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Ältestes Karussell der Welt : Premiere für das „Wunder von Hanau“

Drehmoment: Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ist das älteste freistehende Karussell der Welt in Hanau wieder in Betrieb Bild: Rainer Wohlfahrt

Auch wenn es übertrieben klingen mag. Es war ein kleiner magischer Moment, der den Gästen in Wilhelmsbad kurz den Atem raubte. Würe sich das sanierte älteste freistehende Karussell der Welt wieder drehen?

          Es war ein kleiner magischer Moment, der den mehreren hundert Gästen am Wochenende in Wilhelmsbad kurz den Atem raubte. Würde sich das historische Karussell auf dem Hügel im Staatsbad nach den vielen Jahrzehnten des Stillstands tatsächlich wieder drehen, lautete die bange Frage. Denn einige Sekunden dauerte es nach dem Drücken des Startknopfs, bis sich der von unten angetriebene Reif wie im Zeitlupentempo in Gang setzte, um die 16 Pferde und vier Kutschen zu ihrer ersten offiziellen Runde im sanierten Karussell mitzunehmen.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Mit einem Augenblick Verzögerung setzten erleichterter Jubel und begeisterter Applaus ein, der Blasmusikzug Altenstadt fing an zu spielen, und das Karussell drehte sich - zunächst noch ohne Passagiere - so selbstverständlich, als hätte es nie etwas anderes getan. Zur zweiten Fahrt wurde es dann eng in den sanierten Kutschen, denn nun durften die zahlreichen Ehrengäste des Eröffnungsabends auf Jungfernfahrt gehen. Neben der politischen Prominenz aus Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis nahmen natürlich auch die führenden Mitglieder des Fördervereins für die Sanierung des historischen Karussells in Hanau-Wilhelmsbad Platz.

          Präsidenten-Gattin mit dabei

          Eine erste Runde drehte auch der Überraschungsgast der Feierstunde, Daniela Schad. Die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten wuchs in Hanau auf und zählte zu den vielen Kindern, die sich eine Fahrt im Wilhelmsbader Karussell einst sehnlich gewünscht hatten. So durfte sie denn auch mit auf den Knopf drücken, der das „Wunder von Hanau“, wie die gelungene Karussell-Instandsetzung inzwischen im Volksmund heißt, vollendete.

          Doch zuvor galt es, einer Menge Leute Dank zu sagen für ihre Spendenbereitschaft, ihren Sachverstand und ihr Engagement für die Bewahrung des historischen Baudenkmals, des ältesten und technisch raffiniertesten feststehenden Karussells der Welt. So nahm der Gründer des Fördervereins, Stefan Bahn, stellvertretend für seine Mitstreiter, die Bürgerplakette der Stadt Hanau entgegen.

          Rund eine Million Euro hatte der Verein zur insgesamt gut vier Millionen Euro teuren Sanierung beigesteuert. Eingesammelt hatte er die Summe über viele Jahre bei spendablen Bürgern sowie bei der Stadt Hanau und der Stiftung Denkmalpflege. Das gelungene Werk und seine Verantwortlichen zu loben dauerte einige Zeit, in der die Gäste immer wieder besorgt zum Himmel blickten. Ohne Dramatik scheint es bei dem im Jahr 1779 nach den Plänen des findigen Architekten Franz Ludwig Cancrin fertiggestellten Wilhelmsbader Karussell nicht zu gehen, denn wechselvoll und voller Tiefschläge war seine Geschichte und spannend seine Sanierung. Doch bevor die ersten großen Tropfen auf das mit Schieferschindeln frisch gedeckte Karusselldach und die Köpfe der Festaktbesucher prasselten, hatte das Karussell seine ersten Fahrten absolviert.

          Leider kamen wegen des Unwetters dann viele nicht zum Zuge, die sich zur Eröffnung auf eine Karussellfahrt gefreut hatten. Allerdings konnten sie das beim großen Parkfest am Wochenende nachholen. Allein am Samstag zählte der Förderverein rund 2000 Bürger, die eine Fahrt mitmachten. Künftig soll sich das Karussell an ausgewählten Tagen drehen. Wegen des großen Andrangs am Festwochenende wird das schon am Nachmittag des letzten Julisonntags wieder sein.

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