Auf dem Hanauer Marktplatz soll im Frühjahr des nächsten Jahres das große Aufräumen beginnen. Mit einem nahezu einstimmigen Beschluss brachten die Stadtverordneten am Montagabend den auf rund 9,5Millionen Euro veranschlagten Umbau des zentralen Platzes auf den Weg.
Ursprünglich zählte die Marktplatzumgestaltung zu den Aufgaben, die der Siegerinvestor des „Wettbewerblichen Dialogs“ zum Stadtumbau übernehmen sollte. Das Interesse der HBB (Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft) konzentriert sich inzwischen aber auf den Freiheitsplatz. Außerdem stießen die von der HBB vorgelegten Pläne für den Marktplatz nicht auf Zustimmung der Stadt. Diese will in eigener Regie die Planung des Hanauer Architekten Ulrich Wagner verwirklichen. Ihre Schwerpunkte sind der Bau eines fast acht Meter hohen Gebäudekomplexes an der Ostseite direkt gegenüber der Kaufhof-Filiale sowie die Modernisierung der Tiefgarage unter dem Marktplatz. Die gesamte Möblierung des Platzes, darunter vier Pavillons aus den achtziger Jahren, Bänke, Tiefgaragenaufgänge und die Bushaltestellen, sollen entfernt werden. Nur das Gebäude des Café Central auf der Westseite des Platzes soll bleiben. Es bekommt ein neues Dach und neue Anbauten. Außerdem wird das Nationaldenkmal der Brüder Grimm vor dem historischen Neustädter Rathaus unverrückt auf seinem Platz ausharren.
Kein verlorenes Geld
Vieles habe sich in den vergangenen Jahrzehnten auf dem Marktplatz angesammelt, das nicht mehr zeitgemäß sei, sagte Stadtrat Axel Weiss-Thiel (SPD). Es sei höchste Zeit, den Platz aufzuräumen. Kritik an dem Neubau, der mit viel Glas gestaltet werden und Platz für einen Gastronomiebetrieb mit rund 400Quadratmetern bieten soll, wies Weiss-Thiel zurück. Eine Stadt sei kein Architekturmuseum. Daher sei es nicht notwendig, dass die denkmalgeschützte Fassade des Kaufhofs als Dokument der Nachkriegsarchitektur aus der Ferne betrachtet werden könne. Auch mit dem Neubau sei der Blick auf die Fassade in ausreichender Form möglich. Mit der geplanten Sanierung der Tiefgarage gehe die Stadt ein lange Zeit brennendes Problem an. Die Stellplätze dort seien viel zu eng, künftig werde es unter dem Marktplatz zeitgemäße Parkflächen geben.
Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) stellte die Verbindung her zu der begonnenen Neubebauung des Freiheitsplatzes, des zweiten großen Platzes der Innenstadt. Der Marktplatz als zentrale Drehscheibe der City dürfe von der Entwicklung nicht abgehängt werden. Der Kaufhof-Konzern habe im vergangenen Jahr seine Filiale nur deshalb aufwendig modernisiert, weil die Stadt die Aufwertung des Marktplatzes in Aussicht gestellt habe.
Die Investition in Höhe von 9,5 Millionen Euro sei kein verlorenes Geld. Zum einen werde die modernisierte Tiefgarage Einnahmen einbringen. Die neuen Gebäude würden gewinnbringend vermietet. Außerdem locke die weitere Attraktivitätssteigerung neue Bürger sowie Betriebe nach Hanau und damit Steuerzahler. Deshalb sei der Stadtumbau ein wichtiger Bestandteil der Haushaltskonsolidierung.