Die Ärztestreiks in Hessen haben eine erste Kündigung provoziert. Der Sprecher des Klinikums Hanau, Hans-Jörg Vogler, wurde von der Stadt fristlos entlassen. Vogler sei am Mittwoch die Kündigung zugestellt worden, teilte das Büro von Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) am Donnerstag mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte.
Vogler wird vorgeworfen, mit Klinikdezernent Rolf Frodl (CDU) ohne Wissen des Oberbürgermeisters Tarifgespräche mit der Ärztegewerkschaft Marburger Bund angestrebt zu haben. Für ein mögliches Scheitern habe er das Stadtoberhaupt verantwortlich machen wollen. Seit fast sieben Wochen streiken Ärzte an Stadt- und Kreiskrankenhäusern für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen, immer mehr Kliniken suchen inzwischen nach Einzellösungen. Am Donnerstag waren laut Marburger Bund gut 500 Mediziner von zehn Kliniken im Land im Ausstand.
Vertrauensverhältnis endgültig zerrüttet
Die Stadt teilte Vogler mit, sie sehe sich „nicht in der Lage, die Zusammenarbeit fortzusetzen, da das Vertrauensverhältnis endgültig zerrüttet ist“. Der Journalist Vogler, der den Posten als Kliniksprecher erst Mitte Juni übernommen hatte, sagte der dpa: „Ich bin mir nicht bewußt, daß ich irgendetwas verlautet hätte, was für das Klinikum oder die Stadt nachteilig gewesen wäre.“ Es habe jedoch „private Korrespondenz“ mit Frodl über einen Runden Tisch mit dem Marburger Bund gegeben. Dabei sei auch der Gedanke geäußert worden, „wenn sich die Dinge nicht bewegen, hat der OB den Schwarzen Peter“.
Vogler kündigte Widerspruch gegen seine Entlassung an. Klinikdezernent Frodl wollte den Vorgang auf Anfrage nicht kommentieren: „Ich will erst mit dem OB ein Gespräch führen, um die Sache aufzuklären.“
Wiederaufnahme der Tarifgespräche
In den verfahrenen Tarifstreit an den Stadt- und Kreiskrankenhäusern ist derweil wieder Bewegung gekommen. Am nächsten Montag wollen die Ärztegewerkschaft Marburger Bund und die kommunalen Arbeitgeber nach wochenlangen Streiks ihre Verhandlungen über einen speziellen Tarifvertrag für die rund 70.000 Mediziner in Düsseldorf wieder aufnehmen.