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Frankfurter Wohnungsbau : Wohnungen versus Gärten

Ärger im Grünen: Kleingartenanlagen in Frankfurt sollen neuen Wohnungen weichen. (Symbolbild) Bild: Helmut Fricke

Im Nordend bekommen die Grünen Ärger mit der eigenen Klientel: Die Freizeitgärtner sind von den Plänen der Stadt, auf ihren Beeten Wohnungen zu bauen, gar nicht begeistert. Auch an der Basis rumort es.

          Überall gibt es Tore und Schlösser, die Freizeit- und Kleingärten östlich der Friedberger Landstraße stehen nicht jedermann offen. Gerade das macht die Anlage für die Gärtner zum Idyll. Ruhig und abgeschieden genießen sie auf ihren Parzellen die eingehegte Natur, mitten in der Großstadt. Doch das soll sich nach dem Willen der Verwaltung ändern. Um Wohnraum zu schaffen, wollen die Planer nicht nur die Autobahn 661 überbauen, sondern auch eine Art ökologischen Musterstadtteil anlegen, der östlich der Friedberger Landstraße entstehen soll - also ausgerechnet im Reich der Stadtgärtner.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Michael Mirsch hat dort zwar keinen Garten, aber viel Sympathie für alle, die Grünflächen mögen und verteidigen. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Ortsbeirat kann sich allenfalls eine Randbebauung an der Friedberger Landstraße vorstellen. Dort, wo heute noch mit Gebrauchtwagen gehandelt wird. „Aber das geplante Innovationsquartier ragt viel weiter in die Gärten hinein“, kritisiert Mirsch. Die Frischluftschneise werde zugebaut. Mirsch will das nicht mittragen. „Das Nordend ist ohnehin schon der am dichtesten bebaute Stadtteil Deutschlands. Wir müssen Grünflächen erhalten, nicht bebauen.“

          Cunitz will Pendler unterstützen

          Auch Manuel Stock ist Fraktionsvorsitzender der Grünen, allerdings in der Stadtverordnetenversammlung. Sie soll noch in diesem Jahr beschließen, ob das Innovationsquartier realisiert und ob, in einem späteren Schritt, die Autobahn eingehaust wird. „Wir sind eine wachsende Stadt und müssen im Zweifel auch an Freizeitgärten herangehen. Wenn wir nicht wollen, dass die Mieten weiter steigen und die Region zersiedelt wird, müssen wir Wohnungen bauen.“ Stock nennt das „organisches Wachstum“: also die schon gut an den Nahverkehr angebundenen Stadtteile weiterentwickeln, statt außerhalb eine „Trabantenstadt“ anzulegen.

          Der Grünen-Fraktionsvorsitzende hat dabei keine Angst vor Streit. „Auseinandersetzungen sind der Preis des Regierens“, sagt er. Stock hofft, die Gärtner im Nordend zu überzeugen, immerhin soll ein Großteil der Gärten in der Nähe neu angelegt werden, auch auf dem neuen Deckel der Autobahn. Zudem gebe es durchaus neue grüne Freiräume: Stock erinnert an die schon beschlossene Erweiterung des Günthersburgparks im Nordend.

          Auch Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) wirbt für das Innovationsquartier. Er hält es mit Blick auf die Zahl von 400.000 Pendlern für ökologischer, die Stadt zu verdichten und in kleinerem Umfang Freiflächen zu bebauen, als jenseits der Stadtgrenze neuen Wohnraum zu schaffen. Die Stadt dürfe mit ihrer Siedlungspolitik nicht die Zahl der Pendler erhöhen. „Wachstum außerhalb Frankfurts heißt mehr Pendler“, sagt der Dezernent.

          Freizeitgärten nur Provisorium

          Sein Sprecher weist darauf hin, dass das Areal an der Friedberger Landstraße eine der innenstadtnächsten Flächen sei, die sich für den Wohnungsbau eigneten. Zudem sei immer klar gewesen, dass die Freizeitgärten nur ein Provisorium seien. Denn eigentlich war an dieser Stelle die Alleenspange geplant, die die beiden Autobahnen 66 und 661 miteinander verbinden sollte. Dann wäre an Stelle der Gärten eine Straße verlaufen.

          Auch über die Fakten wird gestritten. Cunitz’ Sprecher widerspricht der Darstellung des Ortsbeirats, wonach die Frischluftschneise zugebaut wird. Das Gegenteil sei der Fall: „Die Frischluftschneise wird besser funktionieren als zurzeit. Der Wind wird direkt ins Nordend geleitet.“

          Nach der Sommerpause will das Planungsdezernat mit einer Magistratsvorlage an die Öffentlichkeit gehen. Der Rahmenplan für das Projekt ist noch einmal überarbeitet worden. Aus der Vorlage soll hervorgehen, dass das Innovationsquartier vorgezogen, also losgelöst von der Einhausung, realisiert wird. Den Freizeitgärtnern will die Stadt Ausweichflächen anbieten. Schon jetzt ist aber klar, dass nicht alle in der näheren Umgebung untergebracht werden können.

          Quelle: F.A.Z.

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