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„Great Spas of Europe“ Bad Homburg will Welterbestätte werden

Die Kurstadt Bad Homburg will sich für die Bewerbung mit europäischen Badeorten zusammentun. Ein Gutachten bestätigt die Bedeutung im 19. Jahrhundert.

© Sick, Cornelia Vergrößern Zeitzeugen: Villen aus dem 19. Jahrhundert an der Kaiser-Friedrich-Promenade in Bad Homburg

Wiesen und Bäume, Tennis- und Golfschläger, Roulettekugel und Homburg-Hut: das könnten die Zutaten für eine Bewerbung Bad Homburgs als Welterbestätte sein. Gemeinsam mit anderen europäischen Badeorten des 19. Jahrhunderts, die sich als „Great Spas of Europe“ zusammengeschlossen haben, will sich die Kurstadt um die Aufnahme in die Unesco-Liste bemühen. Die Gruppe besteht derzeit aus elf Mitgliedern. Vier liegen in Tschechien: Karlsbad, Marienbad und Franzensbad im böhmischen Bäderdreieck sowie Bad Luhatschowitz in Mähren. Hinzu kommen Baden-Baden, Wiesbaden und Bad Kissingen in Deutschland, Vichy in Frankreich, Montecatini Terme in Italien, das für die ganze Gattung namensgebende Spa in Belgien sowie Bath. Die englische Stadt steht schon seit 1987 auf der Welterbe-Liste.

Bernhard  Biener Folgen:

Ob Bad Homburg überhaupt die Grundanforderung erfüllt und einen „außergewöhnlichen universellen Wert“ aufweist, hat der französische Kunsthistoriker Dominique Jarrassé in einem Ende Dezember vorgelegten Gutachten untersucht. Er kommt darin zu einem positiven Ergebnis und hebt zwei Hauptmerkmale hervor. Das erste sei die „grüne Kurstadt“ mit dem von Peter Joseph Lenné entworfenen Kurpark. Dieser könne das Zentrum eines zu schützenden und zu kennzeichnenden Gebiets sein. In dem Park fänden sich Brunnen, Pavillons und Orangerie als typische Elemente von Landschaftsgärten. Jarrassé hebt aber auch den Schlosspark als ältesten Garten sowie die Landgräfliche Gartenlandschaft hervor, die als frühere Anlage eine Verbindung zur umgebenden Natur herstelle.

Thermales Leben

Als zweites Hauptmerkmal sieht der Kunsthistoriker den Beitrag Homburgs zur „Entwicklung einer europäischen Gesellschaft sowie eines thermalen und internationalen gesellschaftlichen Lebens“. Die Rolle eines der „Salons de l’Europe“ hat die Stadt in zwei Zeitphasen übernommen. Die sogenannte Spielzeit von 1840 bis 1870 zog wegen des von zwei Franzosen - François und Louis Blanc - eingerichteten Casinos Gäste aus dem Ausland nach Homburg. Der Ruf der Spielbank war dabei weit bedeutender als jener der Heilquellen. Das zeigte sich, als das Casino schließen musste und die Besucherzahlen einbrachen.

Doch die „Kaiserzeit“ (1880 bis 1914) zog wegen der häufigen Aufenthalte des deutschen Herrschers abermals internationales Publikum an den Taunus. Dabei bescherten die Engländer Homburg eine Pionierrolle mit der Anlage von Golf- und Tennisplätzen - beide Sportarten kann man noch heute im Kurpark betreiben. Und der Homburg-Hut wird bekanntlich ebenfalls einem Engländer, dem späteren König Edward VII., zugeschrieben.

Nach Ansicht Jarrassés, der ein entsprechendes Gutachten schon für Wiesbaden erstellt hat, kann Bad Homburg eine bedeutende Rolle bei der Welterbe-Bewerbung der Badeorte einnehmen und zum „universellen Wert“ der Gruppe beitragen. Die Stadt erfülle in großem Ausmaß das Kriterium der Internationalität, was sich sogar in seinem architektonischen Erbe widerspiegle - der Englischen und der Russischen Kirche sowie der Thai Sala.

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Oberbürgermeister Michael Korwisi (Die Grünen) zeigte sich gestern erfreut über die Einschätzung, mit der sich die Bewerbung wissenschaftlich unterlegen lasse. Es lohne sich, dass man in Bad Homburg den Wert des nahezu unveränderten Kurparks früh erkannt habe und „wir den Denkmalschutz ernst nehmen“. Auch wenn der Verlust des nach den Bombentreffern des Zweiten Weltkriegs abgerissenen Kurhauses schmerzlich bleibe.

Als Nächstes will sich Bad Homburg bemühen, in die Gruppe der elf „Great Spas of Europe“ aufgenommen zu werden. Auf die Idee dazu war vor zwei Jahren Kai Mathieu gekommen. Auf einer Tagung des Internationalen Rats der Denkmalpflege, dessen deutscher Sektion Mathieu viele Jahre als stellvertretender Vorsitzender angehörte, erfuhr er 2010 von der gemeinsamen Bewerbung der Badestädte. „Da habe ich mich gefragt, warum Bad Homburg nicht dabei ist.“ In seiner Zeit als Direktor der Verwaltung der hessischen Schlösser und Gärten habe er schon die Welterbe-Bewerbungen von Lorsch, dem Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe und des Limes angestoßen oder begleitet.

„Bühne der Gesellschaftskur“

Die gemeinsame Welterbe-Bewerbung wird von der Tschechischen Republik vorgelegt werden, und die Leitung der Städtegruppe hat der Karlsbader Bürgermeister Petr Kulhanek. Korwisi setzt beim Bemühen um Aufnahme in die Reihe der Bäder auch auf die Kontakte in die Partnerstadt Marienbad. Zudem habe er bei einem Besuch in Spa positive Signale empfangen, sagte der Bad Homburger Oberbürgermeister. Das Gutachten sei dem Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden übergeben worden, damit man auf die sogenannte Tentativliste komme, die nationale Vorschlagsliste für Welterbe-Bewerbungen. „Natürlich muss ich auch mal mit meinem Wiesbadener Kollegen sprechen“, so Korwisi.

Die Welterbe-Bewerbungen von Darmstadt mit der Künstlerkolonie Mathildenhöhe, der Universitätsstadt Marburg und Wiesbaden als „Bühne der Gesellschaftskur im 19. Jahrhundert“ liegen seit vergangenem Sommer bei der Kultusministerkonferenz in Bonn, damit sie auf die deutsche Vorschlagsliste kommen. Für einen seriellen Antrag wie jenen der Badestädte sieht der Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, Gerd Weiß, aber auch außerhalb der Liste Chancen. Nach einem Bericht des Internationalen Rats der Denkmalpflege sei das 19. Jahrhundert bei den Welterbe-Stätten unterrepräsentiert. „Die Bewerbung ist daher im Grundsatz sinnvoll“, sagte Weiß auf Anfrage. Die Schwierigkeit sei aber, für die sehr unterschiedlichen Badeorte der europäischen Länder eine gemeinsame Überschrift und das wesentliche verbindende Element zu finden. Außerdem sei eine serielle Bewerbung nur so gut wie das schwächste Glied. „Zunächst muss sich die Gruppe der Städte einigen“, sagte Weiß.

Quelle: F.A.Z.

 
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