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Veröffentlicht: 15.12.2012, 20:34 Uhr

Grünen-Politiker Al-Wazir Der ewige Herausforderer

Kämpfertyp aus Offenbach: Tarek Al-Wazir steht wohl vor dem letzten Anlauf, an der Spitze der hessischen Grünen Regierungsverantwortung zu übernehmen.

von , Wiesbaden
© Kretzer, Michael Tarek Al-Wazir: „Wenn man jahrelang sagt, wie man es besser machen könnte, muss man auch mal beweisen, dass man es kann.“

Zur Riege der Männer, deren Namen für den Aufstieg der hessischen Grünen von einer Protest- und Ökopartei zu einer ernstzunehmenden Kraft der „linken Mitte“ stehen, gehört neben Joschka Fischer und Rupert von Plottnitz auch Tarek Al-Wazir. Intelligenz, Stetigkeit, Fleiß, Eloquenz und Öffentlichkeitswirksamkeit, vor allem aber das Gespür für die richtigen Themen zeichnen ihn aus - eine nicht nur in Hessen außergewöhnliche Kombination. Seit fünf Jahren vereint der Kämpfertyp aus Offenbach als Erster in seiner Partei die Ämter des Landesvorsitzenden und des Fraktionschefs, er gehört laut Umfragen zu den bekanntesten und beliebtesten hessischen Politikern. Doch was hilft’s? Im Gegensatz zu seinen beiden Vorkämpfern hat er es bisher nicht zu Ministerehren gebracht.

Ralf Euler Folgen:

Die Bezeichnung Nachwuchsstar verbietet sich bei einem Einundvierzigjährigen mit sichtbar grauer werdenden Haaren, auch wenn das Gesicht und die Gestalt jungenhaft geblieben sind. Seinen Nimbus als Hoffnungsträger der hessischen Grünen hat sich der Diplom-Politologe Al-Wazir aber - allen Rückschlägen zum Trotz - bewahrt. „Koch muss weg“ lautete sein Motto in drei Landtagswahlkämpfen. Der CDU-Ministerpräsident war ein Feindbild, weil er, wie die Grünen meinten, seine Wahl 1999 einer mit ausländerfeindlichen Tönen unterlegten Unterschriftenkampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft verdankte, wegen seines Verhaltens in der CDU-Schwarzgeldaffäre, aber auch, weil Al-Wazir in ihm seinen einzigen ernstzunehmenden Gegenspieler zu erkennen glaubte. Der Sturz Kochs, so die These des Grünen, würde der Anfang vom Ende der CDU-Dominanz in Hessen sein.

2009 holten die Grünen in Hessen 13,7 – auch dank Al-Wazir

Koch ist als Politiker inzwischen Geschichte, aber die Union stellt noch immer den Ministerpräsidenten, und Al-Wazir entwickelt sich zum ewigen Herausforderer. Ende 2013 nimmt er nach 2003, 2008 und 2009 zum vierten Mal Anlauf, um die CDU aus der Regierung zu drängen - am liebsten gemeinsam mit der SPD. Bei der Landtagswahl 2009 holten die hessischen Grünen mit 13,7 Prozent ihr bis dahin bestes Ergebnis in einem Flächenland, auch deshalb, weil es Al-Wazir gelungen war, den Eindruck zu erwecken, seine Partei habe mit dem Scheitern der Pläne Andrea Ypsilantis nichts zu tun. In Wahrheit gehörte der Grünen-Chef zu jenen, die die Sozialdemokratin gedrängt hatten, das Experiment einer von der Linkspartei tolerierten Minderheitsregierung zu wagen, in der er Umweltminister geworden wäre.

Beim nächsten Mal soll nun alles besser, sprich ohne die Linkspartei laufen, und tatsächlich lassen Umfragen derzeit eine rot-grüne Mehrheit möglich erscheinen. Auch andere Konstellationen, beispielsweise ein Bündnis mit der CDU, schließt Al-Wazir nicht grundsätzlich aus. Nur mit der SPD wäre aber neben einem Regierungswechsel auch jener Politikwechsel zu schaffen, den die Grünen in Hessen anstreben. Ein „Weiter so“, für das Ministerpräsident Bouffier stehe, ist aus Sicht Al-Wazirs zu wenig. Hessen könne mehr, müsse Schrittmacher und Wegbereiter sein - bei der Energiewende, in der Bildungspolitik, im Kampf um den sozialen Zusammenhalt, bei der Haushaltskonsolidierung und nicht zuletzt im Stil der politischen Auseinandersetzung. Die CDU, so Al-Wazir, betrachte das Land zunehmend als Verfügungsmasse, sei zu Selbstkritik kaum noch fähig und halte sich für unfehlbar.

Generaldebatte zum Landeshaushalt in Wiesbaden © dpa Vergrößern Hitzig diskutierend: Tarek Al-Wazir bei der Generaldebatte zum Landeshaushalt im November 2012.

Für sich und seine Partei nimmt er hingegen in Anspruch, nicht nur eine andere, sondern auch eine „anständigere“ Politik machen zu wollen. „Es ist jetzt an der Zeit“, meint er. „Wenn man jahrelang sagt, wie man es besser machen könnte, muss man auch mal beweisen, dass man es kann.“

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