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Hanau : Auf dem Weg zur Großstadt

Nach der Umgestaltung zum attraktiven Wohngebiet: Blick auf das ehemalige Kasernengelände Argonnerpark in Hanau Großauheim. Bild: Rainer Wohlfahrt

Entgegen der Erwartungen steigen die Einwohnerzahlen Hanaus. Bei aller Freude darüber, liegt die Schwierigkeit darin, günstigen Wohnraum zu erschließen. Der geplante Ausbau des Pioneer-Areals stellt die Stadt jedoch vor besondere Herausforderungen.

          Hanau wächst, und das gewaltig. Vor ein paar Jahren hatte man sich im Rathaus noch den Kopf darüber zerbrochen, wie der Abwärtstrend bei den Einwohnerzahlen gestoppt werden könnte. Doch die Hanauer sterben nicht aus, sie werden immer mehr. Seit 2010 wuchs ihre Zahl von 87.000 auf 98.000 an. Angesichts der Pläne, auf dem Gelände der Pioneer-Kaserne im Stadtteil Wolfgang Wohnraum für bis zu 5.000 Menschen zu schaffen, erscheinen die 2.000 Neubürger, die noch für die Ernennung zur Großstadt fehlen, ein Klacks zu sein.

          Die Ankündigung aus dem Rathaus, die Zahl der geplanten Wohneinheiten auf dem Pioneer-Areal quasi zu verdoppeln, hat in Hanau allerdings manche den Atem stocken lassen. Doch vorausgesetzt, die städtische Annahme trifft zu, dass das weitläufige Gelände eine solche Verdichtung mühelos zulässt, dann ist es ein sinnvoller Schritt. Hanau wird bei Wohnbau-Investoren zunehmend attraktiver, gleichzeitig ertönt laut der Ruf nach mehr günstigen Wohnungen. Auf rund 3.000 beziffert der lokale Mieterbund den zusätzlichen Bedarf an preiswertem Wohnraum.

          Auch die Wohnungsknappheit im Ballungsraum und die Aussicht auf eine schnelle Verbindung zwischen Hanau und Frankfurt durch die nordmainische S-Bahn erklären das wachsende Interesse am Wohnstandort Hanau. Da ist es vollkommen richtig, wenn die Stadt vorhandene Kapazitäten ausschöpft.

          Das Pioneer-Areal gilt als harter Brocken

          Ein wenig zu idyllisch klingen aber die Presseverlautbarungen der Stadt und des mit der Gestaltung des Pioneer-Areals betrauten Büros Albert Speer und Partner. Es hatte schon seinen Grund, dass sich die Stadt die Pioneer-Kaserne als letztes großes Konversionsprojekt aufsparte. Denn sie ist ein harter Brocken, nicht nur wegen ihrer enormen Größe. Dass das Kasernenareal an den Bulauwald grenzt, kommt den Planern natürlich entgegen. Doch die Lage im Stadtteil Wolfgang stellt besondere Anforderungen, was den Schutz vor Verkehrslärm und die Nähe zu Industrieanlagen angeht.

          Klar ist auch, dass nur ein kleiner Teil der dringend benötigten günstigen Mietwohnungen auf dem Kasernengebiet entstehen kann. Damit die Angebote dort attraktiv sind und eine gedeihliche Bevölkerungsstruktur gewährleistet ist, muss auf einen ausgewogenen Mix geachtet werden.

          Mehrfach machte die Stadt in jüngerer Zeit negative Erfahrungen mit Investoren, die Wohnanlagen als Spekulationsobjekte ansehen. Das für die Pioneer-Kaserne gewählte Konstrukt einer städtischen Beteiligung an einer eigens gegründeten Entwicklungsgesellschaft zur Suche von Bauträgern erscheint vor diesem Hintergrund vielversprechend. Auch die Wahl eines angesehenen Gestaltungspartners schafft Zuversicht, dass das wichtige Projekt gelingen und zügig verwirklicht werden kann. Ganz so, wie es sich für eine künftige Großstadt gehört.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

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