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Debatte um Grundeinkommen : Die hohe Kunst des Meinungsstreits

Hände hoch: Heinrich Alt (links), Thomas Straubhaar (rechts) und Moderatorin Annika Glose bitten das Publikum um seine Meinung. Bild: Ricardo Wiesinger

Soll jeder ein Grundeinkommen erhalten oder nicht? Diese Frage wurde in Form einer amerikanischen Debatte verhandelt. Der Abend hat die Chancen des Formats aufgezeigt, trotz eines Zwischenfalls.

          Drei schlichte weiße Pulte stehen auf der Bühne. Der Saal der Frankfurter Sparkasse an der Neuen Mainzer Straße ist an diesem Dienstagabend voll, knapp 300 Menschen sind zur Debatte der Polytechnischen Gesellschaft gekommen. Da sitzt eine elegante Dame, ein Mann mit weißem Rauschebart, ein Anzugträger. Dann treten die Kombattanten vor: vom Publikum gesehen links Heinrich Alt, vor dem Eintritt in den Ruhestand im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, rechts Thomas Straubhaar, Professor für Wirtschaft in Hamburg, in der Mitte die Moderatorin Annika Glose. Nichts deutet darauf hin, dass es gleich sehr laut werden wird.

          Angetreten sind Alt und Straubhaar, um eine klassische Debatte nach amerikanischem Vorbild zu führen. Es geht um das bedingungslose Grundeinkommen. Straubhaar hat ein Konzept erarbeitet, demzufolge jeder in Deutschland 1000 Euro im Monat bekommen soll, unabhängig vom Alter, Gesundheitszustand oder Beschäftigungsverhältnis. Es soll alle anderen Transferleistungen – etwa Kindergeld und Arbeitslosengeld – ersetzen. Finanziert würde es durch eine Besteuerung der Wertschöpfung. Jeder Euro, der erwirtschaftet wird, soll mit einer Steuer in Höhe von 50 Prozent belegt werden. Straubhaar vertritt die These, dass dieses Konzept die Lösung für eine gerechte digitale Gesellschaft sei. Alt behauptet das Gegenteil.

          Ziel, das Publikum zu überzeugen

          Rede und Gegenrede dürfen in diesem Format emotional sein. Denn Ziel der Debatte ist, das Publikum zu überzeugen. Um die Ausgangslage zu klären, gibt es am Anfang eine Abstimmung, welcher Position die Zuhörer eher zugetan sind. An diesem Abend gibt es zwei gleich große Lager. Dann geht es los.

          Dass die Rollen klar verteilt sind, tut der Debatte gut. Die Redner verlieren sich nicht in einem „einerseits, andererseits“, auf Vorwürfe des anderen reagieren sie direkt. Da nur zwei Redner auf dem Podium stehen, fällt es leicht zu folgen. Der Mehrwert der klassischen Debatte laut Lehrbuch: zu einem kontroversen Thema gezielt und kontrolliert Argumente austauschen und Wissen einsetzen, dabei die Gesprächsregeln genau beachten. Wenn die kleine Glocke erklingt, die das Ende ihrer Redezeit anzeigt, kommen die Redner zügig zum Schluss. Sie formulieren klar und gehen auf die Einwände des Gegners ein.

          Impulsreferat statt kurzer Frage

          Die Redner geben sich Mühe, die strengen Regeln einzuhalten. Wer dagegen offensichtlich ein Problem mit Regeln hat, ist ein Teil des Publikums. Es scheint, als könnten die Zuhörer im zweiten Teil der Debatte, in dem kurze Fragen gestellt werden dürfen, dieser einfachen Aufgabe nicht nachkommen. Stattdessen packen sie die Gelegenheit beim Schopf, sich endlich einmal von der Seele reden zu können, was sie so bewegt und zwar insgesamt und überhaupt.

          Das gilt für die eloquente ältere Dame, die auf die Aufforderung, eine einzige Frage an einen der beiden Diskutanten zu richten, eine Art Impulsreferat hält und dann beide Männer bittet, ihre Ausführungen zu kommentieren. Und es gilt für den Mann im kurzärmeligen hellblauen Hemd, Typ Wutbürger. Er ergießt sich in einem mehrminütigen Redeschwall; erzählt, wie er gerade das Bundesverfassunggericht davon überzeugt, neue Richtlinien zur Bewertung von Fällen aufzunehmen; fabuliert über alles mögliche, aber nicht das bedingungslose Grundeinkommen.

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