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Aktualisiert: 20.01.2015, 10:21 Uhr

Greser-und-Lenz-Karikaturen Hanau nimmt Absage der Ausstellung zurück

Kehrtwende um 180 Grad: Hanau will offenbar doch die Werke der Karikaturisten Greser und Lenz zeigen. Die Absage einer Ausstellung war publik geworden und von dem Zeichnerpaar als „Sieg der Terroristen“ gewertet worden.

von , Hanau
© Greser & Lenz

Die Stadt Hanau wird nun offenbar doch die für das Frühjahr geplante Ausstellung mit Werken der Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz stattfinden lassen. Ursprünglich wollte die Stadt die Schau absagen, weil der Sicherheitsaufwand nach den Terroranschlägen von Paris zu groß geworden sei. Während die Stadt die Kehrtwende nicht bestätigen wollte und auf eine am Dienstag um 14 Uhr stattfindende Pressekonferenz verwies, sagte Achim Greser auf Anfrage, dass er mittlerweile einen Anruf von der Stadt erhalten habe mit der Bestätigung, dass die Ausstellung nun doch stattfinden werde.

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In Reaktion auf die ursprüngliche Absage hatte Greser, der zusammen mit seinem Kollegen Lenz in Aschaffenburg ein Büro unterhält, in dem Karikaturen unter anderem für diese Zeitung entstehen, der Stadt Hanau keinen Vorwurf gemacht. Für ihn wäre es jedoch „ein Sieg der Terroristen“ gewesen, wenn die Ausstellung nicht zustande gekommen wäre. Bislang gebe es noch keinen unterschriebenen Vertrag mit der Stadt Hanau. Doch seien die Verhandlungen „abschlussreif“. Gezeigt werden sollten nach seinen Angaben Arbeiten aus den vergangenen Jahren zu vielen gesellschaftlichen und politischen Themen. Darunter wären auch einige wenige religiöse Motive zu finden gewesen.

Der Karikaturist Achim Greser ist erleichtert, dass die Stadt Hanau die Ausstellung nun doch durchführen will. Dieser Sinneswandel sei „plötzlich, aber auch sehr erfreulich“, so Greser im aktuellen Gespräch mit hr1: „Der Rummel darum hat wohl die Menschen im Hanauer Kulturamt bewogen, anders zu entscheiden, das ist wunderbar.“

In der Ausstellung werden nach seiner Auskunft keine Mohammed-Karikaturen gezeigt, weil sie in den Werken der beiden Karikaturisten keine Rolle spielten: „Wir haben Mohammed einmal gezeichnet, das war unmittelbar nach dem Anschlag, aus der Wut heraus. Wir haben das bisher vermieden. wir haben zentrale Religionsfiguren bisher gar nicht eingesetzt, sondern uns auf die Menschen beschränkt, die damit allerlei anrichten.“ Die Zeichnungen sollen im März im Schloss Philippsruhe gezeigt werden.

Geldgeber könnte so schnell nicht helfen

Martin Hoppe, Fachbereichsleiter für Kultur, Stadtidentität und internationale Beziehungen der Stadt Hanau sprach von Vorverhandlungen. Die veranschlagten Kosten für die Greser-und-Lenz-Präsentation, die in den Galerieräumen unter dem Dach des Hauptflügels von Schloss Philippsruhe stattfinden sollte, bezifferte der Kulturamtschef auf rund 20.000 Euro. Wenn alles ruhig und nach Plan verlaufen wäre, hätte der städtische Kulturbetrieb das schultern können. Nach den Anschlägen müsse die Stadt aber mit zusätzlichen hohen Kosten für Sicherheitsvorkehrungen rechnen.

Auf Nachfrage hatte Hoppe zur ursprünglichen Absage erklärt, dass für die Finanzierung der Sicherheitsvorkehrungen zur Ausstellung „Paris mon amour“ im vergangenen Jahr Sponsoren der Stadt maßgeblich unter die Arme gegriffen hätten. Aber selbst wenn sich jetzt noch ein Geldgeber für die Sicherheitsausgaben für die Greser-und-Lenz-Schau fände, sei die Ausstellung bis März nicht mehr zu organisieren. Schon für eine ausreichende Werbung fehle es an Zeit. Die Stadt hätte die Ausstellung gerne gezeigt, sagte Hoppe. Auch wolle man nicht vor einer Herausforderung kneifen. Doch die Stadt habe eine Fürsorgepflicht für das Haus, die Mitarbeiter und vor allem die Besucher. Die Sicherheit stehe im Vordergrund. Man hoffe aber, die Karikaturenausstellung zu einem späteren Zeitpunkt nachholen zu können.

Fühlen sich Greser und Lenz bedroht?

Wegen der strengen Sparauflagen im städtischen Kulturbetrieb, in dem mehr als zwanzig Prozent aller Ausgaben eingespart werden, sollte es laut Hoppe in diesem Jahr ohnehin nur zwei Ausstellungen geben: die Greser-und-Lenz-Ausstellung aus Anlass des 225.Geburtstags von Ludwig Emil Grimm und eine weitere Schau aus Anlass des Geburtstages von Reinhold Ewald. Der expressionistische Maler war im Jahr 1890 in Hanau geboren worden. Laut Hoppe wird es nun bei der Ewald-Ausstellung bleiben.

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Die Pariser Anschläge überschatten offenbar ein weiteres Projekt von Greser und Lenz. Auf der Kippe steht laut Greser eine Ausstellung mit Werken der beiden Karikaturisten, die im Kunstauktionshaus Lempertz in Berlin geplant sei. Die Verhandlungen mit dem Kurator seien schon „recht konkret“. Allerdings habe das Unternehmen vor einer Zusage noch um Geduld gebeten.

Bedroht fühlen sich die Karikaturisten nach den Worten Gresers nicht. Kürzlich sei ein Beamter der Kriminalpolizei in ihrem Aschaffenburger Büro vorbeigekommen und habe sich nach ihrem Befinden erkundigt. Der Besuch sei angenehm und entspannt verlaufen. Dagelassen habe der Beamte eine Telefonnummer, die die beiden Zeichner nach polizeilichem Rat lieber einmal zu oft als einmal zu wenig anrufen sollen, wenn ihnen etwas verdächtig vorkomme.

© afp Karikaturisten pochen auf Meinungsfreiheit

Quelle: F.A.Z.

 

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