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Hattersheim unter dem Rettungsschirm Die ersten Leistungsträger kündigen schon

Hattersheim ist erst wenige Tage unter dem kommunalen Rettungsschirm des Landes. Und schon bekommt es erste Folgen zu spüren.

© Kaufhold, Marcus Vergrößern Gute Nachrichten: Der Verkauf des Stadthallen-Areals soll bis spätestens 2014 abgeschlossen sein.

Die Tinte auf dem Papier ist kaum getrocknet. Hattersheim schlüpft als eine der ersten hessischen Städte unter den kommunalen Schutzschirm des Landes, und schon zeichnen sich Folgen ab. Es gibt positive wie der mögliche Verkauf des Stadthallenareals, aber auch unerfreuliche für die Verwaltung. Die Vereinbarung mit dem Land - ein ausgeglichener Haushalt bis spätestens 2016 - verlangt gerade den Bediensteten im Rathaus Opfer ab.

Heike Lattka Folgen:    

Zum Jahresende habe schon eine Leistungsträgerin aus der Stadtbücherei gekündigt, berichtet Bürgermeisterin Antje Köster (SPD). Weitere Mitarbeiter der Verwaltung seien auf dem Sprung. Das Sparpaket bedeute Einschnitte für Bürgern, Mitarbeiter und Kommunalpolitiker. 700000 Euro soll die Bürgermeisterin allein aus dem Personaletat kürzen. Damit müssten zwölf bis 15 Arbeitsplätze abgebaut werden, die Rathauschefin spricht bisher nicht von „betriebsbedingten Kündigungen“. Auf zwei Personalversammlungen hat sie die städtischen Mitarbeiter über die Stellenstreichung informiert. Dies sei ein bitterer Gang gewesen. Sie stehe mit den Bürgermeisterkollegen aus den Nachbarstädten in Kontakt, versuche Bedienstete dort unterzubringen. Leider könne Hattersheim gerade jungen Menschen kein Angebot mehr machen. Die Stadt falle als Ausbildungsbetrieb zunächst aus, sagt Köster.

Verhandlungen mit Investoren geben Hoffnung

Es gibt aber auch Hoffnung. Viel besser als erwartet laufen offenbar die Verhandlungen mit Investoren über den Verkauf des Stadthallenareals, zu dem auch Jugendhaus und Parkplätze gehören. Da die Sanierung der Stadthalle auf sieben Millionen Euro geschätzt wurde und die „gute Stube der Stadt“ mit 420000 Euro jährlich die Stadtkasse belastet, soll ein Verkauf so schnell wie möglich getätigt werden. Das Gelände habe auf der Immobilienmesse Expo Real durchaus Interesse geweckt. 77 Kontakte gab es laut Köster. „Und da wurden nicht nur Visitenkarten ausgetauscht.“ Für Investoren sei das Areal interessant, da es großzügig geschnitten sei. Es böte Platz für ein kleines Kongresszentrum oder ein Hotel mit Versammlungssaal. Ein größerer Veranstaltungsraum solle aber in der Stadtmitte vorhanden bleiben, wünscht sich die Politikerin. Das Jugendhaus soll durch kleinere Räume ersetzt werden, die sich stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Jugendlichen orientierten. Ein wenig Zeitdruck bei der Investorensuche gibt es schon: Bis 2014 soll das Thema defizitäre Stadthalle erledigt sein.

Bei den Gewerbegebieten zeichne sich ebenso eine wachsende Nachfrage ab, sagt Köster. Erschließungsarbeiten für das Areal südlich der Voltastraße würden 2013 zügig vorangetrieben. Schon sehr konkret seien die Gespräche mit einem Unternehmen, das sich im Kastengrund auf dem Gelände der ehemaligen Tierversuchsanstalt ansiedeln wolle.

Eine rundherum positive Meldung

Im Schulterschluss mit den Betreibern von Schwimmbädern in Bad Soden und Kriftel steht Köster bei der Sicherung des Freibads, das als einzige hochdefizitäre städtische Freizeiteinrichtung nach einem einstimmigen Stadtverordnetenbeschluss offen bleiben soll. Gerade stimmten Kriftel und Hattersheim einen Preisaufschlag um 15 Prozent für Einzelkarten und 30 Prozent für Saisonkarten ab. Es werde im Hattersheimer Freibad künftig Werbetafeln geben, ein sponsere das Bad mit einer Eintrittspauschale für Mitarbeiter in Höhe von 7500 Euro, und der neue Förderverein setzte sich für eine Verbesserung des Betriebsergebnisses ein. Allerdings werde das Sparziel von 80000 Euro wohl nicht ohne Einschnitte im Service- und Badebetrieb zu erreichen sein.

Eine rundherum positive Meldung gibt es auch. Der Kindergarten im neuen Schokoladenquartier, der rund 1,5 Millionen kostete, wird 2013 gebaut.

Auf dem harten Weg zur Entschuldung nimmt Hattersheim nicht nur die Bürger, sondern mehr und mehr auch die Nachbarn in die Pflicht. Ein kleines Beispiel hierfür ist die Okrifteler Fähre, die im Sommer den Hattersheimer Stadtteil mit Kelsterbach verbindet. Der Betrieb macht jährlich einen Zuschuss von 10000 Euro nötig, der jetzt dem Sparzwang zum Opfer fallen müsste. Der Kelsterbacher Amtskollege Manfred Ockel (SPD) wolle aber nicht auf die direkte Verbindung zum Naherholungsziel Regionalpark verzichten - deswegen werde seine Stadt den Fährbetrieb künftig aufrecht erhalten. Bislang hatte Hattersheim die Fähre finanziell „alleine geschultert“, so Köster.

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Quelle: F.A.Z.

 
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