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Handwerk Lohfeldener Schuhmacher arbeitet mit 78 Jahren immer noch

 ·  Schuhmachermeister Helmut Allmeroth aus dem nordhessischen Lohfelden ist 78 Jahre alt und arbeitet immer noch. Nicht weil er muss, sondern weil er kann. Und er hat noch ein Ziel.

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Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein in einer Garage im nordhessischen Lohfelden bei Kassel. Nein, kein Oldtimer, sondern eine Schuhmacherwerkstatt ist hier seit fast 44 Jahren zu Hause. Und genauso lange arbeitet Helmut Allmeroth schon hier. Er ist 78 Jahre alt und steht halbtags immer noch im Laden. Bald feiert er sein 49-jähriges Meisterjubiläum. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht. „Die Leute beten, dass ich noch ganz alt werde“, erzählt Allmeroth.

„Es ist doch toll, wenn einer so lange arbeiten will. Jeder kann so lange in seinem Handwerk tätig sein, wie er Spaß und Freude daran hat“, sagt Barbara Scholz von der Handwerkskammer Kassel. Das Schuhmacherhandwerk gebe es zwar immer seltener, es sei aber nicht „vom Aussterben bedroht“, betont sie.

Dennoch gehört Allmeroth zu einer wohl aussterbenden Gattung. Denn um erfolgreich zu sein, sei es sinnvoll, sich als Schuhmacher zu spezialisieren, zum Beispiel auf Maßanfertigungen oder das Reparieren hochwertiger Schuhe, sagt Dirk Kornau vom Hessischen Handwerkstag. Billige, minderwertige Schuhe würden meist nach einiger Zeit weggeschmissen, hochwertige dagegen neu besohlt.

In Hessen ist die Zahl der Schumacher in den vergangenen zehn Jahren von 305 auf 207 gesunken. „Eine Lösung ist das Besetzen von Nischen“, betont Kornau. Allmeroth sagt: „Ein Nachfolger müsste mir für die Maschinen keinen Pfennig geben. Wenn er gut ist, kann er hier existieren.“

Qualität und Zufriedenheit zählen

Werkstatt und Verkaufsraum sind kaum größer als 25 Quadratmeter. Der Raum war 1968 als Garage gedacht, ehe Allmeroth mit seinem Schuhservice einzog - und blieb. „Damals habe ich 79 D-Mark Miete gezahlt, heute sind es 136 Euro. Bei einer Mieterhöhung höre ich auf.“ In den 44 Jahren hat er fast ein Dutzend Kollegen aus der Umgebung als Schuhmacher überlebt.

Seine Werkstatt: ein Regal mit Sohlen, ein paar Schuhe auch, im hinteren Teil große, schwere Geräte zum Besohlen, Weiten oder Nähen. In einem Regal stehen gebrauchte, aber noch fast neuwertige Schuhe. „Ich nehme fünf Euro für ein Paar, aber die Kunden schauen nicht einmal danach.“ Ein Kunde bringt ein paar alte Sandalen. „Zeitiger bringen, dann ist das einfacher zu machen“, sagt Allmeroth zu dem Mann. Reparieren wird er sie trotzdem.

„Ich mache nur, was machbar ist“

Wie viele Handwerker nach ihrer Rente noch regelmäßig arbeiten, kann die Handwerkskammer Kassel nicht sagen. Die Gründe dafür sind jedoch unterschiedlich: Sei es ein fehlender Nachfolger, oder aber die Betriebsinhaber haben den Anspruch, ihre Kunden versorgen zu wollen. „Sicherlich gibt es auch den ein oder anderen Betrieb, der zu wenig Rücklagen gebildet hat, um sorglos in den Ruhestand zu gehen“, hieß es weiter.

Letzteres trifft auf Allmeroth nicht zu. „Ich müsste nicht mehr arbeiten, aber ich mache meinen Beruf gern. Ich bleibe jung, habe Kommunikation und eine Aufgabe.“ Und was führt die Kunden immer wieder zu ihm? „Qualität und Zufriedenheit. Es gibt ein Paar, das schickt Schuhe aus Essen her, damit ich sie repariere“, erzählt Allmeroth.

Er will die 92 noch überholen

Ein Mann betritt den Laden. „Ganz ehrlich: Lohnt sich das noch? Ich ziehe die so furchtbar gerne an“, sagt er zu dem Schuhmachermeister. Es sei das gute und ehrliche Verhältnis zu den Kunden, aus dem über Jahre Vertrauen entstanden sei, betont Allmeroth. „Ich mache nur, was machbar ist.“ So wie in diesem Fall: Der Kunde bekommt für 25 Euro neue Sohlen und ist glücklich.

Auch außerhalb seines Berufs ist Allmeroth noch aktiv. Bis vor kurzem war er noch passionierter Mountainbiker. „Jetzt habe ich mir ein Elektrofahrrad angeschafft.“ Und wie lange will er noch arbeiten? „Ich hab mal von einem Schuhmacher aus Erfurt gelesen, der hat bis 92 gearbeitet. Den will ich überholen“, sagt er lachend.

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