18.01.2009 · So schnell kann es manchmal gehen: Markus Bocklet von den Grünen zieht wieder in den Landtag ein. Für SPD-Mann Turgut Yüksel hingegen ist nach nur einem Jahr alles vorbei. Die Sozialdemokraten trauern, die Grünen wollen bescheiden bleiben.
Von Mechthild HartingBitter“, stößt Turgut Yüksel hervor, „das ist bitter.“ Nicht einmal ein Jahr lang hat der türkischstämmige Sozialdemokrat seinen Frankfurter Wahlkreis 36 im Landtag vertreten, da ist alles wieder vorbei. Selbst die Hoffnung, dass Überhangmandate ihn retten könnten, schwindet im Laufe des Abends vor den Leinwänden im Römer dahin. „An mir hat es nicht gelegen“, er habe bis zuletzt alles im Wahlkampf gegeben. Doch „direkt“ hatte er seinen Wahlkreis auch vor einem Jahr nicht gewonnen, die Landesliste kann ihm dieses Mal nicht helfen.
Anders Michael Paris, der Sozialdemokrat, dessen Abschneiden im Wahlkreis 38 zur Zitterpartie des Abends wird. Der ansonsten nie medienscheue Paris hatte es unter den gegebenen Umständen sogar vorgezogen, zuhause am Bildschirm zu verfolgen, wie seine politische und berufliche Zukunft aussieht.
Abstimmung über Andrea Ypsilanti
„Das war eine Abstimmung über Andrea Ypsilanti“, fasst Petra Tursky-Hartmann die Stimmung unter den Sozialdemokraten zusammen. „Der Wähler mag kein Durcheinander.“ Und: Rot-Rot-Grün sei für die Bevölkerung keine Option gewesen. Nicht viele SPD-Politiker an diesem Abend sind bereit, so deutliche Kritik am „Wortbruch“ der einstigen SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti zu üben, überhaupt mit der Linken kooperiert zu haben. „Wir haben in doppelter Hinsicht nicht Wort gehalten“, sagt SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling. Nach der „Aktion“ der vier Abweichler, „da war nichts mehr zu retten.“
Die SPD habe die Erwartungen der Wähler nicht erfüllt, meint Oesterling und spricht von einer „Quittung“ und von einer „schweren Stunde“, die „leicht abgemildert werde durch die Tatsache, dass sie absehbar gewesen ist“. Tursky-Hartmann tröstet dies kaum: „Das ist ein Schlag in die Magengrube.“ Dass das „Super-Wahlergebnis“ vom Januar 2008 „einfach so weg ist – unvorstellbar“.
Grüne feiern ihr Ergebnis
Noch nicht Erlebtes erfahren auch die Grünen im Römer an diesem Abend: Die im Laufe der Auszählung immer stärkere Annäherung des Ergebnisses der Grünen an das der SPD: „Ach, du meine Güte“, entfährt es Fraktionschef Olaf Cunitz zu fortgeschrittener Stunde, „da wird mir doch schwindelig.“ Da sind die Sozialdemokraten bereits auf unter 20 Prozentanteil der Stimmen gerutscht und die Grünen bei über 19 Prozent angelangt. 18,5 Prozent sind für die Grünen in Frankfurt bisher das beste Ergebnis gewesen, das war 2002 bei der Bundestagswahl. Dennoch, Cunitz bleibt bescheiden: Es sei „unseriös, sich einen Orden an die Brust zu heften“, das Ergebnis habe wenig mit der schwarz-grünen Politik in Frankfurt zu tun.
Dennoch: Die Grünen zeigen sich seit der ersten Hochrechnung sehr zufrieden. „Das ist das beste Ergebnis der Grünen in Hessen und das beste der Grünen in einem Flächenland“, sagt Landtagsabgeordnete Sarah Sorge. Nur ein „kleines bisschen Wehmut“ verspüre sie, schließlich bleibt nur, die „Oppositionsführerschaft auszubauen“. „Politisch tragisch – persönlich schön“, fasst Markus Bocklet seine Stimmung zusammen. Er zieht nach einem Jahr Pause dank des guten Abschneidens der Grünen wieder in den Landtag ein. Das Jahresticket nach Wiesbaden könnte er jedenfalls von Turgut Yüksel übernehmen.