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Hauptstadtflughafen : Mietausfälle in Millionenhöhe

Warteposition: Das Airport Center (vorne) ist fertig, der Flughafen nicht. Bild: Fay/G. Wicker

Die abermals verschobene Eröffnung des Berliner Flughafens hat auch für Unternehmen aus der Rhein-Main-Region negative wirtschaftliche Folgen.

           Die abermals verschobene Eröffnung des Berliner Flughafens hat auch für Unternehmen aus der Rhein-Main-Region negative wirtschaftliche Folgen. Zwei hiesigen Projektentwicklern ist durch die Verzögerung ein Schaden in Millionenhöhe entstanden.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Von den drei großen Investoren, die direkt am Flughafen Berlin-Brandenburg Immobilien errichtet haben, stammen zwei aus Südhessen: Das Frankfurter Unternehmen Fay Projects hat direkt vor dem Terminal das Bürogebäude Airport Office Center gebaut. Von der DietzAG aus Bensheim stammt das zentrale Luftfrachtzentrum. Als dritter privater Bauherr auf dem Flughafengelände erstellt das Hamburger Unternehmen ECE ein Steigenberger Airport Hotel. Außerdem entwickelt die Frankfurter OFB in der Nähe des Flughafens das Gewerbegebiet Gatelands und baut derzeit ein Hotel.

          Nicht existenzbedrohend

          Sowohl das Bürogebäude als auch das Luftfrachtzentrum sind längst fertig, aber nur zum Teil bezogen, weil die Eröffnung des Flughafens immer noch auf sich warten lässt. Andreas-Norbert Fay, Beiratsvorsitzender der Fay Projects GmbH, zufolge steht das zum vereinbarten Termin errichtete Gebäude, das zu 86 Prozent unter anderem an Fluggesellschaften wie Condor und Lufthansa vermietet ist, zur Hälfte leer. Trotz gültiger Mietverträge seien bisher nur 9500 der 18000 Quadratmeter bezogen. Nach den Worten von Wolfgang Dietz, Vorstandsvorsitzender der DietzAG, ist das Luftfrachtzentrum nur zu einem Fünftel ausgelastet. Beide Unternehmer fordern vom Flughafenbetreiber Schadenersatz. Dietz kündigt sogar eine Klage an.

          Zwar ist die Situation für keinen der beiden Projektentwickler existenzbedrohend. Sie erheben aber schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen. Fay, der in Frankfurt unter anderem die Villa Kennedy zum Luxushotel umgebaut hat, fordert endlich Planungssicherheit: „Wir müssen dringend wissen, wann der Flughafen eröffnet wird, sonst rechnen wir mit drei Unbekannten“, sagt er. Weil der Flughafen, von außen betrachtet, schon fertig wirkt, frage er sich mitunter, „ob da ein potemkinsches Dorf gebaut wurde“.

          Bei anderen Großprojekten ist es ähnlich

          Dietz spricht von einem „Armutszeugnis für unser Land“ und wirft der Flughafengesellschaft ein dilettantisches Projektmanagement vor. „Man kann das Ganze nur noch mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen und mit Verwunderung, dass die Verantwortlichen immer noch auf ihren Stühlen sitzen“, sagt der Projektentwickler, der in Frankfurt unter anderem ein Bürohochhaus neben dem Opernturm saniert und erweitert hat.

          Auch andere Großprojekte haben mit Nachträgen oder Verzögerungen zu kämpfen: Die Kosten für die Elbphilharmonie in Hamburg haben sich in den vergangenen Jahren versiebenfacht, der Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt wird fast doppelt so teuer wie angekündigt. „Es sind immer die Großverfahren der öffentlichen Hand, die im Desaster enden“, meint Dietz. Den Frankfurter Horst Amann, der am Frankfurter Flughafen für den Bau der neuen Landebahn verantwortlich war und der nach den ersten Pannen als „Retter in der Not“ nach Berlin gerufen und dort als Technik-Chef des neuen Flughafens verpflichtet wurde, nimmt er gegen Kritik in Schutz: „Er ist nicht zu beneiden, das Kind liegt schon im Brunnen. Die Fehler wurden vorher gemacht. Der Erfolg entscheidet sich in einer soliden Bauvorbereitung.“ Fay sieht das Vergabeverfahren der öffentlichen Hand als großes Manko: „Es wird versucht, zu möglichst geringen Kosten ein qualitativ sehr anspruchsvolles Vorhaben zu realisieren.“ Das passe nicht zusammen.

          Anderswo wäre der Flughafen längst eröffnet

          Viele öffentliche Großvorhaben hätten von Anfang an einen unrealistischen Rahmen, meint der Sprecher der Hessischen Architektenkammer, Christof Bodenbach. „Sowohl bei den Kosten als auch bei der Bauzeit gibt es eine weitverbreitete Neigung, etwas zu schönen.“ Oft arbeiteten Architekten und Projektsteuerer auch nicht zusammen, sondern nur nebeneinanderher. Hinzu kämen die sehr komplexen Prüf- und Genehmigungsverfahren hierzulande: „Kontrolle ist gut, aber das macht das Bauen in Deutschland auch sehr aufwendig und teuer.“

          Fay glaubt, dass der Flughafen anderswo längst eröffnet worden wäre: „In anderen Ländern hätte es ein nationales Interesse an der Eröffnung gegeben.“

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