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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Handball Mit links ein Mann der Mitte

 ·  Spitzenverein statt Mittelmaß, Flensburg statt Großwallstadt: Steffen Weinhold macht mit seltenen Stärken den nächsten Schritt in seiner Handballkarriere.

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Es gibt selten Spielerwechsel im Handball, zu denen dem Verein schon gratuliert wird, bevor der Neue den ersten Ball auch nur angefasst hat. Steffen Weinhold ist so ein Fall. Nach Abschluss der Saison steht jetzt sein Wechsel zur SG Flensburg an. Die Manager Holger Kaiser und Dierk Schmäschke hatten sich vor Anrufen und SMS kaum retten können, als im März bekannt wurde, dass sie den Spieler des TV Großwallstadt von Mainfranken an die Förde locken konnten. Der Tenor der Fachleute war einhellig: Das wird ein Volltreffer.

Weinhold ist ein intelligenter, eher ruhiger Typ, der in der Szene einen exzellenten Ruf genießt. Mit 25 Jahren im besten Handballeralter, ist er sportlich Schritt für Schritt vorwärtsgekommen und nun bei einem Spitzenklub unter Vertrag - die SG Flensburg spielt in der nächsten Saison als Tabellenzweiter in der Champions League, holte in der abgelaufenen Spielzeit den Europapokal der Pokalsieger und erreichte das Pokalfinale. Mit dem TVG belegte Weinhold Platz zwölf - hier gehörte er zu den auffälligsten hessischen Handballprofis.

Auch FrischAuf Göppingen hatte geboten

Die Besonderheit, die den gebürtigen Fürther ausmacht: Er gehört zu einer weltweit raren Spezies - er kann als Linkshänder Regie führen. Die Rolle des Spielmachers ist von Rechtshändern dominiert. Flensburg plant Steffen Weinhold als Allrounder ein, als Mittelmann und als Spieler hinter dem gesetzten Halbrechten, Holger Glandorf. Zum Paket Weinhold gehört aus Flensburger Sicht noch ein weiterer entscheidender Punkt: der finanzielle. Weil sein Vertrag beim TVG auslief, kam Weinhold ablösefrei und ohne Handgeld, wie es aus seinem Umfeld heißt. Auch bei der SG muss nämlich gespart werden.

Auch FrischAuf Göppingen hatte um den Nationalspieler geboten. Dass Weinholds Entscheidung auf Flensburg fiel, mag auch an der Handballbegeisterung an der dänischen Grenze liegen. Die kannte Weinhold schon aus den Auswärtsspielen in Flensburg und erlebte sie aufs Neue, als er mit der Nationalmannschaft Anfang April im Test gegen Dänemark in der prall gefüllten Campushalle auflief.

Ein heimatverbundener Mensch

Als Spielmacher überzeugte Weinhold auch Bundestrainer Martin Heuberger, der bei den Qualifikationsspielen zur Weltmeisterschaft in Spanien 2013 auf ihn setzt, wenn der Gegner der DHB-Auswahl an diesem und dem nächsten Wochenende Bosnien-Hercegovina heißt. „Steffen als Spielmacher ist für uns keine Notlösung, sondern eine gute Möglichkeit“, sagt Heuberger. Der gesetzte Regisseur Michael Haaß fehlt wegen Verletzung, und der Hamburger Michael Kraus hat abermals eine enttäuschende Spielzeit gezeigt. Weinhold führt Regie mit links, doch will er sich darauf nicht festlegen lassen: „Ich bin offen für die Mitte. Aber ich bin ein flexibler Spielertyp, und ich sehe mich wie einen Rechtshänder, der Mitte spielt.“ Das soll heißen: Bloß keine Sonderrechte für mich, nur weil ich das Spiel mit der „falschen“ Hand anleite. Für die gegnerische Abwehr hingegen ist das Angriffsspiel viel schwerer auszurechnen, wenn dort ein Linkshänder die Spielzüge bestimmt.

Erlangen, Nordhorn, Großwallstadt, und nun Flensburg: Weinhold ist ein heimatverbundener Mensch, dem es im Grunde ganz gut passte, die Serie 2011/2012 noch in Mainfranken zu bestreiten. Eigentlich hatte er schon vor einem Jahr wechseln wollen und sollen - auch, um dem chronisch klammen TVG eine saftige Ablöse einzuspielen. Doch es fand sich niemand, der zahlen wollte. Weinhold blieb und konnte oft ins nahe Frankenland fahren, um sein Studium des Internationalen Managements an der Fachhochschule Ansbach fortzusetzen, das er voraussichtlich in diesem Sommer mit dem Bachelor abschließen wird. Dann steht der Umzug in den hohen Norden an. „Ich werde wahrscheinlich erst Silvester das nächste Mal daheim sein“, sagt er. Doch einen Berufssportler darf Heimweh nicht kümmern: „Ich kann nur ein paar Jahre Profi sein. Die Zeit muss ich nutzen.“ So sehen es auch die Kenner der Szene.

Der dritte Stammspieler, der geht

Weinhold hatte lange den Ruf eines Stillen im Lande, der den Sprung zu einem Top-Team nicht wagte. Bis in die Drittklassigkeit begleitete er einst den HC Erlangen, ehe er 2007 nach Nordhorn ging und dort den Durchbruch schaffte, weil die HSG vor der Pleite stand, Holger Glandorf nach Lemgo verkaufte und plötzlich Platz auf dem Parkett für Weinhold war. Doch die Insolvenz der Grafschafter war unausweichlich, und Weinhold fand beim TVG von 2009 an eine sportliche Heimat.

Neben Stefan Kneer, der nach Magdeburg geht, und Jens Tiedtke, der sich Wetzlar anschließt, ist Weinhold der dritte Stammspieler, der die Großwallstädter verlässt. Das sind schwere Schläge für die Mainfranken - für Steffen Weinhold ist es aber womöglich der entscheidende Schritt zum Stammregisseur der Nationalmannschaft: Mit Weinhold, Glandorf und Lars Kaufmann kann sich der DHB-Rückraum in Flensburg bald en bloc einspielen - das sind Perspektiven, die der TVG natürlich nicht bieten kann.

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