hauswirtschafterin. In der Fortbildung der Landfrauen lernte sie ganz praktische Dinge, wie das Backen eines Hefekuchens, aber erfuhr auch viel über Ernährung und Krankheiten. Ziel der Ausbildung ist es, einen Haushalt organisieren zu können. Am Ende müssen alle Frauen eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer ablegen.
Es sei ein Beruf mit Zukunft, das sagen alle Teilnehmerinnen. Aber auch einer mit Imageproblem. Die Arbeitsagenturen könnten ihrer Meinung nach häufiger auf den Beruf hinweisen. Und ihr dringendster Wunsch: Kinder sollten an hauswirtschaftliche Tätigkeiten wieder Spaß finden, etwa durch die Einführung des Fachs Alltagkompetenzen.Am Ende braucht man aber auch ein Händchen dafür. An der Tür des Pfarrhauses klingeln oft Menschen, manche wollen reden, andere suchen eine warme Tasse Tee. Wenn der Pfarrer nicht da ist, muss Koxha helfen. Das mache ihr Freude. „Das muss es auch. Sonst macht es keinen Sinn, in diese Arbeit zu gehen.“